Sailing Worlds: Als der Sturm über die Ostsee zog – Finn-Feld mit 40 Knoten erwischt

Wie das Schicksal so spielt

Der Ostsee-Sturm kündigte sich lange am Himmel über Aarhus an. Aber er traf die Finn-Flotte erst an der Luvtonne mit voller Wucht. Das Gesamtergebnis wurde dramatisch durcheinander gewirbelt.

Glück, Pech, oder einfach Können? Das letzte Goldfleet-Rennen der Finn Dinghies vor der dänischen Küste rückt die alte Frage wieder in den Fokus. Wie sehr haben Segler ihr Schicksal in der eigenen Hand?

Wohin geht’s? Viele Finnsegler fanden bei schlechter Sicht den Weg zum Ziel nicht mehr. © Robert Deaves

Man könnte am eigenen Einfluss zweifeln, wenn man die Dramaturgie dieses letzten 10. Laufs bei der Weltmeisterschaft betrachtet. Es geht und das Erreichen des heute um 14 Uhr startenden doppelt zählenden Medalraces der Top Ten und um die bestmögliche Ausgangsposition vor der Titelvergabe.

Die gesamte Woche herrschten eher leichte, drehende Windbedingungen und die Leichtwind-Spezialisten konnten besser punkten als üblich. Einige Favoriten strauchelten, aber es war nicht so, dass sich völlig unbekannte Segler an die Spitze setzten.

Die Hammer-Böe auf dem Vorwindkurs

Dann kommt dieser letzte Vorwindkurs. Der Sturm war durchaus angesagt. Das Rennen der 49er wurde an der letzten Luvtonne abgebrochen, weil der Wind im Einfluss des drohenden Gewitters zu stark nach rechts drehte. Und der Himmel verdunkelte sich. Würden die Finns es vorher noch ins Ziel schaffen?

Der Pole Kula verliert in der Böe 19 Plätze und 7 in der Gesamtwertung. © Robert Deaves

Die Regenwalze schlug bei der Luvtonnen-Rundung mit voller Wucht zu. Gerade in dem Moment, wenn das Abfallen mit einem Finn-Dinghy bei vollem Druck kritisch ist. Zahlreiche Segler wurden zum Opfer.

Allen voran der Franzose Jonathan Lobert. Er ging auf Rang drei um die Tonne und kam nach Kenterungen als 41. ins Ziel. Der Olympia-Dritte von London hätte im Medalrace noch um die Medaillen kämpfen können. Nun ist mit Rang 14 sogar die Olympia-Quali futsch.

Der Argentinier Facundo Olezza geht auf Rang 7 um die letzte Luvtonne und kommt als 23 ins Ziel. Statt zweiter ist er jetzt siebter. © Robert Deaves

Der Argentinier Facundo Olezza verliert 20 Plätze durch eine Kenterung und muss sein Streichergebnis einbringen anstatt um Gold zu segeln. Der an der Tonne führende Grieche Mitakis wird schließlich 34. Der Australier Jake Lilley ist 4. an der letzten Marke und zählt schließlich 28 Punkte. Es ist der Unterschied zwischen Gesamtrang zehn – das Quali-Limit für Olympia – und 16. Der britische Europameister Ed Wright fällt von Rang drei auf 19 zurück. Er schafft damit so eben noch das Medalrace, ansonsten wäre er heute mit nur 7 Punkten Rückstand noch um den Titel gesegelt.

Der Holländer Nicholas Heiner segelt in der Böe von Rang 26 auf 5 vor. Er hätte das Medalrace verpasst, nun fehlen nur 9 Punkte zum WM-Titel. © Robert Deaves

Auf der anderen Seite gibt es die großen Gewinner, die mithilfe der Hammer-Böe ihr Schicksal wenden konnten. Der Ungar Zsombor Berecz, der als Weltranglisten-35. ohnehin die Woche seines Lebens erwischt hat, raste auf dem letzten Vorwind von Rang 39 auf sieben und ist nun Zweiter. Ex Laser-Weltmeister Nicholas Heiner holte von Rang 26 gleich 21 Plätze auf. Er hätte das Medalrace verpasst. Nun liegt er nur neun Punkte hinter Gold (4.) und führt in der internen Olympia-Qualifikation gegen den Rückkehrer Pieter-Jan Postma (6.).

Glück oder Pech?

Ist das nun Glück und Pech? Beim Segeln passieren solche Situationen. Man muss die Chancen nutzen, die sich bieten. Und ein Heiner hat offenbar hart genug gearbeitet, um diese extremen Bedingungen zu beherrschen. Auch Philipp Kasüske beherrschte den Sturm. Er ist einer der wenigen, die ihr Spitzenergebnis an der Luvtonne halten konnten. Mit Rang drei lieferte er sein bestes Resultat ab.

Aber manche Wettfahrtleiter hätten solch ein Rennen möglicherweise zuvor abgeschossen. Einen solchen Faktor hat der Sportler nicht unter Kontrolle. Auch deshalb sind sich Segler einig: ohne das Quäntchen Glück geht es nicht.

Das 10. Finn-Rennen im Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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