Segel-Bundesliga: Entscheidung per Video-Beweis – Final-Drama beim NRV

Sieger der Herzen

Das Rupenhorn hupt und hupt. Die Underdogs von der Unterhavel können es nicht glauben. Der Klub am Rupenhorn hat den fünften Segel-Bundesliga-Spieltag gewonnen. Oder doch nicht?

Der Klub am Rupenhorn durfte sich erst freuen, dann wieder nicht, und zuletzt dann doch. © DSBL/Lars Wehrmann

Paul Ost, Katharina Guttenberg,  Felix Piechowiak und Florian Schlitter liegen sich schon beim Zieleinlauf des letzten Rennens in den Armen. Sie hüpfen den Tanz der Sieger auf ihrer J/70. Der Platz auf dem Podium gesichert. Es ist der größte Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte und verschafft etwas Luft im Abstiegskampf vor dem Finale in Hamburg.

Aber es kann noch besser kommen. Sie müssen an Land noch warten, was die Gegner bei den folgenden beiden Rennen des fünften Segel-Bundesliga-Spieltages in Kiel ersegeln. Und wieder tönt das Horn, das sie immer im Gepäck haben. Denn auf den letzten Metern des letzten Laufes verliert der Bayerische Yacht-Club das Duell gegen die Warnemünder.  Damit liegt Rupenhorn nach 16 Rennen auf der Kieler Innenförde vorne.

Nach den bisherigen Saison-Plätzen 11/17/6/15 und dem drohenden Abstieg ist das die absolute Sensation. Die Sieger-Interviews werden schon geführt.

Sieger-Interview mit Rupenhorn…

Die Tabelle manifestiert den Sieg.

So sah es schon aus…

Und dann…Ein Protest muss noch verhandelt werden. Es geht um eine Frühstart-Disqualifikation der Bremer von der SKWB am Vortag. Bisher war keine Zeit für die Verhandlung. Gordon Nickel, der noch in der Vorwoche am Steuer der “OneSpirit” den Deutschen ORC-Meister-Titel gefeiert hatte, war irritiert über den DQ, da er sich eigentlich bereinigt hatte.

Das Problem: Beim Spieltag zuvor in Berlin war der Tracker als Beweismittel nicht zugelassen worden. Ausgerechnet der Klub am Rupenhorn hatte in einer Verhandlung sogar mit Screenshots der Live-Videoübertragung eine Frühstart-Bereinigung nachweisen wollen. Taktiker Felix Schlitter erzählt, dass aber die Jury in diesem Fall keinen Video-Beweis zugelassen habe.

Nun müssen die Berliner vom kleinen 230-Mitglieder-Club am Stößensee ertragen, dass die SKWB in dem einen Rennen vom Samstag wieder vor ihnen eingesetzt wird. So wie es auch der WYC vom Bodensee in einem anderen Rennen geschafft hatte. Es ist nur ein zusätzlicher Punkt auf dem Konto,  aber der macht den Unterschied zwischen Platz eins und drei aus.

Was für Emotionen. Erst feiern über den finalen Rennsieg, dann sogar über den Gesamtsieg, schließlich ärgern über die späte Zurückstufung und dann doch feiern über einen grandiosen dritten Platz. Sicher ist: An diesem Tag in Kiel sind die Berliner die Sieger der Herzen

Das SR-Interview:

Möglich wurde diese spezielle Dramaturgie erst durch eine ungewohnte Entwicklung im letzten Rennen. Der NRV – erstmals in der Saison mit Johann Kohlhoff auf der Taktik-Position – hatte gute Chancen diesen Spieltag zu gewinnen, erwischte dann aber ein rabenschwarzes letztes Rennen.

Nach einer mühsamen ersten Phase mit später Aufholjagd waren die Hamburger an der letzten Luvtonne wieder dran, bekamen dann aber einen Strafkreis aufgebrummt, der sie auf den letzten Platz im Rennen und damit in der Gesamtwertung auf Rang fünf zurückfallen ließ.

Tobi Schadewaldt hütete sich, die Entscheidung zu kritisieren. Aber das Video zeigt, das es durchaus Interpretations-Spielraum gibt. Die Düsseldorf segelten offenbar mit Überhöhe und offenen Segeln. Das ließe eigentlich Platz für das NRV-Manöver. Aber vielleicht ging es den Schiedsrichtern auch um eine zu knappe Wende.

Die entscheidende Penalty-Situation für den NRV:

Tobi Schadewaldt erklärt das Malheur:

Vor diesem Hintergrund ging der Triumph des Bayerischen Yacht-Clubs fast unter, der schließlich den Spieltag in Kiel auf Umwegen mit einem Punkt Vorsprung gewann. Der ehemalige Optimist-Weltmeister Julian Autenrieth war immer mal wieder beim BYC als Taktiker und Steuermann im Einsatz, aber so gut wie mit Nic Corsie, Raoul Heraeus und Faidon Kounas lief es noch nie.

authenrieth, Wagner

Julian Autenrieth am Mikrofon. Links neben ihm 470er Steuermann Jasper Wagner, mit dem er bei der WM in Aarhus antrat. © DSBL/Lars Wehrmann

Mit diesem Ergebnis schiebt sich der Bayerische Yacht-Club sogar auf der Gesamtliste wieder in Schlagdistanz zum NRV. Es fehlen vor dem Saisonfinale nur noch sieben Punkte. Der Verlauf der vergangenen Jahre zeigt, dass man sich auf einem solchen Polster nicht ausruhen kann.

Autenrieth äußerte sich auf dem Podium mitfühlend über die Rupenhorner, aber er freute sich auch darüber, dass er zusammen mit seinem Kumpel Jasper Wagner auf dem Treppchen feiern durfte.

In dieser Saison segelte er bei dem Berliner an der 470er-Vorschot und versuchte einen verspäteten Olympia-Anlauf. Nach Rang 48 bei der WM in Aarhus haben die beiden das Projekt beendet, aber offenbar mächtig Schub für die Bundesliga mitgenommen.

Denn auch Wagner segelte in Kiel stark. Zusammen mit dem besten deutschen Finnsegler Philipp Kasüske als Taktiker sorgte er mit Rang zwei für das beste deutsche Saison-Ergebnis des VSaW punktgleich mit den Rupenhornern und dem Champions-League Dritten vom WVH in Bremen auf dem undankbaren vierten Platz. Hemelingen schiebt sich damit in der Gesamtwertung aber von Rang fünf auf drei auf die Champions-League-Plätze. Die Württemberger behaupten punktgleich den vierten internationalen Platz.

Vorentscheidung beim Abstieg

In der unteren Tabellen-Hälfte ist der Abstieg des Linauer Segler-Clubs besiegelt. Die Bayern waren personell nicht auf den Abschied ihrer Top-Crew um Veit Hemmeter nicht vorbereitet, der inzwischen für den Bayerischen Yacht-Club segelt. Sie wurden bisher mit nur einer Ausnahme immer Letzte und können rechnerisch den rettenden 14. Rang nicht mehr erreichen.

Eng wird es auch für die Aufsteiger von der Segler-Vereinigung Itzehoe, für die auch Julian Ramm mit seiner Crew den Schnitt nicht deutlich verbessern konnte. Der Rückstand zum 14. ASVW aus Warnemünde beträgt 12 Punkte. Auch der Blankeneser Segel-Club ist nach dem vorletzten Platz in Kiel in schwere Abstiegsnöte geraten und muss auf der Alster acht Punkte aufholen. Knapper dran ist der Düsseldorfer Yacht-Club, der in Berlin noch so grandios auf Platz zwei gesegelt war.

Die Rupenhorner aber können nun acht Punkte Vorsprung verteidigen. Ih Horn wird man in Hamburg beim Finale noch öfter hören. Sie haben sich nun sogar vor den Deutschen Toruing Yacht-Club geschoben für den Julian Stückl in Kiel mit Platz acht das beste Saisonergebnis einfuhr.

Crewliste Segel-Bundesliga Kiel 2018

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Segel-Bundesliga: Entscheidung per Video-Beweis – Final-Drama beim NRV“

  1. avatar JuliusJolle sagt:

    Es bleibt anzumerken, dass der WYC nach OCS ebenfalls wieder eingesetzt wurde

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