Segel-Bundesliga Travemünde: Impressionen vom MSC-Nachwuchsteam

Sonne, Drohnen und Meer

Abschlussbericht der Segel Bundesliga in Travemünde:

Zwischenbericht nach zwei Renntagen:

Maike Christiansen (20) berichtet nach dem ersten Auftritt bei der Segel Bundesliga in Starnberg nun über das zweite Erlebnis mit ihrem Hamburger Junioren Team in Travemünde.

Segel Bundesliga

Autorin Maike Christiansen (r.) mit ihrer Teamkollegin Pauline Schröder. © Lars Wehrmann

Tüüüüüt. Die Pfeife schrillt mir in den Ohren. Und zwar nicht der Anpfiff für ein 90-minütiges Spiel am zweiten Spieltag der Fußballbundesliga, sondern ein Umpire-Pfiff vor dem Start unserer dritten Wettfahrt. Zwar auch bei der Bundesliga. Allerdings der viel cooleren Bundesliga der deutschen Segler.

Rote Karten gibt es hier nicht. Dafür aber rote Flaggen, und eine davon deutet gerade in unsere Richtung. Verdammt. Doch zu wenig Raum gegeben. Die gute Startposition aufgeben und eine 360°-Grad Drehung zu machen klingt nicht sehr verlockend. Nun ja, muss ja. Eine Wende und eine Halse später fahren wir als letztes der sechs Teams über die Startlinie.

Hochkarätige Teilnehmer

Die Leistungsdichte ist noch höher als beim letzten Bundesliga-Wochenende in Tutzing – man merkt, es wurde trainiert. Die meisten Teams der Vereine sind neu besetzt, doch einige vom ersten Spieltag bekannte Gesichter trifft man auch hier wieder. Hochkarätige Teams überall. Olympioniken, Deutsche Meister, America‘s Cup-Teilnehmer: Bei der Bundesliga sind alle dabei.

Segel Bundesliga

Das U-21 Team vom Mühlenberger Segel-Club landete auf Rang 12. © Lars Wehrmann

Wir vom MSC sind wieder in der alten Besetzung vor Ort, nennen wir als Grund mal Terminschwierigkeiten der anderen Nominierten. In der Crewkonstellation haben wir allerdings noch mal gewechselt: Jetzt steuert David, ich bediene Fock und Gennaker, Benni macht die Taktik und Pauline ist immer noch Mädchen für alles. Klappt irgendwie besser so.

Wo sind die Frauen?

A propos Mädchen. Schon beim letzten Mal habe ich mich gefragt, wo denn nur die Frauen sind bei dieser Veranstaltung. Auch dieses Mal fällt es mir wieder auf. Von 18 Teams segeln vier mit Frauen an Bord – weniger als ein Viertel der teilnehmenden Mannschaften. Wir sind das einzige Boot, welches mit zwei Frauen die so oft von Politikern geforderte Frauenquote von 50% erfüllt. Insgesamt kann man die weiblichen Teilnehmer an einer Hand abzählen.

Ist Segeln tatsächlich so ein Männersport, wie es hier den Anschein hat? In meiner bisherigen Erfahrung eigentlich nicht – in meinem Umfeld gab es immer viele und vor allen Dingen auch erfolgreich segelnde Frauen. Wo sind diese hin? Keine Lust auf Bundesliga? Von den Vereinen übersehen? Es gibt sie, aber sie werden zu den späteren Veranstaltungen geschickt? Ich weiß es nicht.

Eingespieltes Team

Dank der extrem drehenden Winde schaffen wir es, uns auf der Startkreuz in die Mitte des Feldes vorzuarbeiten. Ein Vorteil, dass wir vier beim letzten Mal dabei waren: Inzwischen kennen wir das Boot schon ein wenig. Deswegen klappen die Manöver auch meistens richtig gut. Auch das Gennakersetzen und -bergen, mit welchem wir in Tutzing des Öfteren Probleme hatten, funktioniert. Kann natürlich auch an den getauschten Positionen liegen.

Auf dem Vorwindkurs schieben wir uns schließlich auf den zweiten Platz vor, hinter den VSAW. Aber die anderen Teams sind nah dran, es gilt nun zu verteidigen, angreifen lohnt sich nicht, nicht bei dem kurzen Kurs. Böen und Dreher müssen frühzeitig erkannt und ausgesegelt werden, man muss eher konservativ fahren, anstatt Extremschläge zu probieren. Unsere Taktik geht auf: Als zweites Boot segeln wir ins Ziel.

Plaudern im Beachclub

Noch eine weitere Wettfahrt steht an, nach dieser geht es gleich weiter in den Hafen. War es auf der Regattabahn noch recht still, hört man nun schon beim Einlaufen in die Trave die Geräuschkulisse der gleichzeitig stattfindenden Travemünder Woche: Musikfetzen, die über das Wasser wehen, Stimmen und Gelächter an Land, das Tuten einiger Schiffe und über allem ein permanentes Möwengekreische.

Die Sonne scheint, das Salzwasser trocknet auf der Haut, der Geruch von Sonnencreme und Schmalzgebäck steigt einem in die Nase. Abends sitzen die Segler noch in dem für die Bundesliga zur Verfügung gestellten Beach-Club zusammen, es wird getrunken und geplaudert, Anekdoten erzählt, neue Bekanntschaften geschlossen und alte aufgefrischt. Schön hier. Schön, wieder dabei sein zu dürfen.

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