SailGP: Warum der sensationelle Einstieg der Team-New-Zealand-Stars so brisant ist

Hauptsache anders

Russell Coutts ist in der Krise ein echter Coup gelungen. Er veredelt seinen verschobenen SailGP mit der Teilnahme der zurzeit besten Schnellsegler der Welt, Burling/Tuke vom Team New Zealand. Ob das Grant Dalton so gut findet?

Eigentlich ist der SailGP nur aus dem Unmut über die aktuelle Form des America’s Cups entstanden. Dieser drohte, nach 2017 in Bermuda noch teurer zu werden, und so einigten sich die Teams auf mehr Planungssicherheit durch die sogenannten “Framework-Vereinbarung”. Alle bis auf eines stimmten zu: Team New Zealand.

Das SailGP-Feld beim typischen High-Speed-Start. © SailGP

Aber ausgerechnet die Kiwis gewannen und konnten nach ihrem Gusto, über die Rahmenbedingungen für die nächste Cup-Auflage bestimmen. Vermutlich fanden auch sie das “Framework” attraktiv. Unter anderem wäre der AC50 Katamaran als Cup-Klasse beibehalten worden. Und damit kamen sie als Sieger bestens zurecht.

Aber für ihren Erfolg mussten sie einen Teil ihrer Seele, ihrer Unabhängigkeit verkaufen. Luna Rossa Boss Patrizio Bertelli half im Hintergrund mit Geld und Know How. Sein Motiv: Rache. Nach der unfairen, späten Regeländerungen von Larry Ellison und Russell Coutts, war er schwer gekränkt und 20 Millionen Euro ärmer aus dem Cup-Rennen ausgestiegen um danach den Kiwis zum Sieg zu verhelfen.

Blair Tuke (l.) und Peter Burling stellen sich mit Flight-Kontroller-Unit und Steuerrad und Russell Coutts an der Seite als neus SailGP Team vor. © SailGP

Es funktionierte. Danach forderte Bertelli seinen Zoll ein und wurde neuer Challenger of Record. Als solcher nahm er maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung des neuen America’s Cups. Das Motto des Umbaus schien zu sein: Hauptsache anders. Hauptsache so, dass sich Larry und Russel ärgern. Hauptsache, sie verlieren ihr Gesicht, wenn sie auf die Idee kämen, noch einmal anzutreten.

Das Ergebnis sind die neuen AC75 Kraken-Foiler. Technisch zwar sehr spannend, aber unglaublich teuer und kaum zukunftsfähig. Nur vier Teams können sich den Spaß leisten. Und es kann befürchtet werden, dass die Leistungsfähigkeit der Designs zu weit auseinander liegen wird, als dass seglerische Fähigkeiten den Unterschied ausmachen.

Mehr als 50 Knoten schnell

Das ist beim SailGP anders. Die Foiler Katamarane habe den Anspruch, sogar schneller als die 15 Fuß größeren AC75 und damit die schnellsten Regattaboote der Welt zu sein. Die  50-Knoten-Schallmauer haben sie schon überwunden. Dabei sorgen die Onedesign-Vorgaben dafür, dass die besten Sportler gewinnen. Insofern ist der SailGP eine echte Konkurrenz zum America’s Cup. Und den Machern beim Team New Zealand dürfte das eigentlich nicht gefallen.

Start der auf sieben Boote angewachsenen SailGP Flotte. © SailGP

Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass Russell Coutts nun Peter Burling und Blair Tuke, die Protagonisten des Emirates Team New Zealand, als Neuzugang für seinen SailGP vorgestellt hat. Die Olymiasieger und sechsfachen Weltmeister im 49er, Titelverteidiger beim America’s Cup und Zweit- und Drittplazierten beim vergangenen Volvo Ocean Race haben angekündigt, ab April 2021 mit einem Kiwi-Team in die zweite SailGP-Saison starten zu wollen.

Die beiden fungieren als Co-CEOs und sie verstärken damit das Starterfeld auf acht Nationenteams (USA, AUS, FRA, NZL, ESP, DEN, JPN, GBR). Vom Emirates Team New Zealand gibt es zu der neuen Entwicklung bisher keinen Kommentar. Man könnte daraus schließen, dass Grant Dalton nicht sehr erfreut ist, und die beiden einen Alleingang gestartet haben.

Kommerziell lebensfähiges SailGP-Team aus Neuseeland

Aber Peter Burling versucht schon im Vorfeld, möglicher Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er betont: “Der alljährlich stattfindende SailGP bietet eine dauerhafte Plattform für professionelles Hochleistungssegeln auf globaler Ebene, die unser bestehendes Engagement beim America’s Cup und bei den Olympischen Spielen stark ergänzt.“ Tuke betont: “Unser Ziel ist es, ein siegreiches, kommerziell lebensfähiges Regattateam aus Neuseeland aufzubauen.”

Das Timing hilft sicher auch. Die nächste SailGP-Saison beginnt erst im April 2021 in San Francisco, also nach Beendigung des America’s Cups. Allerdings hätten die 49er-Segler zu diesem Zeitpunkt auch jede Menge mit den Olympischen Spielen zu tun. Ob die allerdings tatsächlich stattfinden können, steht längst wieder in den Sternen.

SailGP-CEO Russell Coutts kann die ehrliche Freude über seinen Coup nicht verhehlen. Das Fehlen der zurzeit besten Schnellsegler der Welt war zuletzt das größte Manko seiner Regatta: “Ich könnte nicht begeisterter sein, Pete und Blair in der Liga willkommen zu heißen. Sie gehören zu den Besten der Besten und werden im SailGP zweifellos unglaublich konkurrenzfähig sein. Wir bieten etwas Neues und Aufregendes und verbinden Unterhaltung mit erstklassiger Technologie. Das zieht nicht nur neue Fans an, sondern auch die besten Segler der Welt.”

Der SailGP plant für die nächste Saison mit 7-9 Veranstaltungen. Eine Station wird Kopenhagen sein, das auch für deutsche Fans erreichbar ist. Allerdings macht die aktuelle Pandemie-Lage eine längerfristige Planung für eine solches weltumspannende Regattaserie immer noch äußerst schwierig.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „SailGP: Warum der sensationelle Einstieg der Team-New-Zealand-Stars so brisant ist“

  1. avatar Finn sagt:

    schade, dass es nicht möglich ist ein deutsches Team auf die Beine zu stellen.
    An leistungsfähigen 49er seglern mangelt es ja nicht.

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  2. avatar FoilingFreak sagt:

    Jetzt wäre doch mal eine gute Chance, das gesammelte Wissen von “Senior-Athleten” wie Buhl, Heil, Plößel etc. zu bündeln und ein SAILGP Team GER zu schmieden … der Instagram-Account-Name ist zumindest mal schon reserviert 😉

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