SailGP: Schweizer Alinghi-Steuermann Arnaud Psarofaghis ersetzt Peter Burling – Ein Hinweis?

Alinghi auf dem Sprung

Nach Ben Ainslies überraschender Ankündigung, dass er beim SailGP eine Auszeit nimmt, macht nun auch das Team New Zealand einen Rückzieher für die nächsten beiden Events. Der Ersatzmann sorgt für Spekulationen.

Das New Zealand SailGP Team beim Bermuda-Event. © Simon Bruty/SailGP

Der Auftritt der America’s-Cup-Sieger beim SailGP-Auftakt in Bermuda verlief enttäuschend. Rang fünf war weniger als Peter Burling und Blair Tuke gewohnt sind. Technische Probleme mit dem neuen Boot und nur ein Tag Trainingszeit verhinderten eine bessere Leistung. Die Erkenntnis: Auch die Kiwis sind nicht in der Lage, ohne adäquate Vorbereitung, Wunderdinge zu leisten.

Diese Erfahrung in Bermuda mag sie in der Entscheidung bestärkt haben, für die nächsten beiden SailGP-Events von Bord zu gehen. Auch für sie sind Regatten auf höchstem Niveau nicht “mit links” zu gewinnen. Und das gilt 2021 insbesondere auch für die Kleinigkeit der olympischen 49er-Titelverteidigung. Bei den vergangenen beiden 49er-Weltmeister-Titeln in Neuseeland und Australien mitten in der heißen Vorbereitung für den America’s Cup  konnten sie sich insbesondere 2019 beim dramatischen Finale nur hauchdünn gegen Erik Heil und Thomas Plößel durchsetzen. Nun scheinen die Kiwis vor dem Olympia-Duell dann doch etwas mehr üben zu wollen.

Schweizer Foiling-Spezialist

Das ist normal und war wohl so erwartet worden. Auch wenn der Zeitaufwand beim Segeln eines SailGP mit je zwei Regatta- und vielleicht zwei erlaubten Trainingstagen minimal ist. Aber die Olympia- und America’s Cup-Team-Kollegen Alexander Maloney und Josh Junior etwa haben bezüglich des SailGP anders entschieden. Die beiden Cup-Grinder, die gerade bei der Finn Dinghy WM Platz eins (Maloney) und drei (Junior) belegt haben, wollen das Kiwi Team beim nächsten SailGP-Event in Tarent (5. und 6. Juni) und zumindest einer von ihnen – derjenige, der nicht in Japan Finn segelt (die Entscheidung ist noch nicht gefallen) – auch in Plymouth (17.-18. Juli) vertreten.

Andy Maloney gewinnt den Finn-Gold-Cup 2021. TNZ Grinder-Kumpel und Titelverteidiger Josh Junior (dahinter) holt Bronze. © Pereira / Finn Gold Cup

Allerdings sollen sie weiter eher an den Grindern arbeiten. Das Steuer übernimmt ein Schweizer. Arnaud Psarofaghis. Sicher keine schlechte Wahl. Schließlich ist der 33-Jährige ein ausgemachter Foiling-Spezialist. Er machte sich in der Moth als Europameister (2008/9) und WM-Bronze-Gewinner (2009) einen Namen. Dann konnte er auf den fliegenden GC32 Katamaranen mit dem Schweizer Team Tilt besonders in der Extreme Sailing Series durchstarten – auch durch eine Kooperation mit dem Team New Zealand, als Cup-Sieger Glenn Ashby als Wing Trimmer bei Psarofaghis an Bord ging.

Arnaud Psarofaghis. © Alinghi

Das könnte der logische Kiwi-Link zum Schweizer Ersatzmann sein. Aber er ist eben seit 2016 auch DER Steuermann von Alinghi – wenn Bertarelli nicht selber am Ruder steht. So scheint der Wechsel auf dem schwarzen Boot ein weiterer Hinweis darauf zu sein, dass der April-Scherz vom Alinghi Comeback beim America’s Cup näher an der Realität ist, als bisher verlautbart.

Ernesto Bertarelli hat seit seinem Abgang aus der Cup-Szene 2010 keinen Hehl daraus gemacht, dass ihn der America’s Cup nach wie vor interessiert. Als Multihull- und Foiling-Enthusiast war er immer nahe am Geschehen der AC-Entwicklung. Und seit Intimfeind Larry Ellison nicht mehr dabei ist, steht einem erneuten Versuch, die Kanne zu gewinnen, offenbar nur noch wenig entgegen.

Allerdings hat Bertarelli auch klar gemacht, dass er nicht erneut einen solchen Coup starten will, wie vor 2003, als er die neuseeländischen America’s Cup Sieger um Russell Coutts beim Cup-Verteidiger abwarb. Mit den Legionären holte 2003 und 2007 den Sieg und trat 2010 zur Cup-Verteidigung an.

Nach der Niederlage zog er sich von der großen Bühne zurück, baute aber ein schlagkräftiges Schweizer Team auf, mit dem er die Extreme Sailing Series, die GC32 Racing Tour und den heimischen Décision 35 Circuit auf dem Genfer See gewann. Daneben beschäftigte er ein Designteam, das insbesondere den TF35 Leichtwind-Foiler entwickelte.

Management-Rolle aus der Ferne

So macht auch die Weiterbildung von Psarofaghis im Eifer des SailGP-Gefechts gegen die besten Foiler-Kapitäne der Welt viel Sinn. Außerdem stößt als Wing Trimmer Jason Saunders, zweimaliger Olympia-Teilnehmer für Neuseeland (470er, Nacra17), dazu, nachdem er die aktuelle Nacra-Qualifikation für Olympia verpasst hat. Und der Australier James Wierzbowski übernimmt den Job als Flight Controller.

Stärker wird das Team New Zealand auf dem Papier wohl eher nicht. Aber Wierzbowski immerhin bringt als langjähriger Mitsegler von SailGP-Steuermann Phil Robertson beim Team China Erfahrung mit den F50 Foilern ein.

Burling und Tuke sagen, dass sie ihre Management-Rollen fortsetzen und mit dem Team aus der Ferne an Training und Analysen arbeiten. Burling sagt: “Obwohl wir es natürlich vorziehen würden, in Italien und in Großbritannien zu segeln, ermöglicht uns die Technologie, mit dem Team zu arbeiten. Die Leistung kann etwa über die Echtzeit-Daten der Oracle Cloud analysiert werden. Wir werden sehr eng mit den Neuen zusammenarbeiten, damit sie auf dem Wissen aufbauen können, das wir bei der ersten Veranstaltung gesammelt haben. Wir sind zuversichtlich, dass das Team die bedeutenden Fortschritte, die wir in Bermuda gemacht haben, fortsetzen kann. Nach den Olympischen Spielen werden wir in Dänemark mit einem noch stärkeren Team wieder antreten.”

SailGP CEO Sir Russell Coutts sagt: “Es ist ein Beweis für die Stärke des neuseeländischen SailGP Teams, dass es gleich fünf Weltklasse-Athleten hat, die zu den Olympischen Spielen in Tokio fahren. Als Neuseeländer bin ich stolz darauf, dass sie unser Land repräsentieren, und hoffentlich werden sie mit einigen Goldmedaillen zum SailGP zurückkehren.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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