SailGP Sydney Live Replay: Ben Ainslie startet mit Hattrick – Frankreich raus nach Kollision

Großes Tennis

So muss Segeln aussehen, sofern es maximale Zuschauer-Aufmerksamkeit generieren soll. Der erste Renntag der neuen SailGP-Saison in Sydney bot Action, Dramen, Kollisionen, Überholmanöver und Favoritenstürze.

Die F50 erreichen am ersten Renntag bis zu 49 Knoten© Andrea Francolini

Russell Coutts kommt seinem Traum von einer professionellen Segel-Liga, die sich selber trägt, immer näher. Erst schaffte er es, das größte Unterhaltungsunternehmen der Welt Endeavour für seinen Sail Grand Prix an Bord zu holen, nun liefert sein Produkt bei der 2020 Saison-Premiere in Sydney auch noch großes Tennis ab.

Die ersten drei Rennen der Saison zeigten alles, was der Segelsport liefern kann: Dramatische Überholmanöver, hohe Geschwindigkeiten, taktische Finessen, Schiedsrichter-Entscheidungen und die großen Stars des Sports in Höchstform.

Kein Geringerer als Ben Ainslie dominierte mit seinem INEOS-Team den Auftakt-Tag. Der mit vier Olympia-Goldmedaillen und einem America’s Cup-Sieg am höchsten dekorierte Segler der Welt feierte einen Hattrick. Bei 15 bis 20 Knoten Wind in der Bucht von Sydney, wo der 43-Jährige vor 20 Jahren Laser-Gold gewann, präsentierte sich das britische SailGP-Team mit drei Siegen unüberwindbar.

Auf den ersten Blick mag diese Dominanz überraschend sein. Schließlich hat Ainslie von allen sieben Steuermännern die wenigsten Segelstunden auf den speziellen SailGP-Katamaranen verbracht. Aber diese Lesart täuscht. Denn der Brite ist neben Nathan Outteridge (Artemis) der einzige SailGP-Steuermann, der den America’s Cup 2017 auf hinter dem Lenkrad eines foilenden AC50 absolviert hat.

Start der auf sieben Boote angewachsenen SailGP Flotte. © SailGP

Die zum Onedesign umgebauten aktuellen F50-Katamaran werden sich zwar anders anfühlen, als das britische Gefährt 2017 in Bermuda, aber dafür übernahm das INEOS Team die erfahrenen SailGP-Athleten Iain Jensen als Wing Trimmer und Luke Parkinson Flight Contoller von Japan. Das INEOS-Team siegte auch schon bei fünf von sechs Trainingsrennen.

Dänemark und Spanien gegen Australien. Die beiden Newcomer sind als einzige mit dem neuen modularen, etwas anders geformten Segel-Flügel unterwegs. © Andrea Francolini

Eine größere Überraschung als die Siege der Briten ist vielmehr das Schwächeln von Tom Slingsbys australischem Siegerteam der ersten Saison. Die Serie 2/3/5 genügte den Ansprüchen des Heimteams nicht. Da ist es erstaunlicher, dass Outteridge ohne seine langjährigen Weggefährten an Bord mit dem Ersatz-Flight-Controller Leo Takahashi (33. als Steuermann bei der 49er-WM 2020) und Landsmann Ayden Menzies als Wing-Trimmer, der bisher im Shoreteam arbeitete,  außerordentlich konkurrenzfähig war. Er beendet den ersten Tag punktgleich mit den Australiern.

Die Dänen segeln noch hinterher. © SailGP

Eigentlich gehört auch noch das spanische Team zu den besten Performern des Tages. Der Neuseeländer Phil Robertson, der in der vergangenen Saison Team China zu einem Podiumplatz geführt hat, zeigte schon bei den Trainingsrennen, dass er mit seinem neuen Team an der Spitze segeln kann. Und die Leistung hätte sogar nach zwei zweiten Plätzen zu Rang zwei geführt.

Aber der Match Race Sieger im Millionen-Rennen von 2016 riss den Kat in eine Wende, wohl ohne über die Schulter zu sehen. Jedenfalls kollidierte er mit den Franzosen, die danach mit einem Schaden aufgeben mussten. Die Spanier bekamen neun Punkte abgezogen.

Die Kollision. Auf der linken Gate-Seite kommen die Spanier etwas tief raus nach der Tonnenrundung und werden von den Franzosen an einer Wende gehindert…

…Aber Phil Robertson reißt dennoch das Steuer herum.

Dennoch zeigt die Leistung der Spanier, dass die Verbindung zwischen den besten Olympia-Seglern und dem SailGP bestens funktioniert. Denn an Bord segeln mit Diego Botin und Iago López Marra die aktuellen Vize-Weltmeister im 49er. Die Trainingspartner von Erik Heil und Thomas Plößel platzierten sich auch bei der WM 2019 stark als Vierte. Skipper und Wing Trimmer Florian Trittel gehört in der Nacra17-Klasse zu den besten Vorschotern der Welt und startet bei Olympia für Spanien.

Die Kollision:

Dass der Einstieg für einen mit dem Foiling unerfahrenen Steuermann schwierig ist, zeigten erwartungsgemäß die Dänen. Das einzige Team neben den Briten, das durch einen eigenen Sponsor nicht am finanziellen Tropf von Larry Ellison hängt und der Lage ist, die laut Coutts umgerechnet 6,3 Millionen Euro pro Saison aufzubringen, konnte noch nicht auf Augenhöhe mithalten.

Nikolai Sehested gelangen zwar gute Starts, aber sein Team brachte noch keine vorderen Plätze ins Ziel.

https://www.facebook.com/SailGP/videos/658872841521517/?tn=%2CdkC-R&eid=ARDRyAAVC3jEO6fRR0FxANUBqwK0aM1hHo3Jil_OxPZojq4E2bHgKy__yl-c-gNFpE1nrq08ezcqwwJS&hc_ref=ARSNr-mn-92TVpZbeXHwVIjB_UohepBBiVK9178qbZGPUA-JloAiiCpnIEgfkmlUFJM

Nach dem Rennen, sagte Ben Ainslie: “Bessere Bedingungen kann man nicht wirklich verlangen. Es war eine echte Herausforderung für alle Teams, denn der Wind war so wechselhaft, dass viele schwierige Manöver ausgeführt werden mussten. Aber ich denke, unser Team hat einen tollen Job gemacht, die Jungs auf dem Boot waren fantastisch, und wir freuen uns über drei Siege.”

Er lobte insbesondere Revier, das mit einer zusätzlichen Schwierigkeit versehen. Die Insel Shark Island lag mitten im Rennkurs. Man konnte sie auf beiden Seiten passieren. “Das ist die größte Herausforderung. Der Kurs zwingt zu vielen Manövern und das mit einer extrem hohen Intensität. Man muss eine tolle Mannschaft haben und einfach versuchen, konzentriert zu bleiben und die Manöver gut auszuführen.”

Foil Action auf dem Olympiarevier von 2000. © Andrea Francolini

Tom Slingsby vom australischen SailGP-Team, kommentierte die Leistung der Briten: “Ich mache mir keine Sorgen um die Briten, aber sie haben sich heute gut geschlagen. Sie segeln eindeutig schneller und besser als der Rest der Flotte – sie zeigen eine großartige Teamarbeit. Wir müssen nur versuchen, genug Punkte zu gewinnen, um morgen in das Matchrace zu kommen.”

Wie schon in der vergangenen Saison zählt das Fleet-Ranking dafür, um die besten beiden Crews schließlich im Duell-Modus eines Rennens die Regatta entscheiden zu lassen. Am zweiten Tag wird erwartet, dass die Teams bei leichterem Wind auf die größeren Tragflächen wechseln müssen. Dadurch könnte sich das Spiel noch einmal verändern.

Am Samstag startet der zweite und letzte Renntag. Die Rennen werden wieder live auf Facebook übertragen und bei Youtube zu sehen sein. Die Zeitverschiebung macht es allerdings für deutsche Zuschauer schwierig.

Event Seite SailGP

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „SailGP Sydney Live Replay: Ben Ainslie startet mit Hattrick – Frankreich raus nach Kollision“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Definitiv gute Unterhaltung, fast so gut wie der Audi Med Cup 😉 aber tatsächlich kurzweiliger

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *