Contender Klassenporträt mit dem WM Dritten Christoph Homeier

„Schnell, schön & sexy- eben einfach geil!“

Homeier bei der Leetonnenrundung in Australien. Spektakulärer kann man ein Boot kaum um die Ecke bringen. © Stefan Schafft

Der Werbespruch der Contender Klassenvereinigung rückte Anfang des Jahres in den Blickpunkt durch tolle Fotos von der Weltmeisterschaft in Australien. Der WM-Dritte Christoph Homeier spricht mit SEGELreporter.com über sich und seine Leidenschaft.

Der Mann vom TSV Schilksee in Kiel lag bis zum letzten Rennen in Führung, fiel dann aber nach einem spannenden Finale auf den Bronzeplatz zurück.

Der stellt seine Klasse vor, die einst als olympische Alternative zum Finn von Bob Miller entworfen worden ist. Die Trapez-Einhand-Jolle galt lange als schwer zu beherrschender Exot in der Segelszene.

Inzwischen gibt es aber modernere Nachfahren des Contenders, die eine ernstzunehmende Konkurrenz darstellen: A-Cat, Musto-Skiff, RS 600 oder Moth sind attraktiven Alternativen. Warum segelt man noch Contender?

Deutscher Contender-Held: Christoph Homeier aus Kiel. foto priv

„Es gibt zwei Arten von Contender-Seglern.“ berichtet Homeier: „Die alten Profis auf der einen Seite. Sie kommen meist aus olympischen Klassen und sind erfahren. Ihre Stärke liegt im taktischen Bereich. Auf der anderen Seite sind da die jungen Wilden. Bissig, fit und meist schneller als die Konkurrenz. Aber auch oft auf der falschen Seite des Kurses.“

Je nach Wind sei mal die eine, mal die andere Gruppe im Vorteil. Unter dem Strich könne aber jeder Seglertyp im Contender erfolgreich werden.

„Das macht den Reiz der Klasse auch mit aus.“, sagt Homeier.

Er gehört nach eigener Aussage zu den jungen Wilden. Zumindest auf dem Wasser. Er wurde nicht nur Dritter bei der diesjährigen WM, sondern gewann schon Welt- und Europameistertitel bei den Junioren und wurde mehrfacher Deutscher Meister im Contender. 2007 folgte sogar der Europameistertitel bei den Erwachsenen.

An Land hingegen dominiert seine rationale Seite. Nach abgebrochener Schule, absolvierte Homeier nicht nur eine Ausbildung zum Segelmacher in Kiel, sondern holte auch das Fachabitur nach. Es folgte ein BWL-Studium.

Um seine Bachelor-Arbeit abzuschließen, musste er 2009 die Segelstunden in Kiel deutlich reduzieren. Deshalb hatte er für die WM in Australien anfangs wenig Hoffnung für eine gute Platzierung.

Dreikampf im letzen Rennen. Andrea Bonnezzi (ITA) und Jono Neate (AUS) nehmen Homeier kurz nach dem Start in die Zange. Er muss wenden und ist danach aus dem Rennen. Foto: Michael Langner

„Ich trainiere normalerweise drei bis viermal die Woche, aber dieses Jahr habe ich wegen meines Studienabschlusses nicht so viel geschafft. Und schon im Herbst wurde das Schiff in den Container nach Australien verladen. Im Winter konnte ich also nur Konditions- und Krafttraining machen.“

Monate Segelpause vor einer WM in einer akrobatischen Klasse- nicht gerade ein Erfolgsrezept. Oder doch? Iker Martinez und sein Vorschoter Xabier Fernandez aus Spanien wurden im Januar nach 16 monatiger 49er Pause auf Anhieb Weltmeister in der olympischen Klasse. Fast wäre Homeier im Contender das gleiche gelungen.

Bei traumhaften Segelbedingungen in Brisbane lag der Deutsche vor dem letzten Tag in Führung. „Ich bin locker in die WM gestartet, hatte nix zu verlieren und war gut drauf. Der Wind war genau mein Ding. Fehlendes Bootshandling konnte ich durch gute Taktik ausgleichen.“

Doch es ist schwer, als Gejagter locker zu bleiben. Im entscheidenden Rennen startete Homeier schlecht, das Großfall löste sich aus der Klemme, das Segel sackte auf der Kreuz durch. Auch der stärkere Wind machte dem Kieler Schwierigkeiten. Der Speed stimmte nicht mehr. Am Ende reichte es für den dritten Platz.

Was überwiegt? Freude oder Enttäuschung? „Natürlich war ich im ersten Moment enttäuscht. Es hätte auch Gold werde können, aber der starke Wind war nicht mein Fall und ein bisschen nervös bin ich wohl auch geworden. Aber am Ende bin ich super froh mit meinem dritten Platz.“

Waschmaschine. Der Raumschotskurs im Trapez ist eine der schwierigsten übungen mit dem Contender. Foto: Michael Langner

Wie kommt also ein erfolgreicher, junger Mann dazu, Contender zu segeln? Warum trainiert er Tag für Tag, ohne den großen Traum von Olympia? Wie schafft er es, ohne Sponsoren an der Spitze zu stehen? Wo liegt das Geheimnis der Contender-Klasse?

Homeier selbst kam kaum in Kontakt mit der olympischen Szene. Nur einmal. Als er 2007 Europameister geworden war, rief ihn Bundestrainer Michael Fellmann an, ob er nicht Lust hätte Finn zu segeln. Nach den ersten Tests war die Lust schnell weg. Zu brutal und schwer war das Boot, zu leicht der Segler.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern hat die Contender-Klasse einen guten Nachwuchs. In Italien explodieren die Felder förmlich. Nur in England stagnieren die Zahlen.

Auch wenn moderne, spektakuläre Klassen auf den ersten Blick attraktiver scheinen, besticht der Contender doch durch große Felder und seinen günstigen Preis. Eine Moth ist  für Christoph Homeier jedenfalls keine Alternative. „Da wird mehr geschraubt als gesegelt. Ich will aber Regatten segeln.“

Das Boot:

Länge: 4,88 m
Breite: 1,44 m
Gewicht: 83 kg
Segelfläche: 10,8 qm
Baumaterial Rumpf: GFK oder Sperrholz (formverleimt)
Rigg: Carbon-Faser
Preis: ab 8.600,- EUR komplett (incl. Carbonrigg & Segel)

Informationen

Ergebnisse WM 2010

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