Die neue Olympia-Disziplin: Surf-Champs wollen fliegen – Windfoil-Test in Medemblik

Tragflächen-Stehsegler

Die Spitzen-Windsurfer konnten die Fortführung ihrer Olympia-Disziplin mit dem RS:X Board gerade noch verhindern. Sie wollen viel höher hinaus zeigten in Holland, wie ihr Sport in Zukunft aussehen soll.

Beim jüngsten World-Sailing-Meeting in London hatte die kleine Revolution der Surf-Elite gegen die Funktionäre vorläufigen Erfolg. Eigentlich empfahl der World Sailing Verwaltungsrat, das RS:X Board für die olympische Windsurf-Disziplin 2024 als Material zu behalten.

Windfoil

Hohe Geschwindigkeiten beim Foilen © Sander van der Borch

Aber kurz bevor das Council dieses Ansinnen bestätigen sollte verteilte Doppel-Olympiasieger Dorian van Rijsselberghe einen Brief unter den Delegierten, in dem er unter anderem die Frage stellte, warum das RS:X Brett unbedingt mit aller Hast durchgedrückt werden solle. Die Folge: Das Council lehnte die Bestätigung des RS:X vorerst mit 19 zu 23 Stimmen ab.

Damit ist das Sportgerät, mit dem seit 2008 um olympische Medaillen gesurft wird, längst noch nicht für 2024 vom Tisch. Aber es muss sich Vergleichsfahrten mit dem in Frage kommenden Konkurrenzmaterial stellen, so wie es die Laserklasse auch über sich ergehen lassen musste.

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Kopf an Kopf Rennen © Sander van der Borch

Doch im Vergleich mit dem Material, das besonders van Rijsselberge zusammen mit seinem Landsmann, dem aktuellen Europa- und Vize-Weltmeister Kiran Badloe befürwortet, sieht das RS:X Brett ziemlich alt aus. Denn längst ist das Foilen auch im Windsurf-Sport angekommen.

Wie das aussehen kann, zeigten die Protagonisten jetzt bei der internationalen Regatta in Medemblik. Dort gingen die Stars nicht nur mit dem RS:X aufs Wasser – schließlich ist die heiße Phase der Olympia-Vorbereitung für 2020 gestartet – sondern parallel auch mit Windfoilern.

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Knappe Überholmanöver in den Niederlanden © Sander van der Borch

Die Organisatoren der Medemblik-Regatta machten erstmalig vor, wie die Surf-Regatten bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris aussehen könnten. Insgesamt starteten 27 Windfoiler aus 8 Nationen, darunter auch der neuseeländische Olympia-Legende Aaron Mcintosh (47) inzwischen Coach der niederländischen Surfer, die zurzeit die besten der Welt sind.

Er sagt über das neue Material: „Windfoiling ist neuer, schneller, und aufregender zum Zuschauen. Und der Schritt zum Windfoil-Surfen ist nicht so groß wie die meisten Leute denken. Es ist einfacher zu erlernen als auf dem RS:X.“

Nach Ansicht der Spezialisten kann das Windfoilen wieder mehr Leben in den Sport bringen. Was im Nacra 17 und bei den Kitern funktioniert, soll auch bei den Windsurfen klappen: Der sinnvolle Einsatz von Tragflächen unter Wasser in Verbindung mit dem Segel-Antrieb.

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Highspeed auch am Wind. © Sander van der Borch

Die Surfer begegnen damit außerdem der Kritik, die sich auf das das exzessive Pumpen am Segel bei leichtem Wind bezieht, flapsig als “Luftrudern” bezeichnet. Surfer sind deshalb in Bezug auf die Kraft-Ausdauer die fittesten Olympia-Segler, aber besonders sexy sind Rennen bei sechs Knoten nicht.

Windfoiler heben dagegen bereits bei 6 Knoten Wind ab und transportieren im Vergleich zu den klassischen RS:X Surfern mehr Action und hohen Speed. Allerdings schränkt die Geschwindigkeit bei leichtem Wind auch die taktischen Optionen sehr ein. Anders als bei den Kitesurfern oder Motten gelingt es den Surfern offenbar bisher nicht, beim Bugwechsel auf der Tragfläche zu bleiben. So ist eine Wende umso kostspieliger. Und es ist sicher kein Wunder, dass im Video kaum ein solches vergleichsweise eher plumpes Manöver zu sehen ist.

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Hoch hinaus. So sieht die Zukunft im Windsurfen aus. © Sander van der Borch

Dennoch sind die Profi-Surfer davon überzeugt, dass die neue Technik dem Sport gut tut. Auch wenn die klassischen Surfer längst die 50 Knoten-Marke gebrochen haben, und die Foil-Variante kaum über 30 Knoten erreicht, sehen die Tragflächen-Stehsegler deutlich spektakulärer aus. Ob das die World-Sailing-Funktionäre dann auch so sehen, muss sich nach den Vergleichsfahrten zeigen.

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