Sailing Worlds: Philipp Buhl holt WM-Bronze – Platz drei im Medalrace

"Alles nach Plan"

Philipp Buhl hat mit einer starken Leistung bei seiner zehnten Laser Weltmeisterschaft zum dritten Mal eine Medaille gewonnen. Konkurrent Elliot Hanson verlor im Finale die Nerven.

Philipp Buhl nach dem Bronze-Gewinn im Interview.

Auf den deutschen Vorzeige-Segler ist wieder einmal Verlass. Philipp Buhl gehört zu den drei besten Laserseglern der Welt. In einem spannenden Finale bei erst starkem Wind über 20 Knoten, und dann abflauenden Bedingungen absolvierte er ein kontrolliertes Rennen.

Vor dem Rennen äußerte er sich noch beglückt, dass er überhaupt um Bronze segeln darf. Das lag ein wenig an der Disqualifikation von Sam Meech, der mit Elliot Hansen aneinander geraten war, aber mehr noch an ihm selbst, weil er das schwierige zehnte Rennen vor dem Finale auf Platz fünf beendete, als die Konkurrenz überwiegend weiter hinten segelte.

Beim Start nahm Buhl schnell eine kontrollierende Luvposition zum Briten Hanson und schien die Lage im Griff zu haben. Allerdings war die linke Seite der Linie bevorteilt, und der Wind drehte so weit nach Links, dass der Brite Nik Thomson sogar zu einem Start mit Wind von Backbord hinter dem Feld ansetzte.

Buhl liegt beim Start direkt in Luv seines Konkurrenten…

Buhl hatte etwas Glück, dass sich die beiden Duellanten um den Sieg so sehr belauerten, dass sie in Luv von ihm weit weg waren von der Startlinie. So konnten sie ihn nicht blocken und seine schnelle Wende verhindern. Es sind diese Sekunden-Entscheidungen, die am Ende die wichtige Punkte bringen.

…Schnelle Wende von Buhl mit der Linksdrehung. Hanson segelt weiter…

So kam ein schneller Split zustande, weil Hanson weiter nach links segelte.

Der Split der beiden Konkurrenten um Bronze direkt nach dem Start.

Buhl wartete, bis der Wind wieder nach rechts kippte und lag in Luv über dem Feld fast in Führung.

Die Situation nach der ersten wichtigen Wende von Buhl

Der Tracker sieht GER sogar kurzfristig ganz vorne.

Danach geriet er bei dem drehenden Wind aber noch einmal unter Druck. Er wollte den Vorsprung zum Briten konsolidieren und wechselte die Seite. Aber dabei kam er aus dem Rythmus der Dreher, musste einmal hinter einem Boot abfallen und Hanson ist wieder dran.

Buhl wendet vor seinen Gegner, muss aber andere Konkurrenten ziehen lassen.

Plötzlich ist Buhl nur noch auf 6 und Hanson auf 9

Als der Kiwi Sam Meech vorbei kommt, lässt dieser auch nicht die Gelegenheit aus, dem Deutschen etwas Windschatten zu spenden. Das kann sich in der Nachstartphase fatal auswirken. Auch wenn Meech gleich fünf Ränge zwischen sich und Buhl bringen muss.

Sam Meech wendet auf den Deutschen und nimmt ihn in die Zange

Aber Philipp behält die Nerven, befreit sich mit einer Wende aus der misslichen Lage, erwischt auf der linken Seite eine wichtige Linksdrehung, während Hanson rechts viele Meter verliert.

Buhl wechselt auf die linke Seite und erwischt dort eine hübsche Linksdrehung.

Die Luvtonne rundet er auf Rang drei während sein britischer Gegner auf dem letzen Platz die Vorwindstrecke aufnimmt.

Buhl liegt an der Luvtonne weit vorne, sein ärgster Konkurrent rangiert hinten.

Der riskiert dann noch einmal alles, verliert ein wenig die Nerven und schaukelt zu sehr mit seinem Boot, ohne eine Kursänderung damit zu verbinden und bekommt von der Jury noch eine Strafe wegen unerlaubten Vortriebs aufgebrummt.

Jetzt darf Buhl den Neuseeländer Sam Meech nicht aus den Augen lassen. Denn der liegt vorne und könnte das Rennen gewinnen. Dann muss der Deutsche mindestens Fünfter werden. Aber er kann sich auf seinen Vorwind-Speed verlassen und kommt auch mit dem nachlassenden Wind gut zurecht.”Es hat stark gedreht und plötzlich ließ der Wind nach”, rekapituliert er nach dem Rennen. Aber wieder erwischt er auf der zweiten Kreuz die starken Linksdrehungen perfekt. “Dann läuft alles nach Plan”, sagt Buhl. Vor dem Wind segelt er sogar noch am Neuseeländer vorbei, lässt ihn kurz vor dem Ziel aber doch noch ziehen. Es hat keine Bedeutung mehr.

Eine starke Leistung unter großem Druck. Aber im Interview nach dem Rennen kommentiert Buhl die Bronze-Medaille doch etwas reserviert. “Super happy” sei er, aber die Gedanken wenden sich auch den “zwei gleichen Fehlern” zu, mit denen er sich jeweils hohe Punktzahlen einhandelte, die das angepeilte WM-Gold außer Reichweite geraten ließen.

Es zeigt den Ehrgeiz des Wahl-Kielers, dass er bei seiner zehnten Laser-Senioren-Weltmeisterschaft, nach zuvor Silber und Bronze endlich einmal ganz oben stehen wollte. Aber bei einem Feld von 165 Spitzenseglern mit exakt dem selben Material so konstant an der Spitze segeln kann, ist eine Leistung, die man gar nicht hoch genug bewerten kann.

Beim Duell um Gold hätte er jedenfalls bestens mithalten können. Alles schien für den Australier Matthew Wearn zu laufen im Duell mit dem Titelverteidiger Pavlos Kontides aus Zypern. Aber am Ende fiel schließlich auf der zweiten Kreuz zu weit zurück, um das notwendige Boot zwischen sich und den Gegner zu bringen.

Das Endergebnis der Laser WM 2018

Das Medalrace im Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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