SailGP Italien: Japan siegt, weil Spithills Ruder bricht – Spanien übernimmt die Führung

„Shit happens“

Auch die Fortsetzung des Grand Prix der fliegenden F50-Kats hatte es in sich: Zuschauer an Land und Fans auf 1000 Begleitbooten sahen Phil Robertsons Gesamtführung für Spanien trotz Frühstarts im Entscheidungsrennen

Höhepunkte:

Es hätte die glorreiche Revanche werden können für das Crashdesaster zum SailGP-Auftakt. Waren Jimmy Spithill (USA) und Nathan Outteridge für Japan durch ihre Kollision in Bermuda bei den finalen Rennen noch zum Zuschauen verurteilt, zogen die beiden Kampfhähne nun in Tarent/Italien schon vor dem letzten Flottenrennen souverän ins Finale der besten Drei ein.

Die Live-Übertragung:

Im entscheidenden alleine zählenden Finalrennen hatte Spithill den Triumph dann nach starkem Start auf dem vorletzten Schenkel bereits vor Augen. Aber als er kurz nach der Leetor-Rundung im Flugmodus ein Ramming mit einem unerkannten Gegenstand unter Wasser erlitt, brach ein Ruder und der Traum platzte. „Shit happens“, kommentierte der Skipper, so etwas sei nicht zu kontrollieren und gehöre leider dazu.

Als Spithill in die Luft schießt. Ein Ruder ist mit einem Objekt im Wasser kollidiert.

Der Crash im Replay:

„Das Geschenk haben wir sofort angenommen, wir lagen aussichtlos zurück“, dankte Outteridge, der den verbliebenen Gegner aus Spanien nicht mehr dichter als auf 43 Meter herankommen ließ. Deren Steuermann Phil Robertson hatte sich selbst der besten Chance beraubt, indem er gut eine Sekunde zu früh gestartet war und sich hinter die Konkurrenz zurückfallen lassen musste. Der zweite Platz im Ziel bedeutet für den zweimaligen Matchrace-Weltmeister, der bei den ersten SailGP-Regatten das Steuer für den spanischen 470er Olympioniken Jordi Xammar übernimmt, dennoch die Führung im Gesamtklassement.

Dreier Crews statt fünf

Vor allem der erste Renntag war von leichten Winden geprägt, in denen die Wettfahrtleitung allen eine Crewreduzierung von fünf auf drei Mann verordnete. Das geringere Mannschaftsgewicht sollte die Flugeigenschaften der F50 verbessern und das funktionierte auch. Aber: „Zu dritt kannst du kaum auf die anderen Foiler achten“, sagt der Australier Outteridge der für Japan am Steuer steht. „Doch das Bootshandling klappte bei uns sehr gut.“

Sprung auf die neue Luvseite auf dem neuseeländischen Boot mit schweizer Skipper. © SailGP

Bei etwas stärkerem Wind am zweiten Tag hatte die Wettfahrtleitung erst wie gewohnt zu fünft segeln lassen. Und das schmeckte offenbar den Neuseeländern gut, die im vierten von fünf Fleetraces ihren ersten Einzelsieg beim SailGP 2021/22 feiern konnten. Nachdem Americas Cup-Gewinner Peter Burling und sein Vorschoter Blaire Tuke zur Olympiavorbereitung von Bord gegangen waren, steuerte Arnaud Psarofaghis, sonst für Alinghi aktiv. Den Finaleinzug verpasste er jedoch im entscheidenden fünften Rennen.

Start zum Dreier-Finale. ESP startet zu früh, USA liegt an erster Tonne vorne und fällt später aus. JPN gewinnt. © SailGP

Ebenfalls nach Wechsel des Steuermanns von Sir Ben Ainslie auf Paul Goodison enttäuschten die Engländer. Dem Erfolg in Bermuda folgt der vorletzte Rang. Den Australiern um Tom Slingsby blieb nach Platz zwei zum Auftakt gar nur die rote Laterne. Technische Probleme am Samstag und seglerische Defizite am Sonntag führten zu dem überraschenden Ergebnis.

“Keine Ausreden”

“Das Boot hat heute funktioniert und es gab keine Ausreden”, sagt Slingsby nach den letzten beiden Rennen. “Wir waren wirklich in der Position, beide Rennen zu gewinnen, (was die Top drei gesichert hätte) wenn wir nach der ersten Runde gut gesegelt wären. Aber wir haben Fehler gemacht und sind auf 5 und 2 gelandet. Das ist esser ist als gestern, aber nicht dort, wo wir sein wollen. Unser schlechtestes Ergebnis bei einem SailGP-Event überhaupt, war Platz 2, also ist es Mist, nun Letzter zu werden. Es ist nicht gut genug, ich erwarte mehr von mir und uns als Team.”

Techische Probleme bei den Spaniern, als das Foil nicht ins Wasser geschoben werden kann. © SailGP

Trotz seines zweiten Platzes in Italien und der Gesamtführung war der Neuseeländer Phil Robertson nicht ganz zufrieden. Es brodelte in ihm nach dem Start des fünften Rennens, als er von Nathan Otteridge durch ein legales Luvmanöver an der Startlinie vorbeigeschoben wurde. Er nannte das Duell einen “schmutzigen Trick”.

“Mach das nicht, Phil”, schrie der Japan-Steuermann noch herüber und meinte, dass er sich nicht zwischen ihn und die Starttonne quetschen sollte. Also luvte er den Gegner ein wenig mehr als nötig und zwang ihn schließlich zu einer kostspieligen Wende, die Spanien normalerweise den Finaleizug gekostet hätte. Damit hätte dann auch das schon für das Finale qualifizierte Japan die Gesamtführung übernommen.

JPN (u.r.) könnte frei starten, schiebt aber lieber ESP über die Linie…

…und zwingt den Kiwi-Steuermann Robertson zur kostspieligen Wende.

Robertson hätte vielleicht mit der Attacke rechnen können. So aber musste er sich aber noch mächtig strecken und vom letzten auf den fünften Platz vorkämpfen. Es war knapp aber schließlich reichte das Ergebnis noch für die Top Drei. Aber beim Finalrennen stand er mächtig unter Strom, um Revanche an Outteridge zu nehmen. Das ging aber gründlich in die Hose. Robertson startete zu früh und verlor das Duell.

Start zum Dreier-Finale. ESP startet zu früh, USA liegt an erster Tonne vorne und fällt später aus. JPN gewinnt. © SailGP

Erstmals seit dem langen Lockdown in Europa wurden in Italien wieder Zuschauer zugelassen – die Tribüne war ausverkauft. Rund 1000 Freizeitkapitäne säumten zudem mit ihren eigenen Booten den Racekurs und schufen eine Stadionatmosphäre. Der SailGP wird am 17./18. Juli in Plymouth/Großbritannien fortgesetzt.

Wieder Zuschauer beim Live-Event in Tarent. © SailGP

SailGP Event Website

SailGP Ergebnisse

Beim siegreichen Japan Team gehörte Luna-Rossa-Held Francesco Bruni (2.v.l.) dazu, kam aber nicht zum Einsatz, als zu dritt gesegelt wurde. © SailGP

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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