SailGP: Die vielleicht coolste Regatta aller Zeiten – Die Favoriten kommen aus Australien

Slingsby und sein "Flying Kangaroo"

Die neue Elite-Liga SailGP hat das Zeug dazu, die coolste Regatta aller Zeiten zu werden. Die Namen Slingsby, Outteridge, Besson, Draper stehen für das Beste, was der Sport zu bieten hat; so wie das Ü5okn-Sportgerät.

Tom Slingsbys Einstieg in die Welt des Profisegelns verlief nicht immer gradlinig. Der Australier gewann zwar gleich fünfmal die Laser-WM und 2012 auch Olympia-Gold, aber dennoch schien ihm das Desaster bei den Olympischen Spielen in China auf ewig anzuhaften.

2008 war er als Doppelweltmeister nach Qingdao gereist und eigentlich unschlagbar. Stattdessen stürzte der heute 34-Jährige auf den unglaublichen 23. Platz ab. Das Schlimmste: Er hatte keine richtige Erklärung. Ihm blieb nur die Erkenntnis, unter Druck versagt zu haben. Slingsby verschwand nach der Niederlage für einige Zeit von der Bildfläche, stieg ein Jahr später noch einmal kurz für die Laser WM in Kanada auf das Boot und wurde 17. Er überlegte, ganz aufzuhören. Eine glorreiche Karriere schien beendet.

Aber Slingsby kam zurück. Er verarbeitete die Niederlagen, fand wieder den Spaß am Sport, griff auch nach 13 Jahren im Laser noch einmal richtig an und wurde stärker denn je zuvor. Vor den Spielen in London siegte er bei sechs Grade 1 Regatten in Folge, düpierte die Konkurrenz bei der WM 2012 in Boltenhagen mit dem unglaublichen Vorsprung von 36 Punkten und war dann auch bei Olympia in Weymouth nicht zu schlagen.

Tom Slingsby

Die drei Australier beim Oracle Cup-Sieg 2013. Slingsby (r.), Spithill und Langford. © OTUSA

Mit Gold im Gepäck schaffte er auch den Schnelleinstieg in das Oracle Team USA, und war als Stratege neben Steuermann Spithill und den Taktikern Kostecki/Ainslie einer der wichtigsten Männer beim spektakulären Sieg 2013 in San Francisco.

Slingby tritt in die Pedalen

Dem weiteren Aufstieg des Mannes aus Sydney waren keine Grenzen gesetzt. Er wollte ganz nach dem Vorbild von Ben Ainslie ein eigenes America’s Cup Team gründen und Australien zurück auf das große Spielfeld bringen. Aber das klappte nicht auf Anhieb. Dafür zahlte Larry Ellison auch zu gut für sein US-Team. Es folgte der zweite Cup mit Oracle diesmal als Spithills kraftstrotzender Taktiker, der zuletzt auch selber in die Pedalen treten musste.

Slingsby als Einflüsterer hinter Steuermann Spithill. Er muss in die PEdalen treten. © OTUSA

Oracle verlor gegen die überlegenen Neuseeländer, aber der Laser-Weltmeister ging unbeschädigt aus der Niederlage hervor. Grobe taktische Schnitzer waren nicht auszumachen. Der US-Kat verlor durch technische Unterlegenheit.

Der nächste logische Schritt für den Australier war ein eigenes Team beim nächsten America’s Cup. Es war so logisch, zumal beim 36. America’s Cup die Nationen-Regel wieder eine größere Rolle spielen sollte. Die Video-Präsentationen der neuen Cup-Basis in Auckland sah immer ein australisches Team vor.

Schließlich besetzten Aussies die entscheiden Plätze bei den stärksten Syndikaten in Bermuda – Glenn Ashby als Skipper vom Team New Zealand,  Jimmy Spithill, Kyle Langford, Tom Slingbsy bei Oracle und Nathan Outteridge mit Ian Jensen bei Artemis.

Tom Slingsby mühte sich redlich, ein Budget im eigenen Land zu realisieren. Aber inzwischen ist klar, dass es nicht funktioniert hat. Der 36. America’s Cup ist einfach zu teuer. Besonders das 120 Millionen Euro Investment der Briten schreckt potenzielle Bewerber ab.

Slingsby drohte, den Anschluss zu verlieren

Für Slingsby mag sich das abgezeichnet haben. Er versuchte sich noch etwas halbherzig im Finn Dinghy, und mag mit einer späten Olympiakampagne geliebäugelt haben. Platz 34 bei der WM in Aarhus in dieser Saison dürfte ihm aber diesen Zahn gezogen haben. Es fehlte sicher auch das nötige Körpergewicht.

Der Weltsegler des Jahres 2010 drohte mal wieder, den Anschluss zu Auftritten auf der großen Bühne des Weltsegelsports zu verlieren. Nun aber steht er plötzlich wieder in der ersten Reihe.

Tom Slingsby ist der Steuermann des australischen Teams, das ab der nächsten Saison um den SailGP segelt. Am 15. und 16. Februar 2019 startet das vielleicht spannendste Rennsegel-Spektakel aller Zeiten in seiner Heimatstadt Sydney.

SailGP Sydney

Das Regatta-Gebiet für den ersten SailGP in Sydney.

Sechs Nationalteams gehen mit den zurzeit schnellsten Segelgefährten der Welt an den Start, kämpfen in Fleetraces um den Einzug in das Finale, das schließlich im Match Race entschieden wird. Bei den F50 Katamaranen handelt es sich um die ehemaligen AC50-Cupper von Oracle, Artemis, Team France, Japan, die zu Onedesigns umgearbeitet wurden und zwei Neubauten. Sie sollen in der Lage sein, bei 20 Knoten Wind 53 Knoten zu erreichen, werden aber nicht nur schnell sein, sondern können durch eine neue Energiebereitstellung deutlich mehr Manöver ausführen als ihre Vorgänger. Seglerische Fähigkeiten sind wieder gefragt.

Wenn sich Konstrukteure oder Werften eine neue, coole Klasse ausdenken, ist damit längst nicht gewährleistet, dass sie auch ihren Platz in der internationalen Segel-Gemeinschaft findet. Aber die großen Namen, die bei den neuen F50-Teams im Einsatz sind, sprechen für ein großartiges, hochwertiges Segelspektakel.

Australier sind die Favoriten

Die Australier sind das beste Beispiel, und sie dürften eine Favoritenrolle einnehmen. Denn neben Slingsby (35) arbeitet mit Kyle Langford (29) der ex Oracle Wing-Trimmer an der Flügelstellung. Langford segelte gerade erst beim Volvo Ocean Race mit Brunel um die Welt. Jason Waterhouse (26) kontrolliert an Bord die Flughöhe. Er steuerte 2016 den australischen Nacra17 zur olympischen Silbermedaille.

SailGP

Tom Slingsby (Mitte) mit seinem Team in Sydney. © SailGP

Der Ironman-Triathlet Ky Hurst (37) steht am Grinder wie auch Sam Newton (32), der an der Seite von Slingsby und Langford 2013 für Oracle den America’s Cup gewonnen hat. Er segelte auch mit Langford auf Brunel um die Welt.

Australia SailGP

Der australische F50 in heimischen Gewässern in Sydney. Hier wird der erste SailGP ausgetragen. © Sam Greenfield/Australia SailGP

Die Australier haben jetzt in Sydney ihren eigenen F50 übernommen und drehen die ersten Runden. Zuvor erreichten sie schon am zweiten Trainingstag in Neuseeland 47.2 Knoten bei 16 Knoten Wind:

Die Auswirkungen der Fliehkraft:

49,7 Knoten!

Slingsby wird von seiner Lifeline gestoppt:

 

Training der Amerikaner in Neuseeland:

Die Australier mögen nominell sehr gut besetzt sein, aber die stärkste Konkurrenz dürfte aus dem eigenen Land kommen. Artemis-Steuermann Nathan Outteridge war eigentlich prädestiniert dafür, bei einem der großen America’s Cup-Teams eine führende Position zu bekleiden, aber die Jobs auf seinem Niveau sind bei nur vier Teams rar gesät.

Sein kongenialer Partner Ian Jensen, 49er Olympiasieger-Vorschoter und Artemis Wing-Trimmer hat gerade bei Ben Ainslie unterschrieben, aber Outteridge konzentriert sich jetzt voll auf den SailGP – und zwar für Japan. Trotz eigentlich strikter Nationenregel dürfen die Asiaten – auch China – internationales Know How ins Boot holen, bis sie mit eigenen Seglern konkurrenzfähig sind.

Dafür gibt es wohl keinen besseren Lehrer als Nathan Outteridge. Der hat ein sehr erfahrenes Team zusammengestellt mit fünf  Seglern, die beim vergangenen America’s Cup am Start waren. Er konnte Jensen für die SailGP-Auftritte von Ainslie loseisen und hat auch den Landsmann und Artemis-Kollege Luke Parkinson dabei, der unter anderem das Volvo Ocean Race 2014-15 gewann. 

Dazu kommen die Japaner Yugo Yoshida und Yuki Kasatani als Grinder vom SoftBank Team Japan und Leo Takahashi mit 19 Jahren einer der besten 49er Segler des Landes.
Vieles deutet darauf hin, dass Larry Ellisons Freund Masayoshi Son, Softbank CEO und reichster Japaner, bei dem japanischen Projekt mitspielt. Er hatte dem America’s Cup schon mit der späten Meldung des Softbank Team Japan aus der Patsche geholfen und damit das Herausforderer-Feld einigermaßen breit aufgestellt für Bermuda.

Interessant dürfte auch der Auftritt des französischen Teams sein. Mit Billy Besson übernimmt ein Mann aus dem Olympia-Zirkus die Führungsrolle. Zusammen mit Marie Riou gehört er zu den dominierenden Nacra17 Spezialisten und sammelte schon vier WM-Titel. Nach dem Umbau zum Foiler war er mit dem Nacra noch nicht so erfolgreich. Dafür gewann Marie Riou mit Dongfeng das Volvo Ocean Race und ist bis jetzt die einzige Frau beim SailGP

Billy Besson

Das französische SailGP Team mit Skipper Billy Besson (2.v.r.) und Volvo-Siegerin Riou © SailGP France

Event Website SailGP

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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