Segel-Bundesliga: Die Erlebnisse des MSC Jugend-Teams

"Einmal vor Schümi sein"

Blase im Wasser

Die ersten Wettfahrten am Sonnabend laufen für uns wieder nicht so dolle. Erneut sind es die Kleinigkeiten, an denen wir scheitern. Beziehungsweise größere Kleinigkeiten, der Gennaker ist ja nun mal nicht mehr als klein zu bezeichnen. Im Gegenteil, wenn die Blase im Wasser hängt, kommt sie einem schon unverhältnismäßig riesig vor.

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Perfekter Luv-Start der MSC-Mannschaft. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Bei unserer viertletzten Wettfahrt platzt schließlich der Knoten. Der Start klappt, die Kreuz klappt und die Leetonnenrundung klappt auch. Endlich sind wir nicht mehr nur Letzte oder Vorletzte!

Auch im nächsten Rennen funktionieren Start und Kreuz ganz gut. Doch leider müssen wir auf die harte Tour lernen, dass man einen Jochen Schümann nicht ungestraft unterwendet. „Das passt, fahr weiter, Maike!“ schreit mir mein Taktiker zu. Hmm. Das sieht aber ganz schön eng aus.

Schümann protestiert

Jochen Schümann auf der Anlegelinie zur Luvtonne mit Backbord. Wir auch auf der Anlegelinie zur Luvtonne. Leider mit Steuerbord. Wir schaffen es knapp, zwischen ihm und der Tonne reinzuwenden. Verboten, klar. Die rote Flagge von Schiedsrichter Uli Finckh kommt auch sofort. Leider liegt in dieser Wettfahrt das Feld so dicht beieinander, dass das Aufholen nach dem fälligen Strafkringel überhaupt nicht funktioniert. Ärgerlich, aber selber schuld.

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Das U-20 Team vom MSC ist begeistert von den neuen J/70 Yachten. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Das letzte Rennen des Tages läuft dann endlich so, wie wir es uns vorgestellt haben. Geiler Leestart. Auf Backbordbug bis dicht ans Uferheran, Wende, das gesamte Feld abkassieren: Schümi und Team applaudieren auf dem Steg. Als Erste kommen wir an der Luvtonne an, jetzt gilt es, die Position bis zum Schluss zu verteidigen.

Wir stellen wieder einmal fest: Es ist so einfach, sich vorne zu halten. Sich dagegen von hinten nach vorne durchzukämpfen ist schwierig bis unmöglich. Als wir als Erste die Ziellinie überqueren, jubelt der gesamte Steg und die Wettfahrtleitung dazu. Ja Mann! Da schmeckt das Abendessen doch gleich doppelt so gut.

Aus der Jugendherberge auschecken

Am Sonntagmorgen heißt es für uns zuerst, Sachen zusammenzupacken und aus der Jugendherberge auszuchecken. Mit vollgepacktem Bus kommen wir am Clubgelände an und stellen zu unserer Überraschung fest, dass tatsächlich schon ein frischer Wind weht, mit Riesendrehern aus einer komplett anderen Richtung. Dies verhindert leider das sehr zuschauerfreundliche Segeln direkt vor dem Steg. Aber auch von weitem kann man gut beobachten und mitfiebern. Die Boote sind gut erkennbar gekennzeichnet.

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Der MSC sorgt am Starnberger See mit einer schlagkräftigen Jugend-Truppe für Aufsehen. © Segel-Bundesliga / Nils Bergmann

Nur noch eine Wettfahrt pro Gruppe steht an. Wir starten im zweiten Rennen. Als wir das Boot betreten, meint Benni zu uns: „Leute, ich hab‘s im Gefühl, wir gewinnen das Rennen!“ Wir lachen ihn aus.

Vor dem Ankündigungssignal ziehen wir noch mal den Gennaker hoch. Hakt natürlich mal wieder. Erst zwei Minuten vor dem Start sind wir an der Startlinie. Benni ist sich immer noch sicher, dass wir gewinnen. Nach einem etwas verpeilten, aber trotzdem guten Leestart schauen wir uns um und stellen fest: Oh, wir sind ja Erste und haben bereits einen Anlieger zur Tonne!

Der Adrenalinpegel steigt, hektische Blicke zu den anderen, Ausschau nach Drehern, nach frischem Wind. Nach der Luvtonne direkt die Halse: klappt prima, obwohl wir das Manöver bisher nur einmal gefahren sind. Knapp Erste am Leegate, der Bayerische Yacht-Club ist dicht an uns dran. Decken, Böen mitnehmen, Dreher aussegeln.

Sieg mit drei Längen Vorsprung

An der Luvtonne liegen die Bayern eine halbe Bootslänge vor uns. Wir halsen wieder sofort, die anderen fahren weiter. Wo sind Böen, wie dreht der Wind, eher spitz oder eher stumpf fahren? Der Wind meint es gut mit uns. Mit drei Bootslängen Vorsprung gewinnen wir unser letztes Rennen dieser Regatta.

Riesenfreude bei uns an Bord. So konnten wir den anderen doch noch mal zeigen, was wir draufhaben! Mit einem wackeren 13. Platz von 18 Teams viel Spaß und Sonnenbrand beenden wir die erste Runde der Segelbundesliga.

Am Vortag bei der allgemeinen Feedbackrunde meinte Oliver Schwall als Vertreter der Konzeptwerft bereits, dass es schwer für die nächsten Vereine sei, diese Veranstaltung zu toppen, da alles so prima funktioniert habe. Dem kann ich durchaus zustimmen. Obwohl, von der seglerischen Seite aus gesehen… wenn wir vor der nächsten Regatta in der jeweiligen Teamkonstellation hart trainieren, klappt es vielleicht ja sogar, mal ein ganzes Rennen vor Schümi zu beenden. Und nicht nur an einer Tonne vor ihm zu sein.

Höhepunkt Jugend WM

Maike Christiansen hat auf dem IF-Boot der Eltern das Segeln gelernt, ist 2002 in den MSC eingetreten und qualifizierte sich 2006 für die IDJüM im Optimist. Als Vorschoter ihrer ein Jahr älteren Schwester Svenja 420er segelte sie im Hamburger Kader und bei diversen Deutschen Meisterschaften. Höhepunkt war 2009 der Sieg bei der ISAF-WM Qualifikation für Brasilien, bei das Team aber zur Hälfte wegen einer Krankeit ausfiel.

Nach der 420er WM am Gardasee stieg Christiansen aus dem 420er und dem Leistungssport aus. Sie engagierte sich als Trainerin und probierte diverse Bootsklassen. Zurzeit segelt sie in einem SB20-Team.

Die Mannschaft Benjamin Ahlers, David Börner und Pauline Schröder sind ebenfalls Opti und 420er für den MSC auf Landeskaderniveau gesegelt und 2011 ausgestiegen.

12 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Die Erlebnisse des MSC Jugend-Teams“

  1. avatar Ich hätte da mal eine Frage sagt:

    Zitat: “Zusammen gesegelt sind wir noch nie. Drei Viertel des Teams hat seit über einem Jahr nicht mehr auf einem Boot gesessen.” Höfliche Frage: Wir reden hier aber schon noch von der deutschen Segelbundesliga, oder? Trotzdem Glückwunsch zu den gewonnenen Läufen!

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    • avatar WTF? sagt:

      Was willst du mit diesem Kommentar aussagen?

      Hätte deiner Meinung nach…
      … ein anderer Verein starten sollen,
      … ein anderes Team für den MSC starten sollen,
      … oder weniger Vereine zugelassen werden sollen?

      Wäre schön wenn dieses von Neid geprägte unkonstruktive Herumgemosere mal ein Ende haben könnte. Jeder Kritiker sollte sich selbst zunächst einmal fragen, ob er das gleiche schreiben würde, wenn er selbst teilnehmen dürfte und ob seine Jammerei auch einen Funken Konstruktives enthält.

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      • avatar Ich hätte da mal eine Frage sagt:

        Neid, jammern, mosern, unkonstruktiv sein? Entspannen Sie sich, daß macht doch gar keiner. Toll das der MSC eine Bundesliga-Mannschaft stellt. Toll, daß Maike und Team Läufe gewonnen haben! Wirklich Glückwunsch! Die Trainingsaspekt hinter einem Bunsdesliga-Verein haben Sie entweder nicht verstanden, oder vergessen zu adressieren. Ich denke mein Kommentar ist an der Stelle selbsterklärend. Ende.

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    • avatar Ich hätte da mal ne Antwort. sagt:

      Das das nur ne Zirkusnummer wird, war eigentlich von Anfang an klar, oder?!

      Ein gesponsortes Treffen, wo im Laufe der Zeit nicht viel Qualitatives übrig bleiben wird, wenn der Anfangskick weg ist und einem die Zeit zu schade wird mit zusammengewürftelten Trupps ein paar Mal im Jahr einen Ausflug auf ein Binnenrevier Oldietreffen zu machen. Kein Modell mit Zukunft.

      Das endet in zwei, drei Jahren mit dem Anreisen der vierten Mannschaft.

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      • avatar matthias pape sagt:

        Totgeredet wurden schon viele Projekte. Dieses könnte es schaffen.In der Fussballliga laufen auf Mannschaften mit deutlichem Trainingsrückstand rum.

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  2. avatar o_O sagt:

    sehr schön geschriebener bericht!

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  3. avatar curiosity_killed_the_cat sagt:

    Gibs Frau Christiansen auch mal von vorn? …schräg von vorn würde auch reichen 😉

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  4. avatar Grit sagt:

    Die Segel Bundesliga ist eine tolle Sache und wird sich hoffentlich etablieren. Wie alle wissen, war dies das erste event, Anlaufschwierigkeiten sind normal. Dem MSC Team ist absolut bewusst, dass natürlich Erfolg auch durch Training kommt. Für Starnberg fehlte einfach die Zeit.
    Und dass ¾ des Teams letztes Jahr nicht auf einem Boot gesessen hat, ist ja gerade das Problem, vor dem junge Segler stehen: Zeit ist knapp (Abi, Ausbildung, Studium) und die Perspektiven nach den Jugendbooten begrenzt. Wo bleiben denn all die Talente, wenn sie sich nicht für eine Olympiakampagne entscheiden???
    Da kommt doch die Bundesliga wie gerufen: Boote werden gestellt und man kann sich mit den Besten messen. Mannschaften können zu den einzelnen Regatten unterschiedlich sein, denn wer will / kann schon entscheiden, welches die 4 besten Segler des jeweiligen Vereins sind…
    Unsere Segler freuen sich jedenfalls auf die nächsten Rennen und sollte jemand ne J70 über haben, nehmen wir sie gern – dann wird es auch mit dem Trainieren einfacher. 🙂
    Mit freundlichem Gruß Grit

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  5. Moin Moin,

    netter Bericht, die Segelbundesliga ist eine Idee, die sich hoffentlich durchsetzt, leider im ersten Jahr ohne große qualifikation aber das soll sich ja ändern, bei manchen Ideen, muss man denke ich auch erstmal anfangen und die Vernastlatung im Laufe der Zeit verbessern.

    Wenn es um Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschland geht, gibt es in Plön durchaus die Möglichkeit auf identischen 4-Mann Booten für kurz-Rennen zu trainieren. Wenn dieses Thema für Euch intressant ist, könnt Ihr Euch gerne per Mail an mich wenden.

    Beste Grüße

    Lars Hückstädt

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  6. avatar hans m. sagt:

    habt ihr in der Fussball-Bundesliga schon mal ne Mannschaft spielen sehen, die noch nie mit einander gespielt hat – und deren Spieler seit einem Jahr nicht mehr auf einem Platz waren???
    Was ist das für eine “Bundesliga”?
    Da bin ich ja völlig überqualifiziert, denn ich war heuer schon mal auf nem Boot und beim Segeln…

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