Sailing Champions League: NRV siegt bei Qualifikation in Palma – Württemberger im Pech

Wo deutsche Segler eine Macht sind

26 Segelclubs aus 16 europäischen Ländern lieferten sich beim ersten von drei Champions League-Qualifiern spektakuläre Wettfahrten vor Mallorcas Küste. Nach einem Dämpfer in Starnberg ist der NRV wieder in der Spur.

Das NRV-Team vor Mallorca. ©SAILING ENERGY

Sie waren die Überflieger der vergangenen Saison. Florian Haufe gelangen 2018 in seiner ersten vollständigen Saison als Steuermann für den NRV mit dem seit Jahren eingespielten Trio David und Dorian Heitzig sowie Miklas Meyer gleich drei Siege in der Deutschen Liga und bei der Champions League Qualifikation.

Das Quartett trug maßgeblich dazu bei, dass der Norddeutsche Regatta-Verein seinen vierten Titelgewinn feiern durfte. Dabei kommt das Team um den 25-jährigen Steuermann, der an der ETH in Zürich Maschinenbau studiert, selten gemeinsam aufs Wasser. David Heitzig studiert in Schweden, Bruder Dorian in Holland und nur Miklas Meier in Hamburg, wo er parallel im Office von North Sails arbeitet.

SAILING CHAMPIONS LEAGUE 2019 Q1

Florian Haufe, David und Dorian Heitzig, sowie Miklas Meyer wiedrholen ihren CK-Qualifier-Sieg vom Vorjahr. ©SAILING ENERGY

Haufe galt in seiner jungen Segel-Karriere als eines der größten Talente des deutschen Segelsports. 2009 wurde er als 15-Jähriger Deutscher Jugendmeister im Laser Radial und holte dann ein Jahr später Silber bei den ersten Olympischen Jugendspielen in der Einhand-Klasse Byte.

Aber er entschied sich gegen eine Olympische Segelkarriere – auch weil das Gewicht für den Laser Standard fehlte – und segelte neben dem Studium drei Jahre auf der internationalen Match-Race-Tour. 2013 holte er den Meister-Titel bei der Studenten-EM, und die Erfahrung im Segelduell war eine perfekte Basis für den Einsatz als Liga-Steuermann.

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Das NRV-Team stellt sich vor. ©SAILING ENERGY

Die Crew nutzte ein viertägiges Trainingslager mit dem NRV über Ostern, um wieder in Schwung zu kommen. Und beim ersten Liga-Spieltag lief es für die erfolgsverwöhnten Meister mit Rang sieben noch nicht, wie erwünscht. Aber beim Champions-League-Auftakt vor Palma, der ersten von erstmals drei Qualifikationsregatten für das Finale in St. Moritz, bestätigten die Hamburger ihren Favoriten-Status.

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Perfekte Bedingungen in der Bucht von Palma. ©SAILING ENERGY

Nach sieben Siegen in 15 Rennen gewannen sie mit einem Vorsprung von 3,6 Punkten vor dem Club Nautique de Versoix aus der Schweiz dem dänischen Kongelig Dansk Yachtklub und den Leichtwind-Spezialisten der Société Nautique de Genève, die 2018 Champions-League Zweite in St. Moritz wurden.

„Vier Tage mit engen Kopf-an-Kopf-Rennen und starker Konkurrenz bei perfekten Segelbedingungen liegen hinter uns. Unser Ziel war es einen Startplatz für das Finale der SAILING Champions League in St. Moritz zu ergattern und wir haben es geschafft“, freut sich Florian Haufe.

Die Top Ten von 26 Vereinen beim ersten CL Qalifier in Palma. Acht Vereine erreichen das Finale.

Mit dem Sieg bestätigte der NRV auch die hohe Qualität der deutschen Liga. Im Liga-Sport ist die Deutsche-Segelbundesliga eine Macht. Sie gilt als die beste der Welt. Nicht zuletzt die Ränge drei und vier beim Champions League Finale 2018 in St Moritz drücken die hohe Leistungsdichte in Deutschland aus.

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Das erfahrene dänische Team aus Kopenhagen kam den Hamburgern sehr nahe. ©SAILING ENERGY

Besonders der Sieg des Deutschen Touring Yacht-Clubs 2016 hatte schon das Level der Liga gezeigt. Allerdings holt die Konkurrenz auf. Insbesondere in der Schweiz segelt man auf Augenhöhe. Bei inzwischen fünf Champions League Saisons holten sie vier Podiumsplätze. Und auch vor Palma qualifizierten sich gleich zwei Vereine aus dem Nachbarland. Ebenso holten sie sich die Dänen zwei Startplätze in St. Moritz.

Reif für das Finale

Eigentlich wäre auch der Württembergische Yacht-Club reif für das Finale gewesen. Den Liga-Dritten der vergangenen Saison gelangen im internationalen Feld vier Siege. Nach der Enttäuschung vom Liga-Auftakt mit Rang 12 zeigten sich Dennis Mehlig, Lukas Ammon und Yannick Hafner – für Marvin Frisch kam Kevin Mehlig an Bord – gut erholt. Aber das Team leistete sich auch zu viele Ausrutscher.

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CL-Rennen eng vor Mallorcas Küste. ©SAILING ENERGY

So wurde es im Kampf um Rang acht am Ende noch einmal richtig knapp. Im letzten Rennen ging es um alles oder nichts. Die Württemberger riskierten gegen die direkten Konkurrenten aus Finnland und Russland noch einmal viel mit einem Start am Pin-End.

Aber auf dem Startschiff wurde die Frühstartflagge gesetzt und sie drehten hinter die Linie zurück. Die Aufholjagd endete auf Rang fünf – zu wenig für die Top Acht. Am Ende fehlten 1,6 Punkte auf die Finnen vom Brandö Seglare.

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Die Württemberger rutschen denkbar knapp an der Quali vorbei. ©SAILING ENERGY

„Es war ein Super Event. Wir waren technisch und vom Speed her sehr gut. Erste, zweite und dritte Plätzen waren immer drin”, sagt Steuermann Mehlig. “Aber wir haben zu viele Ausrutscher eingefahren, zu viele Fehler gemacht. Einmal kam Pech mit einer Schiedsrichter-Entscheidung dazu. Und am Ende war es dann extrem knapp.“ Ungewohnt für die Bodensee-Segler war auch der starke Wind und die oft hohe Welle vor Mallorca. Aber Mehlig ist sich mit seinem Team einig: “Es hat viel Spaß gemacht!“

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Start der sieben-Boote-Flotte. Der NRV gut platziert in Luv. ©SAILING ENERGY

Vom 23. bis 26. Mai findet der zweite Qualifier im italienischen Porto Cervo statt, bei dem sich der Verein Seglerhaus am Wannsee aus Berlin beweisen muss. Zum letzten Qualifier nach St. Petersburg (Russland) reisen vom 04. bis 07. Juli der Wassersport-Verein Hemelingen aus Bremen sowie der Bayerische Yacht-Club an. Im Finale in St. Moritz segeln anschließend die besten 24 Teams um den Titel des besten Segelclubs.

Bisher ging es nur um die europäischen Ligen. Den Wettbewerb um einen Platz in St. Moritz haben Vereine aus 21 Ländern auf dem Kontinent aufgenommen. Aber der Liga-Gedanke verbreitet sich rasant in der Welt. Erstmals wird jeweils ein Platz an je ein Team aus Australien und Neuseeland/Ozeanien vergeben.

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Viel Arbeit bei starkem Wind. Einige Teams waren überfordert. ©SAILING ENERGY

Für Australien hat sich die Royal Sydney Yacht Squadron auf dem Heim-Revier qualifiziert. Das Team um den australischen Profi-Skipper David Chapman gewann das Liga Kick-Off-Event, das mit Eliott und RS21 Kielbooten ausgesegelt wurde.

Champman sagte: “Ich bin sehr stolz, dass wir es geschafft haben. Seit Jahren habe ich die Aktivitäten der Liga in Deutschland beobachtet und war sehr neidisch. Wir waren sehr langsam, dieses Format hier rüber zu holen. Nun hat es endlich geklappt.” Chapman ist kein Unbekannter in Deutschland. 2017 wurde er als Taktiker Deutscher Vizemeister in der J/70.

Die qualifizierten Vereine:

1 Norddeutscher Regatta Verein, Germany
2 Club Nautique de Versoix, Switzerland
3 Kongelig Dansk Yachtklub, Denmark
4 Société Nautique de Genève, Switzerland
5 Kaløvig Bådelaug, Denmark
6 WSV Almere Centraal, the Netherlands
7 Frederikshavn Sejlklub, Denmark
8 Brändö Seglare, Finland

Ergebnisse 1. CL-Qualifier Sailing Champions League 2019

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Jugendteam zu fünft. Die Gastgeber aus Arenal segeln auf Rang 24 von 26 Teams. ©SAILING ENERGY

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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