Segel-Bundesliga: Die Erlebnisse des MSC Jugend-Teams

"Einmal vor Schümi sein"

Maike Christiansen (20) segelte mit ihrem Team Pauline (18), David (19) und Benni (19) für den Mühlenberger Segel-Club auf Rang 13 beim Segel-Bundesliga Auftakt. Die Hamburger gewannen die letzten beiden Rennen. Christiansen schreibt über das Erlebnis.

Maike Christiansen vom Mühlenberger Segelclub

Maike Christiansen (20) steuerte für den Mühlenberger Segelclub auf Rang 13. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Der Freitag beginnt am Starnberger See mit zu wenig Schlaf und Flaute. Prima Start in ein Regattawochenende, denke ich, und fläze mich in eine der Sofa-Ecken auf dem Rasen vor dem Deutschen Touring Yacht Club.

Die vorige Nacht, in der wir von Hamburg nach Bayern gefahren sind, steckt doch noch in den Knochen. Auch der Rest meines bunt zusammengewürfelten Teams ist noch nicht so richtig angekommen: Benni flog direkt aus England ein, David aus Frankreich, und Pauline kommt geradewegs aus den Hamburger Abiturprüfungen.

Einmal an der Luvtonne vor Schümann sein

Zusammen gesegelt sind wir noch nie. Drei Viertel des Teams hat seit über einem Jahr nicht mehr auf einem Boot gesessen. Nicht die besten Vorraussetzungen, um erfolgreich eine Regatta zu segeln. Aber egal. Die Zielsetzung, die unsere Vereinstrainerin uns mitgegeben hat, lautet: „Einmal an der Luvtonne vor Jochen Schümann sein.“ Na, das sollten wir doch wohl schaffen!

Vor dem Clubhaus des DTYC liegen sechs neue J/70s im Wasser, unsere Spielgeräte für die nächsten Tage. Als wir das erste Mal an Deck stehen, sagen alle das Gleiche: Geiles Gerät! Sehr sportlich, reagiert auf Gewichtsveränderung und sieht auch noch schnittig aus. Wenn das Boot jetzt auch noch so segelt…

Maike Christiansen

Die MSC Steuerfrau puscht ihre junge Truppe und erabeitet sich viel Respekt bei den meist älteren Liga Teilnehmern. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Tut es, stellen wir fest. Sowohl in der halben Stunde Trainingszeit, die jedem Team am Freitag vergönnt ist, als auch in den folgenden Rennen kommen wir aus dem Schwärmen nicht heraus. Das Boot ist schnell, seglerisch anspruchsvoll und sensibel am Ruder. Und nein, ich werde nicht dafür bezahlt, das hier zu schreiben. Aber dies ist tatsächlich eine neue Bootsklasse, die das Potential hat, sich neben den alten etablieren zu können.

Eröffnung durch Wettfahrtleiter Wolfgang Stückl. Mit einem Blick auf die anderen Teams stellen wir fest: Wir senken den Altersdurchschnitt. Deutlich. Zum Ausgleich heben wir aber mit zwei Mädels an Bord die Frauenquote. Komisch eigentlich. Wo sind hier die erfolgreich segelnden Frauen, davon gibt es in Deutschland doch eigentlich genug?

Schade Schokolade!

Inzwischen hat sich genügend Wind durchgesetzt, sodass pünktlich gestartet werden kann. Die erste Wettfahrt läuft für uns gut an: Zweite an der Luvtonne hinter unseren Hamburger Kollegen vom NRV. So kann es weitergehen.

Doch irgendwie klappt es bei uns noch nicht wirklich mit dem Gennaker. Hochziehen ist okay, Fahren auch. Aber dann das Leegate. Unser Versuch, das Ding wieder runterzunehmen, scheitert an einem Riesenknoten in der Luvschot. Zwei Boote rutschen durch, welche wir bis zum Ziel auch nicht mehr aufholen. Schade Schokolade!

So ähnlich ergeht es uns leider auch in den folgenden Wettfahrten – es fängt ganz gut an und endet nicht so gut. Es sind die Kleinigkeiten, die so ein Rennen ausmachen, und jeder taktische und technische Fehler wirkt sich im kleinen Sechs Boote Feld auf so kurzem Kurs noch viel extremer aus.

Auf den Punkt abliefern

Die Wettfahrten laufen schnell ab, 15 Minuten ist die angestrebte Zeit. Wenn man hinten startet, lassen einem die zwei Up-and-Downs nur wenig Möglichkeiten, noch aufzuholen. Doch darin liegt unter anderem auch der Reiz in diesem Format: Man muss auf den Punkt abliefern können.

Segel-Bundesliga

Der MSC liegt vor dem NRV und VSaW. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Das schaffe ich mit meinem Team leider noch nicht. Oder, um es mal nett auszudrücken: Bei uns ist noch viel Optimierungspotential vorhanden, sei es beim Einpacken des Gennakers, bei der Taktik oder beim Großsegelhandling.

Trotzdem bringt das Ganze einen Riesenspaß. Und auch an Land wird die Zeit gut genutzt, indem man entweder die gerade segelnden Teams beobachtet und versucht, etwas zu lernen, oder sich mit anderen Teilnehmern unterhält und neue Kontakte knüpft.

Tipps vom Altmeister

Dies scheint mir auch der Geist der gesamten Regatta zu sein: Jeder hilft jedem, jeder freut sich mit jedem. Vom 49er-Vorschoter Thomas Plößel gibt es Tipps, wie man den Gennaker fährt, Altmeister Jochen Schümann sagt uns, wie wir eine Situation taktisch besser hätten segeln können, NRVer Klaus Lahme entschuldigt sich, weil sein Team uns unterwendet und abgedeckt hat, „wir hätten ja auch zwei Meter weiter segeln können“, ,Regelpapst‘ Uli Finckh erzählt Anekdoten von untergehenden Schiffen. Selten bin ich eine Regatta gesegelt, bei welcher die Teilnehmer so fair und freundlich zueinander sind.

Sowohl an Land als auch auf dem Wasser ist die Organisation durch den DTYC klasse. Die ,Welcome-Party‘ ist zwar weniger eine Party als ein gemütliches Beisammensitzen mit Live-Musik. Doch dies trägt nur umso mehr zur entspannten Atmosphäre bei. Auch die Startverschiebung am Samstagmorgen wird genutzt, um alte Bekannte wieder zu sehen und sich mit anderen Seglern auszutauschen. Interessant, was man da alles für Geschichten hört, von abgesprengten Geldautomaten bis hin zu ausgeraubten, untergegangenen Booten.

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12 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Die Erlebnisse des MSC Jugend-Teams“

  1. avatar Ich hätte da mal eine Frage sagt:

    Zitat: “Zusammen gesegelt sind wir noch nie. Drei Viertel des Teams hat seit über einem Jahr nicht mehr auf einem Boot gesessen.” Höfliche Frage: Wir reden hier aber schon noch von der deutschen Segelbundesliga, oder? Trotzdem Glückwunsch zu den gewonnenen Läufen!

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    • avatar WTF? sagt:

      Was willst du mit diesem Kommentar aussagen?

      Hätte deiner Meinung nach…
      … ein anderer Verein starten sollen,
      … ein anderes Team für den MSC starten sollen,
      … oder weniger Vereine zugelassen werden sollen?

      Wäre schön wenn dieses von Neid geprägte unkonstruktive Herumgemosere mal ein Ende haben könnte. Jeder Kritiker sollte sich selbst zunächst einmal fragen, ob er das gleiche schreiben würde, wenn er selbst teilnehmen dürfte und ob seine Jammerei auch einen Funken Konstruktives enthält.

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      • avatar Ich hätte da mal eine Frage sagt:

        Neid, jammern, mosern, unkonstruktiv sein? Entspannen Sie sich, daß macht doch gar keiner. Toll das der MSC eine Bundesliga-Mannschaft stellt. Toll, daß Maike und Team Läufe gewonnen haben! Wirklich Glückwunsch! Die Trainingsaspekt hinter einem Bunsdesliga-Verein haben Sie entweder nicht verstanden, oder vergessen zu adressieren. Ich denke mein Kommentar ist an der Stelle selbsterklärend. Ende.

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    • avatar Ich hätte da mal ne Antwort. sagt:

      Das das nur ne Zirkusnummer wird, war eigentlich von Anfang an klar, oder?!

      Ein gesponsortes Treffen, wo im Laufe der Zeit nicht viel Qualitatives übrig bleiben wird, wenn der Anfangskick weg ist und einem die Zeit zu schade wird mit zusammengewürftelten Trupps ein paar Mal im Jahr einen Ausflug auf ein Binnenrevier Oldietreffen zu machen. Kein Modell mit Zukunft.

      Das endet in zwei, drei Jahren mit dem Anreisen der vierten Mannschaft.

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      • avatar matthias pape sagt:

        Totgeredet wurden schon viele Projekte. Dieses könnte es schaffen.In der Fussballliga laufen auf Mannschaften mit deutlichem Trainingsrückstand rum.

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  2. avatar o_O sagt:

    sehr schön geschriebener bericht!

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  3. avatar curiosity_killed_the_cat sagt:

    Gibs Frau Christiansen auch mal von vorn? …schräg von vorn würde auch reichen 😉

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  4. avatar Grit sagt:

    Die Segel Bundesliga ist eine tolle Sache und wird sich hoffentlich etablieren. Wie alle wissen, war dies das erste event, Anlaufschwierigkeiten sind normal. Dem MSC Team ist absolut bewusst, dass natürlich Erfolg auch durch Training kommt. Für Starnberg fehlte einfach die Zeit.
    Und dass ¾ des Teams letztes Jahr nicht auf einem Boot gesessen hat, ist ja gerade das Problem, vor dem junge Segler stehen: Zeit ist knapp (Abi, Ausbildung, Studium) und die Perspektiven nach den Jugendbooten begrenzt. Wo bleiben denn all die Talente, wenn sie sich nicht für eine Olympiakampagne entscheiden???
    Da kommt doch die Bundesliga wie gerufen: Boote werden gestellt und man kann sich mit den Besten messen. Mannschaften können zu den einzelnen Regatten unterschiedlich sein, denn wer will / kann schon entscheiden, welches die 4 besten Segler des jeweiligen Vereins sind…
    Unsere Segler freuen sich jedenfalls auf die nächsten Rennen und sollte jemand ne J70 über haben, nehmen wir sie gern – dann wird es auch mit dem Trainieren einfacher. 🙂
    Mit freundlichem Gruß Grit

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  5. Moin Moin,

    netter Bericht, die Segelbundesliga ist eine Idee, die sich hoffentlich durchsetzt, leider im ersten Jahr ohne große qualifikation aber das soll sich ja ändern, bei manchen Ideen, muss man denke ich auch erstmal anfangen und die Vernastlatung im Laufe der Zeit verbessern.

    Wenn es um Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschland geht, gibt es in Plön durchaus die Möglichkeit auf identischen 4-Mann Booten für kurz-Rennen zu trainieren. Wenn dieses Thema für Euch intressant ist, könnt Ihr Euch gerne per Mail an mich wenden.

    Beste Grüße

    Lars Hückstädt

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  6. avatar hans m. sagt:

    habt ihr in der Fussball-Bundesliga schon mal ne Mannschaft spielen sehen, die noch nie mit einander gespielt hat – und deren Spieler seit einem Jahr nicht mehr auf einem Platz waren???
    Was ist das für eine “Bundesliga”?
    Da bin ich ja völlig überqualifiziert, denn ich war heuer schon mal auf nem Boot und beim Segeln…

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