Seeunfall: Lehren aus dem Unglück einer Charteryacht vor Warnemünde

"Wir empfehlen die Rettungswesten-Pflicht"

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hat den Abschlussbericht zu einem Todesfall vor Warnemünde veröffentlicht. Eine Charter-Crew schaffte es nicht, ihren Mitsegler an Bord zu holen.

Unterstütze SegelReporter

Mitglied in 5 Minuten werden und ab dann SR im Magazin-View lesen

Lieber Leser,

der SegelReporter Club wurde aufgesetzt, um neue Projekte zu finanzieren. Wir haben noch viele Ideen und großen sportlichen Ehrgeiz, den Großen die Stirn zu bieten.

Ab 1,25 € pro Woche bist Du bei einer
12-monatigen SR Club-Mitgliedschaft dabei.

  • Täglich alle Highlights des Segelsports, deren Erklärung und Einordnung mit einem Klick von einer deutschen Webseite
  • Ohne Beschränkungen alle SegelReporter Artikel lesen
  • Lesefreundlicheres, einspaltiges Artikel-Layout
  • Lesbar auf allen digitalen Medien

Die SegelReporter

» Fragen und Antworten zum SegelReporter Club

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

12 Kommentare zu „Seeunfall: Lehren aus dem Unglück einer Charteryacht vor Warnemünde“

  1. avatar Firstler sagt:

    Ja klar, die Westenpflicht! Warum so halbherzig? Man sollte Segeln, Surfen, Bergsteigen und Fahrradfahren gleich ganz verbieten…ist doch viel zu gefährlich!

    • avatar Andi sagt:

      Dann kommt auch die gesetzlich vorgeschriebene Wartung von zertifizierten Händler alle zwei Jahre. Lieber keine Pflicht.

  2. avatar Jürgen sagt:

    Tragisch – aber bitte kein Grund, nun über allg. Tragepflicht zu diskutieren. Jeder ist seines Glückes Schmied. Ich lasse mir nicht vorschreiben, bei 2 Bft und 30°C eine Weste zu tragen. Ich kann ganz gut selber einschätzen, wann eine Weste (mit Schrittgurt!) sinnvoll ist und bin bisher gut damit gefahren. Das ist per Definition “gute Seemannschaft”.
    Wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde, weis man bekanntlich erst, wenn man in dieser Situation ist – unabhängig der vielen Übungsstunden. Ein Boje-Über-Bordmanöver, wo der Fender bei 2 Knoten Fahrt im Schiff mal eben mit dem Bootshaken aufgenommen wird, hilft hier ganz sicher nicht und stellt die Situation in keinster Weise ausreichend nach! – Es darf einfach nie passieren! (sprach er und klopfte auf ein Stück Holz)

  3. avatar Crisch sagt:

    Und wenn der nächste auf dem Steg ausrutscht, und sich die Rübe dabei einschlägt, dürfen wir übernächstes Jahr nur noch mit Helm auf den Steg.

    Ich trage meine Rettungsweste zu 90% der Zeit auf dem Wasser. Vorschriften brauchen wir aber nicht.

  4. avatar Backe sagt:

    Die BWU (Bundesstelle für Wintersport-Unfall-Untersuchung, 2014 = 36 Tote, 7000 Verletzte) empfiehlt: Geschwindigkeitsbegrenzung auf Ski-Abfahrten, maximal 25 km/h. Zusätzlich Airbags für Snowboarder und Bremsfallschirme für Rodler.

    Die BRU (Bundesstelle für Radunfall-Unfall-Untersuchung, 2014 = 400 tödliche Unfälle) schlägt vor: Nur noch Ritzel mit den drei kleinsten Gängen zulassen, um das enorme Verletzungsrisiko bei höheren Geschwindigkeiten zu mindern. Auf öffentlichen Straßen wird das generelle Schieben des Rades empfohlen.

    Die BBU (Bundesstelle für Bergsport-Unfall-Untersuchung, 2013 = 36 tödliche Unfälle) möchte eine Vorschrift einführen, die Klettern an Bergabschnitten mit mehr als 15 Grad Gefälle verbietet.

    Die BRU (Bundesstelle für Reit-Unfall-Unersuchug, 2014 = 31 tödliche Unfälle) empfielt, zur Ausübung des Reitsports nur noch Pferde mit einem Stockmaß unter 1 m (Ponys) zu verwenden. Im Gelände generelle Zügelführungspflicht.

    Die BAU (Bundesstelle für Angel-Unfall-Untersuchung, keine konkreten Zahlen, aber vermutet hohe Dunkelziffer) empfielt angesichts immer wieder kehrender Ertrinkungsfälle, den Angelsport nur noch an stehenden Gewässern mit weniger als 10 qm Fläche und maximal 30 cm Tiefe (Gartenteich) zuzulassen.

    usw. usw. usw,

    • avatar waterman2000 sagt:

      Großartig … genauso ist es.

      Der Amtsschimmel und die Lobbyisten stricken da vermutlich wieder was. Seitdem Politiker nur noch das Sprachrohr von Wirtschafts-Lobbyisten sind (… siehe Dobrinth) darf man hinter solchen Aktionen sicherlich auch ein ganz klares wirtschaftliches Interesse sehen.

      Es wäre nur ein weiterer Versuch den Wassersport zum Zweck des Geld verdienens zu regulieren. Unser viel ‘geliebter Interessenvertreter ‘ DSV hat’s ja auch schon diverse Male ‘völlig selbstlos’ vorgemacht.

    • avatar C.H. sagt:

      Sehr schön!

    • avatar Theo Scheurmann sagt:

      Super recherchiert 🙂

  5. avatar Sven 14Footer sagt:

    Wow, ich bin doch sehr über die Reaktionen überrascht! Klar bin ich selten begeistert, wenn eine weitere Regulierung mit einer mir auferlegten Pflicht angedroht wird.
    Aber ehrlich: Helfen würde eine Rettungsweste und Lifebelt schon!
    Wer hat den Untersuchungsbericht der BSU wirklich gelesen? Amtsschimmel und Lobbyismus kann ich hier weniger entdecken. Eher eine sehr genaue und objektive Untersuchung wie es zu dem Unfall kam. Die BSU hat den Auftrag zu schauen und zu empfehlen, was man in Zukunft besser machen kann um den Unfall zu vermeiden oder wenigstens das der Ausgang weit weniger tragisch wäre.
    Schnallt Ihr Euch im Auto auch nur auf unfallträchtigen Strecken bei Geschwindigkeiten über 60 Km/h, 100 km/h oder wieviel an? Bei 30 Grad stört mich der Gurt im Auto auch sehr.
    Die betroffene Mannschaft ist offensichtlich auf dem ganzen Törn nicht auf die Idee gekommen Rettungswesten zu tragen.

  6. avatar Jürgen sagt:

    Der Vergleich mit dem Gurt im Straßenverkehr hinkt. Es gibt auf dem Wasser einfach Momente, wo das Tragen der Rettungsweste wirklich nicht notwendiger Weise leben rettet. Wenn ich bei 2 Bft und 30°C Luft über Bord gehe, werde ich das Überleben, es sei denn ich segel alleine. Fahre ich bei 30°C mit 30km/h unangeschnallt frontal gegen eine Wand, bin ich mit hoher Wahrscheinlich schwerstverletzt oder gar tot – Unterschied klar?
    In letzter Instanz bleibt es hier wie dort immer eine persönliche Entscheidung, mit dessen Konsequenzen man leben muss – Für mich ist es so einfach.

  7. avatar Gehteuchnixan sagt:

    “Gute Seemannschaft”, der mächtige Begriff ist ja wieder mal gefallen, schließt für mich ein, Risiken unter Zuhilfenahme aller zu Gebote stehenden Mittel zu minimieren und dabei auch eigene Fehleinschätzungen in Betracht zu ziehen.. Landauf, landab liest man immer wieder von tragischen Unfällen, die eigentlich gar nicht zu erwarten waren. Meine Konsequenz daraus ist, daß unter meiner Schiffsführung jeder bei egal welchem Wetter vom Ablegen bis zum Festmachen eine Rettungsweste trägt, wenn vorhanden, der Schrittgurt angelegt wird und auch nur beim leisesten Zweifel Lifebelts angeschlagen werden. Bis jetzt hat sich noch keiner beschwert. – Ich staune ein Bißchen über die Mokanz gegenüber der BSU. Ich lese da immer wieder knacktrockene, solidest recherchierte Berichte. Diese Institution mit Lobbyismus in Verbindung zu bringen, halte ich für genauso töricht wie einige der obenstehenden Kommentare.

    • avatar Lasse sagt:

      Wenn man das Risiko zu ertrinken minimieren will, sollte man sich gar nicht in die Nähe von Wasser begeben.

      Man kann einem Erwachsenen Menschen mit Segelerfahrung schon zumuten das Risiko selbst abzuschätzen und danach zu entscheiden. Und das Risiko ist nicht sehr groß, ja es gibt tragische Unfälle, aber im Vergleich zu der gesamt Zahl an Stunden die wir alle segelnd auf dem Wasser verbringen ist die Zahl dieser Unfälle doch verschwindend gering.
      Ich trage in 99,5% der Fälle auf dem Wasser eine Schwimmweste. Aber die Freiheit in diesen 0,5% Prozent eine aufgezwungen zu bekommen nur weil ein paar wenige Menschen das Risiko nicht vernünftig einschätzen können, will ich mir nicht nehmen lassen.

      Genauso trage ich in 95% der Fälle auf dem Fahrrad einen Helm, wäre aber entschieden gegen eine Helmpflicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.