Seemannschaft: Wie Golden Globe Skipper Wiig das Rigg verlor – So will er sich retten

"Ich muss mich entschuldigen"

Are Wiig hat weitere Details zu seinem Rigg-Verlust beim Golden Globe Race bekannt gegeben. Es passierte beim Durchkentern seiner Ole Enderlein 32.

über den norwegischen Skipper Are Wiig nach seinem Kentern und der Entlassung von 400 Meilen SSW von Kapstadt am Montag sind heute bekannt geworden.

Are Wiig , Jury Rig

Are Wiig testet sein Jury-Rigg auf seiner OE 32 “Olleanna” im April. Alle GGR-Skipper mussten vor dem Start damit einen 6-Meilen-Dreieckskurs auf dem offenen Meer absolvieren.© GGR

Wiggs Teammanager John Amtrup hat ein Update zum Zustand des Norwegers gegeben und erklärt, wie es zu dem Riggverlust gekommen ist:

Der Einhand Skipper habe sich gerade mit der Reparatur seiner Windfahnen-Steuerung beschäftigt, als die Yacht von einer großen Welle erwischt wurde und durchkenterte. “Er wurde aus dem Niedergang geworfen und landete erst in der Sprayhood dann im Cockpit. Dabei zog er sich blaue Flecken zu und blutete aus Schnitten am Ohr und an ein paar andere Stellen. Es ist aber nichts Ernstes.”

Das Vorstag mit Segeln und Riggteilen im Wasser fungiere immer noch als Treibanker. Den Großbaum konnte er retten. Das zerschlagene Fenster befindet sich über dem Kartentisch. Deshalb hat das elektrische System viel Wasser abbekommen. Aber die Batterien sollen noch in Ordnung sein.

Unter Deck sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Nahrung und Öl sind auf dem Boden verteilt. Es soll mit 35 Knoten geweht haben bei der Kenterung , und Wiig empfand das nicht als sehr viel, da er schon drei Tage im Sturm gesegelt war, der meistens noch stärker wehte.

Das aus zwi Spinnaker-Bäumen zusammengebaute Jury-Rigg. © GGR

In einer Botschaft an seine Unterstützer schreibt der Norweger: “Ich muss mich  entschuldigen. Leider ist meine Teilnahme am Golden Globe Race plötzlich beendet. Ich habe in den letzten Tagen viel schlechtes Wetter erlebt, und damit verbunden einige Knockdowns. Die Windfahne war zwischenzeitlich kaputt aber ich reparierte sie. Ich stand im Niedergang hatte die Teile für die Windfahne im Schraubstock eingespannt und arbeitete daran.

Aber dann kenterte das Schiff in einer großen Welle. Als das Boot wieder hochkam, gab es überall Chaos, der Mast war gebrochen, und das bedeutet das Ende meiner Teilnahme. Es tut mir leid, ich kann nicht weitermachen, denn es hat wirklich Spaß gemacht. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich in irgendeiner Form unterstützt haben. Es tut mir so leid. Es tut mir leid….obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ‘Es tut mir leid’ der richtige Ausdruck ist. So ist das Wetter, und man kann nicht darüber herrschen.  Wir müssen es ein anderes Mal versuchen. Vielleicht. Danke.”

Don McIntyre, der Vorsitzende der GGR, bestätigte heute, dass Are Wiig über die nötige Ausrüstung verfügt, um ein Jury-Rigg bauen: “Alle Teilnehmer mussten dies während ihrer Vorbereitungen beweisen, indem sie mit ihrem geplanten Jury-Rigg mindestens sechs Stunden lang auf einem Dreieckskurs im offenen Meer segelten. Im Rahmen ihrer endgültigen Anmeldung und Zulassung zum Rennen mussten sie darüber einen umfassenden Bericht vorlegen. Wiig hat sein Notrigg und seine Notruderanlage vor der norwegischen Küste im April letzten Jahres getestet.”

Are Wiig bei der Arbeit mit dem Sextanten. Elekronische Hilfsmittel sind beim GGR nicht erlaubt. © PPL/GGR

Der Wettfahrtleiter fügt hinzu: “Teile des Mastes und der Segel sind immer noch mit dem Bug verbunden. Somit wird der Bug im Wind gehalten. Er hat alle speziell für das Jury-Rigg gefertigten Teile bereit liegen und beide dafür nötigen Spibäume sind intakt. Er versucht, sich auszuruhen, empfindet es aber sehr schwierig bei den vielen ruckartigen Bewegungen. Er wachte in der Nacht auf, als es schien, dass erneut eine Durchkenterung passieren würde. Aber dann kam es doch nicht so weit. Langsam nimmt der heftige Seegang ab.”

Offenbar weist der 32 Fußer aus der Feder des renommierten schwedischen Konstrukteurs Olle Enderlein einen Strukturschaden auf. Im schweren Wellengang soll sich das vordere Schott bei einem harten Aufprall teilweise vom Rumpf gelöst haben. Außerdem wurden Decksbeschläge herausgerissen. An Deck sind kleinere Löcher entstanden, die noch zu reparieren sind.

Die Solaranlage ist beschädigt, und die Löcher in den elektrischen Leitungen sind undicht. Der Motor läuft, aber Wiig will sie erst einkuppeln wenn er sicher sein kann, dass kein Laufendes Gut im Wasser den Propeller blockieren kann. Er hat ca. 120 Liter Treibstoff, mit dem bei fünf Knoten Speed etwa 200 Meilen schaffen kann. Das reicht etwa für die Hälfte der Entfernung bis nach Kapstadt.

Are Wiig auf seiner 1973 gebauten Olle Enderlein 32 vor dem Start. © GGR

Die GGR-Skipper haben ihrem Kollegen mitfühlende Nachrichten geschickt. Der Ire Gregor McGukin, der sich 40 Meilen nördlich von Wiigs Position befindet, schreibt per SMS: “ES TUT MIR LEID, DAS ZU HÖREN. ICH BIN IN DER NÄHE, WENN HILFE BENÖTIGT WIRD.” Er ließ sich einige Zeit vor Topp und Takel mit Schleppanker am Heck treiben. Aber dann meldete er: “Bin zurück auf Kurs. Der Seegang hat deutlich nachgelassen.”

Der Norweger ist nicht alleine mit seinen Problemen. Sechs Einhand-Skipper haben schon aufgegeben. Und nach Wiig könnte ein weiterer Teilnehmer Kapstadt als Notstopp anlaufen. Dem zurzeit siebtplatzierten Franzose Loïc Lepage geht auf seiner Nicholson 32 das Trinkwasser aus. Er habe nicht genug Regenwasser aufgefangen und könne mit den aktuellen Vorräten nur bis nach Australien zu kommen.

Sein SSB-Funkgerät und die YB3 Text-Einheit funktionieren nicht, und so hat er schon auf die Kommunikation per  Satellitentelefon zurückgegriffen. Lepage segelt derzeit 1.000 Meilen westlich vom Kap der Guten Hoffnung und habe keine Möglichkeit mehr, Wettervorhersagen zu erhalten. Es steht die Entscheidung bevor, dass er nach Kapstadt abdreht, um diese Probleme zu beheben. Dann würde er automatisch aus der offiziellen Wertung fallen und müsste in der Chichester-Klasse weitermachen.

Die aktuelle Rangliste beim Golden Globe Race

 

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