SailGP: Ausweitung auf 7 Nationen – Dänemark und die schnellsten Segelboote der Welt

Dänen lügen nicht

Der SailGP mit den 50 Knoten schnellen ex America’s Cup Katamaranen wird auf sieben Nationen-Teams aufgestockt. Die Dänen dürfen mitmischen. Es kommt zum Rematch eines legendären Duells.

Als sich die Nachricht verbreitete, Dänemark wolle auf der großen Bühne des Schnellsegelsports mitmischen, und Russell Coutts habe bereits ein Ticket nach Kopenhagen gebucht, reagierte die Segelwelt mit Unglauben. Aber jeder weiß: Dänen lügen nicht.

Seit heute steht fest, dass sie tatsächlich dem spektakulären Onedesign-Zirkus beitreten, der in den nächsten Jahren das Bild vom Segelsport in der Öffentlichkeit maßgeblich verändern kann.

Schon die Ankündigung, dass America’s Cup-Star Ben Ainslie in der nächsten Saison beim SailGP an den Start gehen wird, deutet darauf hin, dass sich die Rennserie immer mehr zu einem Erfolg entwickelt. Die Teilnahme der Dänen ist ein nächster Schritt, denn sie haben keinen speziellen America’s Cup-Hintergrund von 2017 also entsprechend wenig Foiling-Erfahrung.

Aber offenbar glauben sie dennoch, wettbewerbsfähig werden zu können. Wenn sie sich das zutrauen und das nötige Budget bei einem Sponsor generieren, ist eine Ausweitung auf weitere Nationen-Teams nicht so unwahrscheinlich.

Zwei bekannte dänische Segler wurden bei der offiziellen Präsentation vorgestellt. Nicolai Sehested (30) ist einer der besten Match-Racer und belegte 2016 Platz vier in der Weltrangliste. Eine größere Bekanntheit erlangte er aber durch die beiden vergangenen Volvo Ocean Races, die er zuerst auf Vestas und dann mit AkzoNobel absolvierte.

2014 war er eher auf unschöne Weise in das Rampenlicht der Segelwelt getreten, als sein Vestas Team bei Mauritius spektakulär auf einen Felsen auflief. Danach steuerte er auch bei der Word Match Race Tour mit den M32 Katamaranen, allerdings mit wenig Erfolg.

Volvo Ocean Race

Nicolai Sehested freut sich über den Topf voller Gold, den sein Vestas-Team am östlichen Ende des Regenbogens gefunden hat. ©Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race.

An seiner Seite steht Jonas Høgh-Christensen (38) als Teammanager. Der viermalige Olympia-Teilnehmer im Finn und zweimalige Weltmeister ist durch sein Duell mit Ben Ainslie bei den Olympischen Spielen in London 2012 bekannt geworden. Zehn Rennen lang lag er vor Ainslie, bis dieser ihn im Medalrace überholte. Im nächsten Jahr könnte es also in veränderte Form zur Neuauflage kommen.

Ben Ainslie verteidigt 2012 beim Olympia-Medalrace seinen Vorsprung gegen Christensen auf dem Vorwindkurs. © Marina Könitzer

Foiling-Erfahrung haben die beiden Segler kaum. Deshalb ist die Stärke des Teams sehr davon abhängig, ob die lokalen Olympioniken in das Programm eingebaut werden können. Denn gerade in den schnellen Bootsklassen sind die Dänen seit vielen Jahren absolute Weltspitze.

Jonas Warrer holte 2008 die olympische Goldmedaille im 49er und ist immer noch dabei. Bei der WM in Auckland belegte er Platz 9. Besser noch sind die Frauen im 49er FX unterwegs. Ida Marie Baad Nielsen und Marie Thusgaard Olsen schnappten in Neseeland Tina Lutz und Susann Beucke knapp die Bronze-Medaille weg. Und bester Foiler-Pilot ist eine Frau. Lin Ea Cenholt holte mit Christian Peter Lübeck gerade WM-Silber im Nacra17. Sie ist in der olympischen Mixed-Klasse eine der wenigen Steuerfrauen in der Spitze.

Ob die starken Dänen allerdings wirklich ihre Olympia-Ambitionen mit dem SailGP in Einklang bringen können, ist fraglich wegen Teminüberschneidungen mit dem Olympia-Programm 2020. Ausreichend Schnellsegel-Know-How ist im Land  vorhanden, konkrete Angaben zum Segelteam gibt es allerdings noch nicht.

Sponsor Rockwool beschäftigt 11.000 Mitarbeiter

Als Teamsponsor konnte die dänische Firma Rockwool gewonnen werden, größter Hersteller von Dämmstoffen aus Steinwolle. Weltweit sind 11.000 Mitarbeiter in 42 Produktionsstätten beschäftigt. Der Umsatz betrug 2016 2,2 Milliarden Euro.

Testfahrten des neuen, siebten F50 Kats in Neuseeland. © Chris Cameron SailGP.

Das Team darf sich auf einen neuen F50-Katamaran freuen, der gerade in Neuseeland getestet wurde. Er wurde schon mit dem neuen vier- statt dreiteiligen Flügel ausgerüstet, der besser getrimmt, vergrößert und verkleinert werden kann.

Der neue F50-Flügel mit vier statt drei Elementen. Er kann stärker getwistet werde, als zuvor. © SailGP

Die Länge variiert zurzeit von 18 bis 24 Metern und soll bis auf 29 Meter ausgedehnt werden können. Damit vergrößert sich das Wetterfenster, in dem die Boote segeln können. Und das ist insbesondere für die Live-Übertragungen wichtig. Außerdem will SailGP CEO Russell Coutts gewährleisten, dass die Katamarane schneller bleiben als die neuen AC75-Cupper und stabil schneller als 50 Knoten segeln.

Flügel und Rumpf der schnellsten Segelboot-Klasse der Welt. © Chris Cameron SailGP.

Sehested soll mit seinem Team im Januar zwei Wochen Trainingszeit erhalten, um auf Speed zu kommen. Dann startet er erstmals beim SailGP-Auftakt vom 28. bis 29. Februar in Sydney.

Event in Dänemark?

Der Skipper sagt: “Als ich der SailGP zum ersten Mal sah, wusste ich, dass wir Teil dieses aufregenden neuen Kapitels in der Geschichte unseres Sports sein müssen. Hier segeln  die besten Segler mit den schnellsten Booten. Das ist ein unglaublich intensives Rennen und ein wahres Spektakel. Wir sind sehr dankbar für die so große Unterstützung von ROCKWOOL, dass wir dieses Team gründen können. Und wir freuen uns darauf, Dänemark stolz zu machen”.

Unklar ist es noch, ob der Deal mit den Dänen auch dazu führen könnte, dass der SailGP-Tross im Nachbarland Halt macht. Gerüchte zielen bereits in diese Richtung. Es wäre sicher ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Bisher ist zum Zeitplan nur bekannt dass die Flotte nach dem Sydney-Event nach San Francisco (2. bis 3. Mai) und New York (12. bis 13. Juni) in die USA zurückkehrt, bevor sie beim ersten europäische Event der Saison nach Cowes auf der Isle of Wight (14. bis 15. August) startet. Der Rest der Rennen wird bis Ende Januar bekannt gegeben. Am Start sind nun Australien, Japan, China, USA, Frankreich, Großbritannien und Dänemark

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „SailGP: Ausweitung auf 7 Nationen – Dänemark und die schnellsten Segelboote der Welt“

  1. avatar Waterman sagt:

    Whow, immer wieder erstaunlich was diese kleine Nation seglerisch auf die Beine stellt. CHAPEAU !!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Von 5,8 Millionen Dänen lebt die Hälfte entweder in Kopenhagen oder irgendwo in der Nähe von Nord- und Ostsee. Man kann wohl davon ausgehen, dass mindestens 2 Mio Dänen irgendwie segelaffin sind, macht 50%, gefühlt eher mehr.

      Von 83 Millionen Deutschen leben vielleicht 5 und Küstennähe und nochmal 5 in der Nähe großer Seen. Selbst wenn man die alle als segelaffin zählt (was ich bezweifle), macht das gerade mal 12%.

      Ich denke, so kann man das erklären. Ausserdem haben die Dänen nach meiner Erfahrung einen weitaus bodenständigeren Ansatz als wir und müssen nicht immer gleich alles over-engineeren. Als Beispiel mag das gelten:

      https://www.youtube.com/watch?v=t7PL8NK46Cw

      So eine Aktion hätte bei uns 100 Sicherheitsleute beschäftigt, wäre auf 2 Mio budgetiert worden, hätte 20 Mio gekostet und am Ende wäre der Turm umgefallen……

      Toll, dass die Dänen dabei sind und nun hoffe ich auf ein großartiges Event 4 Autostunden entfernt! Und schade, dass wir das nicht hinkriegen, aber….siehe oben!

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      • avatar Andreas sagt:

        ok….35%……Rechnen 5-, setzen.

        Immer noch eine Zahl, die erklärt, warum Wirtschaftsunternehmen in DK dem Segelsport aufgeschlossener gegenüber stehen als bei uns!

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Björn sagt:

    Klar ein Rennen in Dänemark, Öresund samt Brücke sperren und als Zuschauertribüne nutzen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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