Sydney-Hobart-Race: Bisher neun Ausfälle im 50 Knoten Sturm

Schaurig, schöne Drohung

"Wild Oats", die führende Yacht beim Sydney-Hobart-Rennen beim Am-Wind-Kampf. Gut sichtbar das vordere Ruderblatt des Canting Ballast Twin Foil (CBTF) Systems. © Rolex/Borlenghi

Das 628 Meilen Rennen von Sydney nach Hobart auf Tasmanien wird zurzeit seinem fiesen Ruf gerecht. Neun der 87 Yachten haben aufgegeben, seit ein heftiger Sturm mit bis zu 50 Knoten den Weg zum Ziel versperrt.

Das Hochseerennen, bei dem 1998 sechs Segler im 80 Knoten Orkan ihr Leben ließen, gilt als eines der schwierigsten der Welt. Es startet traditionell am 26 Dezember. 2005 hat „Wild Oats XI“ die Strecke in der Rekordzeit von einem Tag und 18 Stunden absolviert.

Besonders heftig erwischte es diesmal den 90 Fußer „YuuZoo“ des erfahrenen Skippers Ludde Ingvall, der gerade eine America´s Cup Herausforderung für Australien angekündigt hat.

Erst gingen zwei Crewmitglieder über Bord als Ingvall mit einem plötzlichen Abfall-Manöver den Druck einer heftigen Böe aus dem Segel nehmen wollte. Es dauert eine Viertelstunde, bis die Segler wieder eingesammelt waren.

Danach meldete „YuuZoo“ einen Wassereinbruch. In kürzester Zeit füllte sich das Schiff mit mehr als 10000 Litern Wasser. Die Stromversorgung für die Elektronik wurde lahm gelegt. Eine Logge hatte sich aus dem Rumpf verabschiedet und ein 40 Millimeter großes Loch hinterlassen.

Der Kurs von Sydney nach Hobart auf Tasmanien führt durch die berüchtigten Bass Strait. "Wild Oats XI" liegt weit vor der Flotte.

Danach fielen beide elektrischen Wasserpumpen aus und die teilweise stark seekranke Crew musste per Eimer und Handpumpe das Wasser ausschöpfen. Das Loch konnte abgedichtet werden und „YuuZoo“ segelte weiter.

Schließlich gab er doch mit Strukturproblemen auf. „Ich habe noch nie ein Rennen erlebt, bei dem so viel schief gelaufen ist“, sagt der gebürtige Schwede, der schon zweimal das Sydney-Hobart-Rennen gewonnen hat.

An der Spitze des Rennens liegt „Wild Oats XI“. Der 100 Fuß Maxi wurde von Wein-Milliardär Bob Oatley 2005 genau in die maximal für dieses Rennen erlaubten Abmessungen hineingebaut. Nach vier Siegen hintereinander musste Oatley im vergangenen Jahr der “Alpha Romeo II” den Vortritt lassen.

Das Schiff ist mit dem Canting-Ballast-Twin-Foil-System bestückt. Das heißt, der Kiel wird nach Luv geneigt, kann aber im Gegensatz zu den modernen Open 60 Yachten auf zusätzliche Stechschwerter verzichten, weil ein zweites Ruder unter dem Vorschiff gegen die Abdrift wirkt.

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Vorjahressieger “Wild Thing” kollidiert kurz nach dem Start mit einem Medienboot.

Das zweite Video zeigt ab 50 Sekunden, wie blöd es sein kann, wenn man mit einem Neigekiel zu früh an der Startlinie ist. “Wild Thing” ist zu früh dran, versucht Zeit zu schinden, fällt auf der Linie ab, das Schiff krängt nach Luv, der Platz geht aus, im letzten Moment dreht der Skipper hoch, berührt vielleicht noch die Tonne, ist laut Countdown Mitzähler im Hintergrund möglicherweise trotzdem zu früh und steht erst einmal.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Sydney-Hobart-Race: Bisher neun Ausfälle im 50 Knoten Sturm“

  1. avatar msk sagt:

    das ist eines der furchteinflößensten Wolkenbilder, das ich je sah. Zusammen mit der kleinen Yacht davor ist klar: Borlenghi ist ein ganz großer.

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