SailGP: China raus, Spanien rein – Kommen die 50-Knoten-Foiler auf die Ostsee?

Plötzliche Absage

Der SailGP ist in seiner zweiten Saison wieder einer der Höhepunkte des Segeljahres 2020. Nach der Aufstockung des Feldes um Dänemark und Ainslie folgt nun aber ein schmerzlicher Rückschlag.

Die Medien-Maschine von Russell Coutts lief unter Volldampf, als er zwei Coups für die neue SailGP-Saison 2020 präesentieren konnte. Ben Ainslie steigt bei den Briten ein und die Dänen erweitern mit der Übernahme des nächsten F50-Neubaus das Feld auf sieben Boote. Der Ausfall des chinesischen Teams dagegen ist schwer vermittelbar für ein junges Sportevent-Projekt, dass durch eine rasante, positive Entwicklung glänzen möchte.

Entsprechend schmallippig kommunizierte Coutts den Rückschlag: “Wir haben leider nicht die notwendigen Genehmigungen erhalten, um das Team innerhalb unserer bestehenden Struktur weiter zu betreiben…Die Mitglieder des chinesischen Teams haben sich stark für den SailGP engagiert, und die Liga und das Land sehr gut repräsentiert. Wir wünschen allen Beteiligten alles Gute und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit einigen Teammitgliedern.”

Absage undurchsichtig

Was genau hinter der plötzlichen Absage steckt, bleibt undurchsichtig. Dabei handelt es sich bei den Chinesen um keinen Geringeren als die Saison-Dritten, die gerade zum Schluss auch mit einem Rennsieg gezeigt hatten, dass sie ganz vorne mithalten können.

Der Neuseeländer Phil Robertson skippert mit zwei Chinesen an Bord auf Rang drei der ersten SailGP Saison. © Chris Cameron SailGP

Allerdings steckte vielleicht zu wenig China drin im Team, wo China draufsteht. Der Erfolg basierte überwiegend auf den Steuerkünsten des Neuseeländers Phil Robertson, Sieger des Millionen-Match-Races 2016, und seiner britisch-australisch-französischen Crew, die besonders durch Ainslies Bermuda-Wing-Trimmer Paul Campbell-James beim Saisonfinale auf Touren kam.

Die beiden Chinesen Liu Xue und Chen Jinhao haben zwar immerhin mit Dongfeng das Volvo Ocean Race gewonnen und sind hervorragende Grinder. Aber sie dürften noch nicht über ausreichend Know How verfügen, um einen F50 unter eigener Regie mit einem reinen Nationalteam zu bewegen. China gibt zwar Gas auch auf olympischer Ebene, aber die großen Erfolge beschränken sich fast ausschließlich auf die Surf-Disziplinen. Bei den Männern käme allein ein 470er Team für die höhere Aufgaben eines SailGP-Teams in Frage, das in der Weltrangliste auf Rang sieben platziert ist.

Spanier haben es schwer

Das sieht ganz anders aus bei den Spaniern, die Coutts als China-Ersatz aus dem Hut zauberte. Sie haben mit Jordi Xammar (26), dem zweifachen ISAF-Youth-Worlds-Sieger im 420er und zuletzt Dritten und Zweiten der 470er-WM, einen der aufstrebendsten Segler der Welt in ihren Reihen. Er wird als logischer Skipper gehandelt und dürfte durch die spanische Stärke in den olympischen Speed-Klassen ein starkes Team zusammenbauen können.

Die 470er Vize-Weltmeister Jordi Xammar am 470er Steuer © RFEV

Foiling- und America’s Cup Erfahrung fehlt allerdings überwiegend, auch wenn Xammar schon bei der Extreme Sailing Series am Steuer eines GC32-Fliegers zu einem Kurzeinsatz kam und beim Youth America’s Cup für Spanien den AC45 skipperte. Aber es wäre eine Überraschung, wenn die Spanier in ihrer ersten Saison konkurrenzfähig sein könnten. Zumal sich Xammar und Co in der wohl zeitraubendsten Phase der Olympia-Vorbereitung für 2020 befinden.

Für deutsche Fans ist eine der spannendsten Fragen, ob die schnellsten Segelboote der Welt ihre Ü-50-Knoten-Runs 2020 auf der Ostsee austragen werden. Nach der Meldung des dänischen Teams besteht eine große Wahrscheinlichkeit für ein Rennen vor Kopenhagen. Die Entscheidung soll im Januar fallen.

Bisher stehen folgende Termine und Rennorte fest:

Sydney, Australia (Februar 28-29)
San Francisco, USA (Mai 2-3)
New York, USA (Juni 12-13)
Cowes, UK (August 14-15)

2020 will Coutts mit seinem SailGP insbesondere an der medialen Sichtbarkeit der neuen Segel-Profi-Liga arbeiten. Dafür kündigt er eine globale Marketing Kampagne an, die zeigen soll, wie mit dem SailGP der traditionelle Sport in ein revolutionäres Weltklasse-Spektakel verwandelt worden ist.

Dafür wurde in der Marketing-Abteilung gleich an drei Positionen personell aufgerüstet. Der neue Marketing Chef Michael Porter war zuletzt fünf Jahre lang mit dem Aufbau der FIA Motorsportserie Formula E befasst, Content-Chef Jose Garnes führte zuletzt für INEOS den U-2Stunden Marathon Rekord zum medialen Erfolg.

Ziel ist es, den SailGP in eine wirtschaftlich nachhaltige Liga zu transformieren. Das wäre der Traum von Larry Ellison, der das Vorhaben die ersten fünf Jahre finanziert. Danach soll das Baby SailGP auf eigenen Füßen stehen können.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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