SailGP: Ainslie gibt das Steuer ab – America’s-Cup-Konkurrent übernimmt

"Persönliche Verpflichtungen"

Nach Ben Ainslie’s spektakulärem Comeback-Sieg beim ersten SailGP der neuen Saison in Bermuda, hat er nun überraschend verkündet, das Ruder des britischen Bootes ersteinmal aus der Hand zu geben.

Der America’s Cup Skipper und siegreichen SailGP-Steuermann Ben Ainslie wird bei den nächsten beiden SailGP-Etappen nicht am Steuer des britischen F50 Katamarans stehen. Offiziell gibt er bekannt “aufgrund langjähriger persönlicher Verpflichtungen”, nicht nur das nächste Event im italienischen Tarent (05.-06. Juni) zu verpassen, sondern überraschend auch das Heim-Event in Plymouth (17.-18. Juli).

Das britische Team mit Ainslie (l.) darf nach irrem Comeback feiern. © SailGP

Genauer definiert er die “Verpflichtungen” nicht. Muss er der Frau mehr im Haushalt helfen? Ist er nach der intensiven Cup Kampagne ausgebrannt? Hat er keine Lust mehr? Oder gönnt er sich einfach nur einen längeren Urlaub?

Immerhin präsentiert er einen spannenden Ersatzmann: Paul Goodison (43). Der britische Laser-Olympiasieger 2008 und Weltmeister 2009 hatte zuletzt mehr Ainslies Gegenspieler im Rampenlicht der Segelwelt gestanden. Beim America’s Cup in Auckland gerhörte er als einziger Nicht-Amerikaner bei American Magic zur Schaltzentrale (als Wing-Trimmer). Vier Jahre zuvor hatte er den gleichen Job bei Artemis Racing. Zwischendurch wurde er dreimal hintereinander Weltmeister in der Foiling-Moth (2016 bis 18) und gewann sogar mit Frithjof Kleen die Star Sailors League im Fotofinish.

Moth-Weltmeister Paul Goodison taucht frühzeitig vor der Halse nach Lee ab, um der Fliehkraft entgegen zu wirken. © Martina Orsini

Dass er nie zu den Cup-Teams von Ben Ainslie gehörte, lag wohl eher am schlechten Timing einem verpatzten gemeinsamen Auftritt in der Extreme Sailing Series 2014 und an Giles Scott. Der Finn Dinghy-Olympiasieger ist zur rechten Hand von Ainslie geworden – eine Rolle die auch Goodison hätte spielen können.

Scott wäre wohl auch eher ein logischer Vertreter von Ainslie auf dem SailGP-Katamaran gewesen. Aber der INEOS Team UK Taktiker muss sich nun intensiv auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Nach Platz 9 bei der jüngsten WM gibt es noch viel zu tun.

Goodison sagt zu seiner neuen Herausforderung. “Ich bin ein großer Fan des SailGP. Es ist ein großartiges Sport-Spektakel mit einer unvergleichlichen Qualität in den Segelcrews. Als Ben mich anrief, habe ich nicht gezögert, sofort zuzusagen.” Insbesondere das erste Event in Italien sei für ihn sehr speziell, da seine Frau Italienerin ist. Die Familie lebt mit einem Sohn am Gardasee.

Es ist keine leichte Aufgabe für Goodison, den Staffelstab von Ainslie zu übernehmen. Schließlich hat dieser in Bermuda mal wieder ein Meisterstück im Higspeed-Segeln abgeliefert und mit 51,19 Knoten sogar den Speedrekord der F50 gebrochen.

Goodison dagegen kann auf den großen Foilern keine Rennerfahung am Steuer nachweisen. Allerdings dürfte er als Backup von Dean Barker durchaus beim Training mit dem AC75-Cupper das Ruder übernommen haben. Die Chance am SailGP-Rad könnte ihm nun eine neue Perspektive als Foiler-Steuermann eröffnen. Die Zukunft von Dean Barker in dieser Rolle beim American Magic Team ist zumindest längst nicht gesichert.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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