Sailing Champions League: WYC gewinnt Qualifier auf dem Starnberger See

Eiskalt ausgekontert

Mit zwei taktisch eiskalt gesegelten Finalrennen hat das Team des Württembergischen Yacht-Clubs (Conrad Rebholz, Yannick Hafner, Thomas Stemmer und Jakob Gruber) das Qualifier-Event der Sailing Champions League 2020 in Tutzing in gewonnen.

DER WYC ließ sich im Finale von den schwierigen Winden nicht beeindrucken und sicherte sich mit zwei Siegen den Gesamtsieg im SCL-Qualifier. Foto: Göbner

Mit nur einem halben Punkt waren die Segler vom Bodensee nach zehn Flights in das Finale der besten vier („Final-Four“) eingezogen und segelte da gegen den NRV (David Chapman, Juliane Adelssen, Luisa Krüger und Miklas Meyer) sowie die beiden Schweizer Vereine, den Bordée de Tribord (Lorenz Kausche, Emanuel Müller, Laurent Forrer und Morgane Emery) vom Bieler See und den Regattaclub Oberhofen (Stefan Seger, Bruno Zeltner, Silvan Zuppiger und Stefan Pulfer) vom Thuner See.

Wer zuerst zwei Läufe im Final-Four gewonnen hat, sollte der Sieger des Events sein – wobei der Führende der Rangliste nach den zehn Flights, also der NRV, mit einem Sieg Vorsprung ausgestattet wurde. Doch bei unverändert leichten und sehr drehenden Winden gingen die WYC-Segler beide Rennen cool an. Beide Male waren NRV und WYC nach der ersten Runde gleichauf zurück am Gate, teilten sich dann wie in einem Matchrace auf – ein Team segelte auf der linken, das andere auf der rechten Seite der Kreuz. Und beide Male erwischte der WYC die klar bessere Seite. Schon das erste Finalrennen ging an den WYC.

Der NRV war als Führender in das Final Four gegangen, musste dann aber den Sieg dem WYC überlassen. Foto: Göbner

Selbst im zweiten Rennen, als unten am Gate die linke Seite der Kreuz nicht unbedingt als die bessere ausgesehen hatte, machte das Boot des WYC doch zuerst mehr Geschwindigkeit, dann kam auch noch ein Linksdreher – und mit großem Vorsprung rundete der WYC die Luvmarke, ließ sich auf dem Vorwindkurs den Sieg auch in diesem zweiten Final-Four-Rennen nicht mehr nehmen. Mit zwei Siegen standen sie ebenso verdient wie überraschend auf dem Treppchen ganz oben. „Wir waren am Start sehr ruhig“, blickte WYC-Taktiker Yannick Hafner nach dem Zieldurchgang zurück. „Ich war mir nicht sicher, aber es ging gut“, war er noch völlig überrascht über den genialen Schachzug mit der linken Seite. Der WYC (Siebter der Bundesliga 2019) war über eine Wild Card in das Qualifier Event gekommen. „Es sollte eigentlich nur ein Training werden“, so Hafner weiter – „und jetzt haben wir gewonnen!“

Die Schweizer sicherten sich die Plätze drei und vier. Foto: Göbner

War der NRV im ersten Finallauf noch Zweiter, so ging die letzte Kreuz völlig daneben. Erst als Letzter kamen Chapman und Co ins Ziel – wurden damit aber insgesamt Zweite vor dem Bordée de Tribord und dem Regattaclub Oberhofen. Nach zwei Dritteln der Kreuz war David Chapman schon anzusehen, dass er sich da seiner bisherigen Führung nicht mehr so sicher war. Er war zwar mit einer Leichtwind-Crew in Tutzing angetreten und lange Zeit an der Spitze der Tabelle – doch gegen den starken Dreher auf der entscheidenden Kreuzstrecke war er am Ende machtlos.

„Wir mögen Leichtwindbedingungen“, sagte Lorenz Kausche vom letztlich drittplatzierten BdT, dem Schweizer Vizemeister. „Man darf nicht alles so ernst nehmen, man muss von Rennen zu Rennen schauen“, erklärte er, wie er den letzten Platz im allerersten Lauf am Donnerstag verdaut hatte.

Extrem drehende Leichtwindbedingungen charakterisierten den vierten und letzten Tag. Dunkle Wolken standen über dem Starnberger See, jede davon beeinflusste den Wind (3 bis 6 Knoten) auf dem Wasser alle 50 Meter anders. Organisationsleiter Oliver Schwall beschrieb es so: „Perfect sailing conditions, shifting like hell.“ Spannende Rennen waren die Folge, bei denen auch der Letzte am Start noch die Chance hatte, nach vorne zu kommen. Oft entschied sich erst auf den letzten Metern, wer nun den Bug vorne hatte. „It’s over when it is over“, sagte Schwall.

Die Heimmannschaft vom DTYC verpasste das Final Four knapp. Foto: Göbner

Drei komplette Flights hatte Wettfahrtleiter Wolfgang Stückl am Sonntagvormittag noch segeln lassen können, unterbrochen von einer kurzen Flaute über Mittag. Mit dem letzten Rennen im Flight 10 war das Team des DTYC nach einem schlechten Start um einen halben Punkt an den Final-Four vorbei gesegelt. Dabei hatten Patrick Follmann, Felix Röder, Laura Fischer und Tobias Bolduan oftmals den richtigen Riecher für den Wind auf ihrem Heimrevier. „Wir segeln ohne Druck hier, wir wollen uns vor allem mit diesem Team auf Berlin vorbereiten“, hatte Follmann schon vorher das nächste Wochenende im Blick, wenn der zweite Event der Segel-Bundesliga ansteht. Mit Rang fünf im Qualifier sind die Tutzinger jedenfalls für das Champions-League-Finale qualifiziert, das sie 2016 schon einmal gewinnen konnten.

Auf Rang sechs hatte der WV Hemelingen (Carsten Kemmling, Daniel Labhart, Sven Gauter und Max Billerbeck) den Einzug ins Final-Four ebenso verpasst. „Ärgerlich. Heute ist es echt nicht gut gelaufen. Der Wind war schon sehr schwer zu lesen“, sagte Carsten Kemmling, die Finalläufe von Land aus verfolgend. „Aber wir haben unser Ziel, zum Finale der Champions League zu fahren, erreicht. Es war ein echt toller Event. Ich bin begeistert, wie die sich hier reingehängt haben“, lobte er den gastgebenden DTYC, der wochenlang mit den Vorbereitungen beschäftigt war, das Clubgelände sogar mit einem Zaun durchtrennte und Sicherheitspersonal aufbot, das täglich bei allen Fiebermessungen durchführte. „Segeln funktioniert auch unter Corona-Bedingungen“, resümierte Kemmling.

Insgesamt12 Teams sind für das Finale der Sailing Champions League vom 15. bis 18. Oktober in Porto Cervo auf Sardinien (Italien) qualifiziert. Die Meister der 15 nationalen Ligen in Europa sind gesetzt.

Endergebnis:

  1. Württembergischer Yacht-Club GER
  2. Norddeutscher Regatta Verein GER
  3. Bordée de Tribord – La Neuveville SUI
  4. Regattaclub Oberhofen SUI
  5. Deutscher Touring Yacht Club GER
  6. Wassersport-Verein Hemelingen GER
  7. Bocholter Yachtclub GER
  8. Segel- und Motorboot Club Überlingen GER
  9. Segelclub TWV Achensee AUT
  10. Münchner Yacht-Club GER
  11. Mühlenberger Segel-Club GER
  12. Hjuviks BK SWE
  13. Truc Jacht Klub Plzeň CZE
  14. Club de Voile Saint Aubin Elbeuf FRA
  15. Union Yachtclub Wolfgangsee AUT
  16. Stenungsunds SS SWE
  17. Clube Naval de Cascais POR
  18. WSV Almere Centraal NED
  19. WV De Meeuwen NED
  20. Segler-Vereinigung Wuppertal GER
  21. Watersportvereniging Giesbeek NED
  22. Jadralni Klub MIPC SLO
  23. RS 280 – Zig Zag LIT

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