Schnellste IMOCA-Zeit: Ersatzmann Cammas puscht “Charal”-Neubau bis zum Äußersten

Gaspedal durchgedrückt

Bisher galt in Vendée Globe-Kreisen die Regel, dass man sich mit IMOCA-Neubauten erst vorsichtig an die Limits tastet, bevor man Vollgas gibt. Das Charal-Team hält sich nicht daran und freut sich über eine Bestzeit.

Es rauscht und brodelt im Heckwasser von “Charal 2”. Auf der Rückfahrt von Guadeloupe nach Lorient reizt die Crew das Potenzial des neuen radikalen IMOCA, der erst Anfang Juli gut zwei Wochen vor Boris Herrmanns “Malizia” vom Stapel lief, voll aus.

Charal 2 © Eloi Stichelbaut / polaRYSE / Charal Sailing Team

Skipper Jérémie Beyou ist nicht an Bord. Er erholt sich von der brutalen Regatta-Premiere bei der Route du Rhum über den Atlantik nach einer nicht für möglich gehaltenen Leistung. Er kam  nur dreieinhalb Stunden hinter dem Sieger Thomas Ruyant und eineinhalb Stunden hinter Charlie Dalin ins Ziel. Beide mit massiv optimierten Foilern, Beyou mit dem schnellsten Neubau der nächsten Generation.

Alt (r.) und neu im Vergleich. © PolaRYSE / Charal © PolaRYSE / Charal

Dabei drückte er das Gaspedal voll durch, während Boris Herrmann deutlich vorsichtiger den Sensor-Alarmen auf seiner neuen “Malizia” lauschte. “Charal” hielt es aus, auch wenn Kritiker des Designs mit dem fülligen Manuard-Bug, dem extrem schmalen Unterwasserschiff und der speziellen X-Wing-Ruder-Konfiguration für zu radikal und anfällig halten.

Schon während der Route du Rhum hieß es  vom Beyou-Team: “Jérémie kennt das Wort ‘konservativ’ nicht. Deshalb mussten wir für ihn ein sehr starkes Boot bereitstellen. Er will immer Rennen gewinnen. Selbst wenn ich sage ‘das ist das erste Rennen, wir müssen ins Ziel kommen und wir brauchen erst mehr Erfahrung mit dem Boot’, sagt er ‘ja, aber ich werde puschen’, jede Regatta ist wichtig für ihn.”

Nun hat das Charal-Team gezeigt, dass der neue IMOCA sogar noch schneller segeln kann, wenn der Chef nicht an Bord ist. Auf der Rücküberführung aus der Karibik nach Frankreich ist der vierköpfigen Crew um Skipper Franck Cammas eine neue 24-Stunden-Bestzeit für IMOCAs geglückt. Sie legten 558 Seemeilen zurück  und erreichten damit einen Speed-Durchschnitt von 23,25 Knoten.

Damit bestätigten sie die Aussagen des Designer Sam Manuard.

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Carsten Kemmling

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