Sailing Worlds: Weltsegler Martinez wegen Unsportlichkeit verurteilt – Lange Sperre droht

Tiefer Fall

Der Spanier Iker Martinez ist von der World Sailing-Jury in Aarhus auch aufgrund der Fair Sailing Rule (69) belangt worden. Die Material-Manipulation an seinem Nacra17 wurde erhärtet.

Nacra17-Skipper Iker Martinez, der wegen eines Vermessungsprotestes vom ersten Rennen der Weltmeisterschaft ausgeschlossen worden war, ist von der internationalen Jury nun auch wie erwartet entsprechend der Regel 69 bestraft worden. Er wurde vom WM-Gelände in Aarhus verwiesen.

Iker Martinez © VOR

Das wird den Weltsegler des Jahres von 2011 weniger schmerzen, als die automatisch folgende Verhandlung bei seinem nationalen spanischen Seglerverband, der eine Sperre verhängen dürfte. Von der Dauer ist abhängig, ob die angepeilte Olympiateilnahme 2020 in Gefahr gerät.

Die Verhandlung nach Regel 69 in Aarhus hat weitere Details, der Manipulation am oberen Teil der Schwertkasten-Führung für das Foiler-Schwert des Nacra17 offen gelegt. Bei einer erneuten Inspektion des Katamarans identifizierte das Technische Komitee am Backbord-Rumpf die ursprüngliche Position der Schrauben-Löcher. Sie waren aufgefüllt und mit Sikaflex verborgen worden. Die neuen Löcher waren unerlaubterweise weiter hinten gebohrt worden.

Sportliches Fehlverhalten

In dieser Modifikation erkannte die Jury den Betrugsversuch. In ihrer Urteilsbegründung zur Regel 69 Verhandlung wegen sportlichen Fehlverhaltens heißt es: Die Veränderung des Bootes sei vorsätzlich gewesen. Es sei versucht worden, sie zu verschleiern. Außerdem habe Martinez in der Anhörung nicht die Wahrheit gesagt. Daraus ergebe sich die Verfehlung im Sinne des guten Sportsgeistes und ein unethisches Verhalten, wie in der Regel RRS 69.1(a) definiert.

Iker Martinez im Nacra17 Trapez. © Movistar

Der 41-Jährige hat über seinen Twitter-Kanal Stellung genommen. Er bedankt sich bei den vielen Unterstützern, die sich gemeldet hätten und sagt: Ich habe keinen Zweifel, dass es nicht lange dauern werde, bis sich der gesunde Menschenverstand durchsetze und alles geklärt werde.

Unklar ist es, welche Rolle die Vorschoterin Olga Maslivets in dem Verfahren spielt. Sie wird offenbar nicht belangt, da Martinez als Eigner des betreffenden Bootes auftritt.

Martinez ließ sich bei der Verhandlung von Antonio Otero unterstützen, ex 470er Olmpia-Telnehmer, der schon 2016 in Rio den Schweizer Verband in Regelfragen beraten hat. Außerdem war Asier Fernandez als Berater dabei, Olympia-Surfer 1992 und Coach. Martinez hat nun eine Wiedereröffung seines Falls vor der Jury in Aarhus beantragt. Dabei geht es um die Frage, wann und ob ein Protest-Komitee eine Regel-69-Strafe an World Sailing und den entsprechenden nationalen Verband melden darf, also nicht um die Verfehlung an sich. Über die Wiederaufnahme ist noch nicht entschieden worden.

Die Sache mit den Oracle-Bleisäckchen

Der Fall Martinez mag an Ben Ainslie erinnern, der im Dezember 2011 bei der Finn-WM 2011 nach einem Ausraster eine Regel-69 Strafe erhielt, aber dann doch um  eine Sperre herum kam. Aber der Vorfall wurde eher als Effekt-Handlung gesehen, und der Brite zeigte sich reumütig.

Eine Vermessungsmanipulation hat eine andere Tragweite. Das geht eher in die Richtung Doping, es geht um vorsätzlichen Betrug. Dafür bringt niemand Verständnis auf. Eine Ähnliche Fallhöhe hatte eher der Betrug des Oracle Teams 2013, das seinen AC45-Onedesign Katamaran mit einem Bleisäckchen gepimpt hatte. Der Holländer Dirk de Ridder wurde verantwortlich gemacht und in einer ersten Verhandlung fünf Jahre gesperrt.

Auf olympischem Niveau sind solche Vergehen in jüngster Zeit nicht bekannt geworden. Es ist erstaunlich, dass Martinez ein solches Risiko eingegangen ist. Schließlich ist klar, dass es eine Material-Vermessung gibt. Daraus ist wohl abzulesen, wie sehr der Spanier unter Druck stehen muss, seiner ausklingenden Olympia-Karriere wieder eine positive Umdrehung zu geben. Seine letzten Ausflüge ins Profi-Geschäft (Volvo Ocean Race, America’s Cup) waren wenig erfolgreich.

Er wollte offenbar mit aller Gewalt einen Neustart und kam eigentlich im Nacra mit der Surferin Olga Maslivets an der Vorschot eigentlich auch immer besser in Fahrt. Aber die Konkurrenz im eigenen spanischen Team mit Dauer-Kontrahent Echavarri und ex Vorschoterin Pacheco mochte zu groß geworden sein, als dass sich Martinez auf legale Weise eine klare Standortbestimmung zutraute. Ein WM-Titel musste her, etwas ganz Großes, um die Hackordnung klar zu seinen Gunsten zu gestalten. Nun droht ihm der ganz tiefe Fall.

Dabei mag es wohl zu den besonderen Wendungen des Schicksals gehören, dass Echavarri nun auch bei der WM schwächelt und das Medalrace zu verpassen droht. Drei Rennen vor Schluss ist er 13. Und zurzeit liegt der Cut für die Nationen-Quali im Nacra17 bei Rang 10.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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