SAILING Champions League: NRV gewinnt Silber hinter Australien und vor Dänemark

"Champagner Segeln"

 Der Norddeutsche Regatta Verein hat bei der SAILING Champions League 2019 in St. Moritz den zweiten Platz belegt. Die beiden spannenden Vier-Boot-Finals gewannen die Debütanten von der Royal Sydney Yacht Squadron.

Viele Organisatoren haben sich schon Gedanken gemacht, wie man den  Segelsport spannend präsentieren kann, ohne sportliche Abstriche zu machen. Eine Variante sind die olympischen doppelt zählenden Medalraces der Top Ten. Aber da die Punkte zu den Rennen der Vorrunde gezählt werden, kann es auch bei diesem Format sein, dass der Sieger vor dem letzten Rennen schon feststeht. Zwar gewinnt auf diese Weise sicher der Beste nach einer langen Rennserie, aber es ist ein echter Spannungskiller für Live-Übertragungen.

Starke Vorstellung von Tobi Schadewaldt und seinem Team auf internationalem Parkett. © SCL/ Sailing Energy

Deshalb gab es immer wieder Versuche mit neuen Formaten, die nur ein Finalrennen entscheiden lassen, aber sie sind oft unbefriedigend. Die Star Sailing League ist von ihrem rundenbasierten System überzeugt, und es funktioniert durchaus.

Sailors League Finals

Das Format des Star Sailors League Finals. Nach vier Quali-Tagen erfolgt der erste Cut.

Die Sailing Champions League probierte im vergangenen Jahr beim Finale erstmals das Vier-Boot-Finale –  und wurde nicht belohnt. Der Wind spielte nicht mit, ein Rennen musste durchgewürgt werden. Dann war auch die Wertung nicht definiert wie gewünscht, so dass erst ein Protest über die finale Wertung entschied.

Die besten Vereine beim harten Finalkampf in der Schweiz. © SCL/ Sailing Energy

In diesem Jahr war alles anders. Das von ex 49er-Weltklassegler Marcus Baur erdachte System wurde zum sportlich hochwertigen Final-Thriller und Sahnehäubchen einer  denkwürdigen Champions-League-Regatta. Das einfache Format: Nach den geplanten 18 Rennen für jedes Team qualifizieren sich die besten vier Crews für das Finale. Dort werden so viele Rennen gesegelt bis ein Verein zwei Siege einfährt. Der Vorrunden-Führende geht mit einem Punkt in die Vierer-Läufe, muss also nur einmal siegen.

Glitsch-Bedingungen auf dem Bergsee

Auf dem St. Moritz See stellte sich über vier Tage der viel gepriesene thermische Maloja-Wind ein und bescherte tatsächlich teilweise Glitsch-Bedingungen verbunden mit drehenden Winden. Die Taktiker hatten viel zu tun.

Sonne und Wind in St.Moritz. © SCL/ Sailing Energy

Als grenzwertig entpuppte sich die Entscheidung, das Startgetümmel vor die Zuschauer-Tribüne zu rücken, also die Startkreuz um die Hälfte zu verkürzen. Das mag sich für das jahrelang in St. Moritz ausgetragene hochklassige Match Race bewährt haben, aber wenn acht Boote im Fleetrace eine zu kurze Anlaufstrecke zur ersten Marke haben, kommen sie fast gleichzeitig dort an. Unübersichtliche Regelsituationen sind vorprogrammiert, und die Schiedsrichter schon mal überfordert.

Erhitzte Gemüter und Protestflaggen beim Zieleinlauf. © SCL/ Sailing Energy

Die besten Teams zeichnen sich aber gerade dadurch aus, diese Schwierigkeiten bestens zu meistern. Das gelang schließlich besonders eindrucksvoll den Australiern von der Royal Sydney Yacht Squadron, mit 157 Jahren einem der ältesten und renommiertesten Segelclubs der Welt.

Liga-Format auf Expansionskurs

Das Team um Steuermann David Chapman (31) setzte damit ein Ausrufezeichen hinter die Bemühungen von Sailing-League-Erfinder Oliver Schwall, das in Europa immer erfolgreicher werdende Liga-Konzept weltweit zu exportieren. Die Australier gewannen den erstmalig vergebenen Champions-League-Spot für den Gewinner der Ozeanien-Liga mit Vereinen aus Australien und Neuseeland.

Die ist erst zwar 2019 erst mit zwei Regatten gestartet, gewinnt aber auch Downunder immer mehr Fans. 2020 sind für die Ozeanien-Liga drei Qualifier in Sydney, St Kilda und Auckland angesetzt. Im April wird dann das NSL Oceania Open Final in Sydney ausgesegelt.

Die Sieger aus Sydney© SCL/ Sailing Energy

Insbesondere die Leistung des Chapman-Teams zeigt die Strahlkraft des Formats. Der Skipper preist das Konzept: “Nur Segelklamotten einpacken, auf die andere Seite der Welt fliegen und dort in der Champions League sofort konkurrenzfähig sein. Das wird auch in Australien mehr Fans gewinnen.”

Die CL-Flotte nahe unter Land. © SCL/ Sailing Energy

Dabei hat die Chapman-Crew kaum Erfahrung mit der J/70. In Sydney segelte sie überwiegend mit den ehemals 2012 für die Frauen Match Races olympischen Elliott-Dreimann-Kielbooten, und bei dem nationalen Liga-Event wird eine Flotte RS21 Sportbooten eingesetzt.

Deutscher Meister aus Australien

Aber so ganz stimmt die Geschichte der J/70-Unerfahrenheit nicht. Chapman ist Segelprofi, verbringt jeweils den australischen Sommer auf einheimischen Yachten und in der europäischen Saison überwiegend in England. Er ließ sich auch schon von deutschen Eignern als Taktiker engagieren, wurde 2017 in der J/70 mit Michael Grau Deutscher Vize-Meister, 2019 Meister und 26. bei der EM.

Glitschbedingungen für die Schweizer. © SCL/ Sailing Energy

Seine Meriten verdiente er sich in der australischen Jugend-Match-Race-Szene, wo er 2012 den Hardy Cup gewann, die wichtigste U-25 Duell-Serie der Welt. Für St. Moritz rüstete er sein Team mit dem 18-jährigen Finn Alexander auf, World Sailing Youth-WM-Sieger mit 19 Punkten Vorsprung.

Der gilt als einer der kommenden Laser-Stars in der Welt und belegte schon bei seiner zweiten Senioren WM-Rang 13. Schwester Charlotte steuerte schon erfolgreich Jugend-Matches in Sydney und Vorschiffsmann Zac Quinlan ist ebenfalls ein aufstrebender Laser Radial-Segler.

Segeln vor Tribünen am St. Moritz See. © SCL/ Sailing Energy

Die Aussies kamen etwas mühsam in die Serie, hielten dann mit einer Serie von 3/2/2/2/5/1/5/1 ein hohes Niveau, ließen dann aber im 12. von 17 Rennen nach einem verpatzten Vorwindkurs und Leetonnenmanöver einen letzten Platz folgen. Sie schienen sich kaum noch für das Finale qualifizieren zu können. Aber der schwedische Superstar Björn Hansen schwächelte im letzten Rennen und ärgerte sich sehr über einen Penalty, der ihn das Finale kostete.

Duell zwischen NRV und Aussies

Am besten kamen die jungen Dänen vom 74-Seelen-Verein Kaløvig Bådelaug durch die Vorrunde mit einem Vorsprung von vier Punkten auf den NRV. Aber im Finale fielen sie auf Rang drei zurück knapp vor ihren dänischen Kollegen vom Kongelig Dansk Yachtklub um Match-Race-Urgestein Henrik Jensen an der Pinne.

Die jungen Dänen segeln auf Platz drei. © SCL/ Sailing Energy

Das Duell um den Sieg fand eigentlich zwischen den Aussies und den Hamburgern von Norddeutschen Regatta-Verein statt. Meister-Skipper Tobias Schadewaldt war mit den Plätzen 1 und 8 in die Liga-Saison gestartet und wollte nach Champions-League-Platz vier im Vorjahr diesmal unbedingt ganz nach vorne. Aber er erlebte mit Johann Kohlhoff, Klaas Höpcke und Florian Thölen an den vier Tagen ein echtes Wechselbad.

Preis für den NRV: Ein Sofa. © SCL/ Sailing Energy

Noch nach der Hälfte der Regatta schoben sich die Hamburger langsam von Rang 17 auf  zehn, streuten nach Siegen immer mal wieder hintere Plätze ein, segelten dann aberbärenstark, als es wirklich drauf ankam und die Konkurrenz einbrach.  Bei auffrischendem Wind lagen sie dreimal in Folge ganz vorne und qualifizierten sich dann doch noch sicher für die Topp vier.

VSaW rutscht ab

Dort musste man zuvor eigentlich die Liga-Tabellenführer vom VSaW erwarten, die zu Beginn unglaublich dominant auftraten. Aber dann riss ihr Faden und das Team um Skipper Tim Elsner rutschte noch auf Platz neun ab, direkt vor den deutschen Kollegen vom Württembergischen Yacht-Club und Wassersport-Verein Hemelingen. Der Bayerische Yacht-Club segelte auf Platz 16. Die Sieger der Youth Champions League vom Bodensee-Yacht-Club Überlingen rangieren im Feld der 24 Teams auf Platz 21.

Die CL-Flotte nahe unter Land. © SCL/ Sailing Energy

Die Top 16 von 24 Teams bei Champions League Finale in St. Moritz 2019

Das Ranking vor dem Cut. Vier Teams qualifzizieren sich für das Finale.

Ergebnisse Sailing Champions League 2019

Crewliste Sailing Champions League 2019

Im Finale segelten die Australier schließlich zu dominant für die Gegner und gewannen souverän. Zweimal Erster an der Luvtonne und zweimal im Ziel, das waren die beiden benötigten Punkte für den Champions-League-Sieg.

Die beiden Finalrennen in der Übertragung:

Oliver Schwall, Gründer der SAILING Champions League und der Deutschen Segel- Bundesliga, betont die herausragenden Segelbedingungen in St. Moritz: „Dank sonniger Tage und dem berühmten Maloja-Wind mit bis zu 19 Knoten genossen die Segler und Zuschauer im Segelstadion von St. Moritz erstklassiges Champagner-Segeln. Die lokalen Organisatoren funktionierten wie ein Schweizer Uhrwerk und ermöglichten 17 Flights sowie unglaublich spannende Finalrennen.”

Sechs deutsche Clubs gingen in St. Moritz an den Start:
Norddeutscher Regatta Verein, Hamburg (2. Platz)
Verein Seglerhaus am Wannsee, Berlin (9. Platz)
Württembergischer Yacht-Club, Friedrichshafen (10. Platz)
Wassersport-Verein Hemelingen, Bremen (11. Platz)
Bayerischer Yacht-Club, Starnberg (16. Platz)
Bodensee-Yacht-Club Überlingen, Überlingen (21. Platz)

Nächste Woche geht es für die deutschen Clubs beim vierten von sechs Spieltagen der Deutschen Segel-Bundesliga in Berlin am Wannsee (23. bis 25. August 2019) auf nationalen Gewässern weiter.

Live-Übertragung von Finaltag:

Live-Übertragung vom Samstag:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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