SailGP: Coutts Traum wird wahr – Spektakuläre America’s Cup Alternative für Nationalteams

Die Zeit ist reif

Es klang schon 2007 aufregend. Russell Coutts wollte die World Sailing League aus der Wiege heben und Nationenteams um die Wette rasen lassen. Nun kann er die gescheiterte Idee doch noch verwirklichen.

Duell zwischen Oracle und Team New Zealand in Bermuda. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Russell Coutts sorgte vor elf Jahren für Aufsehen, als er einen Onedesign Profi-Segelzirkus aus der Taufe heben wollte. Damals kündigte er Schulter an Schulter mit Paul Cayard die Zusammenarbeit mit dem renommierten portugiesischen Sport Promoter João Lagos an. Der ehemalige Davis Cup Spieler hatte zuvor erfolgreich Golf, Tennis, Reiten, Surfen und Beach Volleyball vermarktet. Nun sollte Segeln dazu kommen.

Coutts war von Ernesto Bertarelli nach einem Streit bei Alinghi auf das Abstellgleis geschoben worden, und so hatte der Neuseeländer Zeit, an einem Gegenentwurf zum America’s Cup zu basteln. Zur Blütezeit des America’s Cups in Valencia mit zwölf Syndikaten schien das wie die Reaktion des ausgesperrten trotzigen Kindes. Und vielleicht scheiterten auch deshalb die Pläne.

Vision vom 70-Fuß-Kat, der im Sommer 2008 für die World Sailing League gebaut werden sollte. © WSL

Aber auch weil der durchschnittliche Profisegler beim Thema Multihulls noch die Nase rümpfte. Es schien zu radikal, dass Coutss mit bahnbrechenden 70 Fuß-Katamaranen um die Wette segeln wollte. Zwar geriet der America’s Cup durch den Streit zwischen Bertarelli und Ellison mächtig in Schieflage und damit schien Bedarf  zu entstehen. Aber Lagos bekam die Finanzierung des ambitionierten Projekts – Teilnahme von zwölf Nationenteams; Preisgeld: zwei Millionen US-Dollar für den Sieger – dann doch nicht hin. Schließlich engagierte Ellison Coutts für seine Cup-Pläne, und damit veränderte sich dessen Agenda.

Allerdings entwickelte der Milliardär für die in den Ohren vieler Segel-Fans irre klingenden Coutts-Visionen vom Highspeed-Segeln der Zukunft großes Begeisterung. Und als die Mission Cup-Gewinn erfüllt war, nutzten beide die damit verbundene Macht, um die Welt des Profi-Segelns radikal umzukrempeln.

Es gelang. Die Entwicklung der Foils spielte ihnen zusätzlich in die Karten. Und nach einem Sieg in Bermuda hätte es eine solide Basis für eine Liga mit den AC50 im Rahmen des Cups gegeben. Nur eines durfte nicht passieren: Ein Sieg des einzigen Gegners der Pläne, Neuseeland – Nun muss es also ohne den America’s Cup klappen, und vielleicht ist das auch gut so. Die komplizierte Stiftungsurkunde hat sich immer als Hemmschuh für eine weitreichende Profi-Liga erwiesen.

Ellison finanziert die Vision

Elf Jahre nach dem gescheiterten Couts-Cayard-Coup ist es nun alos doch so weit, dass der Neuseeländer seinen Traum verwirklichen darf. Am 3. Oktober verkündet er in London offiziell die Details zur globalen Rennserie, die längst schon durchgesickert sind. Die World Sailing League von damals heißt nun SailGP und Larry Ellison sorgt für die finanzielle Unterstützung.

Russell Coutts

Russell Coutts, der Macher hinter zwei Oracle America’s Cup Siegen. ©ACEA/PHOTO BALAZS GARDI

Damit dürfte sie auf soliden Beinen stehen. Und es besteht kaum die Gefahr, dass der Tech-Millardär die Lust verlieren könnte. Eine solche Rennserie entspricht ziemlich genau der Vision vom vermarktbaren Segelsport, die er mit dem America’s Cup umsetzen wollte.

Zeitpunkt und Format könnten bestens passen. Denn der America’s Cup schwächelt unter der Führung der Neuseeländer und Italiener. Nur zwei weitere Teams sind bisher interessiert, das Rad mit neuen, zwar spannenden, aber kaum erschwinglichen Sportgeräten neu erfinden zu wollen.

Werthaltiges Medien-Produkt

Dabei ist das Verständnis für die fliegenden Katamarane seit den vergangenen beiden Cup-Auflagen längst entwickelt. Das Medien-Produkt hat seine Werthaltigkeit bewiesen, nun müssen nur noch die besten Segler an den Start gebracht werden. 

Der Plan sieht vor, dass schon 2019 sechs Teams garantiert sind für fünf Regatten. Die Regatta-Orte: Sydney (Februar), San Francisco (Mai), New York (Juni), Cowes (August) Marseille (September). Die Nationen-Crews kommen aus Australien, China, Frankreich, Großbritannien, Japan und USA. Den Teams aus China und Japan wird wohl erlaubt, eine begrenzte Anzahl Ausländer einzusetzen, bis genügend einheimische Segler auf dem nötigen Niveau sind.

Statt wie in Bermuda sechs Segler werden nur fünf benötigt. Die Energie für den Tragflächen- und Segel-Foil-Trimm wird auch durch externe Energiequellen bereitgestellt. Es wird erwartet, dass die Rennen frei übertragen werden. Weitere Details sollen am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Das kann richtig spannend werden. Die Zeit mag reif sein für eine echte professionelle Segelliga mit Nationalmannschaften. Ein solches Format könnte auch mal wieder auf deutsches Interesse treffen.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „SailGP: Coutts Traum wird wahr – Spektakuläre America’s Cup Alternative für Nationalteams“

  1. avatar Müller sagt:

    Was, “Ein solches Format könnte auch mal wieder auf deutsches Interesse treffen.”? Haha…muahahahaha! Den Optimismus hätte ich gern. Wenn das hier jemand tatsächlich wagen sollte gäbs auf jeden Fall eine unterhaltsame Standpauke von Schümann und Co. Und einen vermurksten denglischen Teamnamen, der es noch nicht mal zum Unwort des Jahres schafft, weil keiner was davon mit bekommt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 4

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