Sailing Champions League Finale: 5 deutsche Clubs unter 32 – Olympiasieger aus Frankreich

Kampf der Legenden

Zweiunddreißig der weltbesten Segelvereine aus zwölf Nationen kämpfen auf dem St. Moritz See in 1.856 Metern Höhe um den Sieg beim Finale der SAILING Champions League 2018. Die Rennen dauern vom 30. August bis 2. September.

Das Liga-Format fesselt immer mehr gute Segler, und das Alter scheint dabei keine große Rolle zu spielen. Das zeigt die Meldeliste beim Finale der Sailing Champions League in St Moritz. Erstmalig tritt ein waschechter Olympiasieger an.

Der Franzose Luc Pillot übernimmt das Steuer der APCC Nantes und erweist damit den Konkurrenten die Ehre, gegen eine echte Legende antreten zu dürfen. 1988 holte er im 470er an der Vorschot von Thierry Péponnet die Goldmedaille, nachdem er vier Jahre zuvor schon Bronze gewonnen sowie dazwischen Gold und Silber bei 470er Weltmeisterschaften eingesammelt hatte.

Mühsame Bedingungen am St. Moritz See bei der CL-Quali 2017. © SCL/David Pichler

Das französische Duo war in seiner Klasse über viele Jahre dominierend in der Welt, aber Pillot zeigte danach, dass er auch an der Pinne jede Menge zu bieten hat. 14 Jahre lang gehörte er zu den besten Match Racern der Welt. 2001 belegte er in der Weltrangliste Rang zwei. Folgerichtig steuerte er 2003 beim America’s Cup für das französische Le Défi Syndikat.

Alte Widersacher

Nun versucht der 59-Jährige die Sailing Champions League aufzumischen und trifft dabei auf den alten Widersacher François Brenac, einen weiteren französischen Top-Ten-Match-Racer aus vergangenen Zeiten, der auch schon J/80 Weltmeister war. Die 470er-Legende aus den 80er Jahren hatte sich 1980 auch im Starboot für Olympia qualifiziert und segelt inzwischen als Profi-Taktiker überwiegend J/70 Regatten. Er segelt nun für den Yacht-Club Monaco, der für die Qualifikation in Porto Cervo eine Wildcard erhielt und dort nach Anlauf-Schwierigkeiten noch 6. wurde.

Eine weitere schillernde Figur im Teilnehmer-Feld ist der Schwede Björn Hansen, der für den Kungliga Svenska Segelsällskapet (KSS) an den Start geht. Der 51-Jährige war fast 20 Jahre einer der dominierenden Skipper auf der World Match Race Tour, bevor sie an Bedeutung verlor. Er hat sich vom Liga-Format anstecken lassen und gewann im Juli die Club-Europameisterschaft in Griechenland. In St. Petersburg segelte er mit anderer Crew nur auf Platz 12, qualifizierte den Verein aber ebenfalls für das Liga-Finale.

Stimmungsvolles Panorama auf dem St. Morit See 2017 © SCL/David Pichler

Große Namen aus der Profi-Welt führen insbesondere die russischen Mannschaften zu Felde, die bei der Qualifikation in St. Petersburg auf die Plätze drei bis fünf segelten. Bei ihren Vereinen handelt es sich meist weniger um gewachsene Vereine als um Rennställe. Sie unterhalten Profis, die oft in verschiedenen Klassen im Einsatz sind, haben sich aber auch auf die Fahne geschrieben, Nachwuchs an den Sport heranzuführen.

Russische Profis

Dieses Prinzip gilt für das in der Quali drittplatzierte Navigator Sailing Team aus Moskau. Skipper Igor Rytov steuerte schon beim Champions League Auftakt 2015 auf Rang drei, kommt aber eigentlich aus der Melges 20 Klasse, wo er 2017 die World League gewann.

Die viertplatzierte Organisation Lord of the Sail Europe hat sich mit Eugeniy Neugodnikov an der Pinne qualifiziert, der über viele Jahre als einziger russischer Segelprofi, auf international höchstem Niveau im Match Race, TP52 und RC44 eine größere Rolle spielen konnte. Auch der Kollege Sergey MusikhinLord of the Sail Europe auf Platz fünf – hat seine Wurzeln im Match Race und belegte in der Weltrangliste als Topp-Platzierung einmal Rang 20.

Russland hat als einzige Nation neben den Deutschen fünf Vereine für das Finale qualifiziert. Es muss sich allerdings zeigen, ob die Teams auch mit den erwartet leichten, drehenden Winden auf dem Binnenrevier zurecht kommen.

Alpenländer-Legende

Da werden Schweizer und Österreicher schon eher vorne erwartet. 2017 konnte der Segelclub Mattsee gewinnen, der in diesem Jahr allerdings die Qualifikation ebenso nicht geschafft hat, wie das Team vom Achensee, das damals auf Rang fünf landete.

Diesmal kommt für den Union Yachtclub Wolfgangsee die Alpenländer-Legende Michael Luschan (51)  zum Einsatz, der Soling-Olympiateilnehmer 1992 und damalige EM-Silber-Gewinner. Aber auch Match Racer Max Trippolt für den Yacht Club Bregenz hat schon starke Champions League Rennen absolviert.

Im vergangenen Jahr bei der Qualifikation in St. Moritz sah es sehr mau aus:

 

Für die Schweiz ist der Regattaclub Bodensee eines der heißesten Eisen im Feuer. Das Team um Julian Flessati belegte bei der Qualifikation in Porto Cervo einen starken vierten Platz. Laser-Segler Guillaume Girod hatte schon beim Champions League Finale 2017 auf Sardinien mit Rang drei für die Société Nautique de Genève das hohe Niveau der Schweizer Liga dokumentiert. Bei der Saison-Vorbereitung gelang ihm auch schon ein vielbeachteter Leichtwind-Klassen-Sieg beim Primo-Cup in Monaco.

Ganz weit vorne kann diesmal auch wieder ein italienischer Verein erwartet werden. Im vergangenen Jahr holten die Profis vom Gastgeber-Club Yacht Club Costa Smeralda äußerst dominant den Titel. Favini steuerte 2007 den America’s Cupper Mascalzone Latino wurde mehrfach Weltmeister in Melges 24 und 32 und gehört mit 55 Jahren zu den Großen des italienischen Segelsports. Er holte sich den J/70-Weltmeister Brcin ins Boot und segelte konstant vorne.

Das Siegerteam um den ehemaligen Top-Ten Match Racer Simone Ferrarese (2.v.r.) aus Bari. © SCL/Lars Wehrmann

Diesmal sind nur zwei italienische Clubs dabei, aber dafür gehört der Circolo della Vela Bari mit Simone Ferrarese am Steuer nach dem Sieg bei der Quali in Porto Cervo zu den Top-Favoriten. Auch der Italiener war einmal unter den Top Ten der Weltrangliste im Match Race zu finden und wurde 2014 Europameister. Der 30-Jährige segelte danach drei Jahre lang mit mäßigem Erfolg im Finn Dinghy, und versuchte sich auch im 49er. Das Liga-Format passt ihm besser. Nach überragenden Starts konnten Ferrarese trotz eines kostspieligen Frühstarts in Porto Cervo fünf Punkte Vorsprung behaupten und 11 von 18 Rennen gewinnen.

Aber auch die fünf Vertreter der deutschen Liga können sich Hoffnungen auf eine gute Platzierung auf dem kleinen See machen. Im vergangenen Jahr gelang dem VSaW in St. Moritz bei der Qualifikation Platz drei. Und Lindau (7.) spielte lange Zeit mit um einen Platz auf dem Podium.

Beide Clubs sind diesmal nicht dabei, aber besonders der NRV mit dem Olympioniken Tobias Schadewaldt am Rohr ist in der Lage, ganz vorne zu punkten wie auch der Deutsche Touring Yacht-Club. Der kämpft zwar zurzeit in der Liga eher gegen den Abstieg, aber Julian Stückl hat bei der Qualifikation in St. Petersburg mit Rang zwei gezeigt, dass er auf internationalem Niveau besonders motiviert ist.

Die deutschen Crews beim Champions League Finale in St. Moritz 2018

Die ersten Rennen sollen heute um 13 Uhr starten. Sie sind hier bei SAP Sailing im Tracker zu verfolgen. Samstag und Sonntag startet dann jeweils ab 12 Uhr die Live-Übertragung.

Die Crewliste

Am Sonntag gibt es dann eine Neuerung mit einem echten Finale. Das Format wurde erstmal in Travemünde vor einem Monat bei der Youth SAILING Champions League erfolgreich getestet. Demnach segeln die besten vier Vereine aus der Qualifikationsphase in der Final Series. Dort segeln sie so viele Rennen, bis ein Team zwei Siege errungen hat. Der Sieger des Qualifyings nimmt allerdings schon einen Sie mit in die Finalrunde.

Übertragung am Samstag:

Übertragung am Sonntag:

Um die ganze Aktion online zu verfolgen, schalten Sie sich am Sonntag und Montag in den Livestream ein. Diese wird auf Facebook, YouTube und auch auf www.sailing-championsleague.com. verfügbar sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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