SailGP Bermuda: Nächster Segel-Höhepunkt – Fünf America’s Cup Stars treffen aufeinander

Spoiler Alarm

Kann man als Zuschauer vom Segelsport mitgerissen werden? Heute startet der nächste Versuch, die Frage mit Ja zu beantworten. Viel mehr als der SailGP hat der Sport eigentlich nicht zu bieten.

An diesem Wochenende (24./25. April) beginnt die zweite Saison des SailGP-Zirkus, der im vergangenen Jahr nach der Auftaktveranstaltung in Sydney und dem Sieg von Ben Ainslie durch die weltweite Pandemie gestoppt wurde. Seitdem ist CEO Russell Coutts nicht untätig gewesen und hat unter dem Druck und mit den Möglichkeiten des 200 Millionen Dollar Sportvermarkter-Deals die Veranstaltung enorm aufgewertet.

Die F50 Flotte beim ersten gemeinsamen Training in Bermuda. © SailGP

Das lässt sich insbesondere an den teilnehmenden Teams ablesen. Die Flotte ist auf acht angewachsen. Im Gegensatz zur ersten Saison fehlt zwar China, aber Dänemark, Spanien und zuletzt Neuseeland sind dazu gekommen. Schon die erfolgreiche Einbeziehung von Ben Ainslie inmitten seiner America’s Cup Kampagne war erstaunlich. Aber der Onedesign-Ansatz, die Offenlegung der Renndaten und die genau kontrollierte, beschränkte Trainingszeit hält den zeitlichen Aufwand so sehr im Rahmen, dass Engagements beim Cup oder Olympia nicht ruhen müssen.

Ainslie, Burling, Spithill, Slingsby, Outteridge

Das ist der Grund, warum nun so viele Stars an der Startlinie auftauchen, die gerade noch beim America’s Cup in Neuseeland im Rampenlicht standen. Während früher die Hackordnung und der Marktwert der besten Segler für den Cup über die Match-Race-Rangliste definiert wurde, scheint nun der SailGP diese Einordnung übernehmen zu können. Coutts gelang es, nach Ainslie auch Peter Burling und Blair Tuke mit einem neuseeländischen Team zu heuern, obwohl das durchaus brisant war.

Peter Burling bei seinen ersten Gehversuchen auf dem neuen F50. © SailGP

Danach ging James Spithill beim bisher schwachen USA-Team an Bord – der Australier besitzt einen US-Pass und wohnt mit seiner amerikanischen Frau in San Diego – verpflichtete zwei American Magic Segler und zuletzt Ainslies britischen Flight Controller 2017 Paul Campbell James. Als besonders wertvoll könnte sich insbesondere auch die neue Zusammenarbeit mit dem französischen Coach Philippe Presti herausstellen. Der hatte zuvor das siegreiche australische Team beschleunigt und bei Luna Rossa mit Spithill gearbeitet.

Spithill hat nun auch seinen langjährigen Sponsor Red Bull mit ins Boot geholt:

Die Franzosen um Nacra17 Dreifach-Weltmeister Billy Besson bedienten sich ebenfalls beim INEOS Team UK und holten Wing Trimmer Leigh McMillan, der auch schon 2017 mit dem Land Rover AC50 in Bermuda gesegelt ist. Und Nathan Outteridge, Artemis-Skipper 2017 und Cup-Kommentator 2021 verstärkte das japanische Team mit Spithills Co-Steuermann bei Luna Rossa Francesco Bruni als Flight Controller. Auch Chris Draper (GBR), Wing Trimmer beim Softbank Team Japan 2017 und vormaliger Luna Rossa Steuermann, sollte das Niveau des Teams deutlich anheben.

Ainslie testet, ob man auch so schöne Stunts wie mit den AC75 Cuppern machen kann. © SailGP

Damit gehört Team Japan, das entsprechend der ursprünglichen Regeln eigentlich mehr nationale Segler einsetzen sollte und deshalb Qualität eingebüßt hatte, auf Anhieb wieder zum Mitfavoritenkreis. Outteridge konnte zuletzt das Niveau nach dem Abgang seines congenialen Partners und ex 49er-Vorschoter Iain Jensen zu Ainslies Cup Team – für das er auch nun auch wieder als Wing Trimmer antritt – nicht mehr halten.

Vorhersagen schwierig

Eine klare Hackordnung ist vor den ersten Rennen in Bermuda allerdings schwer zu bestimmen. Denn die Teams hatten kaum Trainingszeit auf den neuen Booten. Besonders die Kiwis konnten auf ihrem neu gebauten Katamaran wegen Covid-Restriktionen und zu starkem Wind nur einen statt drei Tage segeln. Deshalb dürften einmal mehr die Australier mit dem ex Oracle-Team-USA-Taktiker und Laser-Olympiasieger Tom Slingsby stark aus den Startblöcken kommen. Denn die Sieger der ersten Saison sind in fast gleicher Besetzung zusammengeblieben.

Sie sind allerdings schon gekentert – mit dem Boot des US-Teams:

Das australische Team gehört wieder zu den Favoriten. © SailGP

Dagegen werden es die Spanier schwer haben, die zwar auf den erfahrenen neuseeländischen ex Team China-Steuermann Phil Robertson vertrauen können, aber sonst wenig Erfahrung mit den fliegenden Kisten haben. Ähnlich geht es den Dänen um Nicolai Sehestedt. Das neue Team durfte am meisten trainieren und verstärkte sich mit dem australischen Wing Trimmer Tom Johnson, der zuvor in gleicher Position für das SailGP US-Team und mit Spithill bei Ocracle gearbeitet hatte. Aber es wird schwierig, gegen die Cup-Profis zu bestehen.

Die Dänen vor Bermuda. © SailGP

Wie gut die Teams in Fahrt kommen, hängt davon ab, wie schnell sie die neuen Systeme beherrschen lernen. Neue Segelflügel haben den Einsatzbereich deutlich erweitert. Ein kleineres 18 Meter hohes starres Segel erhöht die Kontrolle und auch den Speed im Windbereich selbst über 30 Knoten. Bei weniger Wind wird ein 24 Meter Flügel gestellt. Ein 28 Meter hohes Profil ist noch in Vorbereitung. Anders als zuvor sind nun alle sieben Antriebe nach exakten Onedesign-Vorgaben gebaut. Sie sollen auch hydraulisch besser zu trimmen sein.

Spoiler-Alarm

Das Setup für den ersten SailGP der Saison ist sportlich spannend wie nie. Aber die Probleme bei der Organisation sind kaum zu übersehen. Erst hat die Corona-Pandemie große Probleme bereitet und fast zur Absage geführt – Coutts erhielt schließlich die erhoffte Ausnahmegenehmigung – und nun macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Das neue gebaute NZ-Boot in Aktion. © SailGP

So lässt leichter Wind am Samstag kaum segelbare Bedingungen erwarten. Deshalb hat die Wettfahrtleitung den ungewöhnlichen Entschluss gefasst, die ersten Rennen schon heute am Freitag zu segeln. Da aber die TV-Ausstrahlungen Samstag und Sonntag stattfinden, will man Samstag die Bilder vom Freitag zeigen und zuvor über die Ergebnisse Stillschweigen bewahren. Es muss sich zeigen, ob wirklich niemand spoilert.

Für deutschsprachige Zuschauer überträgt ServusTV jeweils ab 19 Uhr. Aber freie Livestreams sollen auch per SailGP APP auf der SailGP Facebook-Seite und auf YouTube ausgestrahlt werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „SailGP Bermuda: Nächster Segel-Höhepunkt – Fünf America’s Cup Stars treffen aufeinander“

  1. avatar August Schram sagt:

    Wenn ich den untertitel lese, könnte ich glauben, der Carsten hat von der Vendée Globe nichts mitbekommen. 😀

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