Segel-Bundesliga: Fußball-Automatismen – Ärger beim FSC nach Problemen am 3. Spieltag

"Das muss Konsequenzen haben“

Die Segel-Bundesliga ist im verflixten siebten Jahr angekommen, und so langsam übernimmt sie auch bei der Berichterstattung Automatismen vom fußballerischen Vorbild. Beim Flensburger Segel-Club hängt der Haussegen schief.

Die Einschaltquoten der Segel-Liga mögen noch ein wenig denen der Rasensportler hinterherhinken, aber die Aufmerksamkeit für den Segelsport allgemein ist gestiegen. Insbesondere in den Lokalmedien wird über das Abschneiden der jeweiligen Heim-Vereine berichtet.

Eigentlich eine schöne Entwicklung, allerdings bringt die ungewohnte Öffentlichkeit auch einen gewissen Fußball-Jargon mit, dem die Segler plötzlich ausgesetzt sind. Das mag angenehm sein, wenn gemeinsam gefeiert wird, aber nun bleiben auch Misserfolge nicht verborgen.

Segel-Bundesliga

Das FSC in Travemünde bei der Arbeit. © DSBL/ Oliver Maier

Jüngstes Beispiel ist der Flensburger Segel-Club. Der renommierte Verein aus dem hohen Norden war an den ersten beiden Spieltagen mit den Plätzen 9 und 10 unter den 18 Erstligisten ordentlich in die Saison gestartet. Aber in Travemünde wurde der FSC Letzter und rutschte in der Tabelle auf den vorläufigen Abstiegsplatz 15 ab.

Zwei Frühstart-DQs

Nun passiert es schon mal öfter im Leben eines Seglers, dass bei einer Regatta nichts klappt. Genauso lief es für den Skipper Michael Ilgenstein und sein Team beim dritten Spieltag. Der erfahrene Steuermann, der insbesondere Starboot mit olympischen Ambitionen gesegelt ist und an drei Weltmeisterschaften teilnahm, hatte 2015 den FSC schon in Travemünde auf das Liga-Treppchen gebracht, und war im Mai bei den Flautenrennen in Konstanz auf Platz zehn gelandet.

Aber diesmal wollte er einfach nicht in Schwung kommen. Zwei Frühstart-DQs in den ersten fünf Rennen ließen den Faden reißen, auch wenn sich das Team unter anderem mit einem Sieg wieder zu berappeln schien. Dann aber kippte die Serie nach zwei Penalties komplett.

Ergebnisse Travemünde

Ilgenstein, hatte im Hinblick auf die Leistung seines Sohnes, der gerade bei der Optimist-Weltmeisterschaft starker 15. geworden ist, vor den Rennen in Travemünde noch bescheiden gewitzelt, dass Talent möglicherweise schon mal eine Generation überspringt. Aber die Leistungen seiner Karriere stehen außer Frage.

“Total frustrierend”

Das scheinen allerdings nicht alle Beteiligten so zu sehen. Im Flensburger Tageblatt ist ein Artikel erschienen, in dem Vorstandsmitglied und Regattaobmann Claus-Otto Hansen zitiert wird: “So kann sich der FSC in der Bundesliga nicht präsentieren. Das muss Konsequenzen haben.”

Solche radikalen Äußerungen von Funktionären über ihre Sportler sind neu und ungewohnt. Ilgenstein hatte beim Tageblatt noch erklärt: „Vieles ist gegen uns gelaufen. So ein Ergebnis muss man erst einmal verkraften. Das ist total frustrierend.” Und man kann sich vorstellen, wie enttäuschend diese Niederlage war.

Aber Rückhalt vom DSV-Vizepräsidenten kann er mit seinem Team offenbar nicht erwarten. Der kündigte in dem Artikel an, dass man sich nun um Steuermann Jan Hauke Erichsen bemühen solle, der den Tabellen-Zehnten vom Vorjahr am ersten Spieltag auf Platz neun geführt hatte.

Ob das dann die Lösung ist, muss sich noch zeigen. Aber an solche Fußball-Automatismen muss man sich wohl gewöhnen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

18 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Fußball-Automatismen – Ärger beim FSC nach Problemen am 3. Spieltag“

  1. avatar Björn sagt:

    Ich finde auch VizeDSVvorsitzende sollten, für unverschämte Wutworte der Presse gegenüber, ihren Ehrenmitgliedsstatus vorübergehen aberkannt bekommen.
    Nach einer freundlichen Entschuldigung und nem netten Danke, das die Crew mit Einsatz für den Verein dabei ist, kann man den Korken geputzt ja wieder ins Regal legen.

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    • avatar Roar sagt:

      Ich vermute, dass der Verein 100.000 EUR (oder mehr) in die BuLi-Segelei investiert hat, um das Ansehen des Vereins zu steigern.

      Dafür darf er dann auch Leistung erwarten und ggf das segelnde Personal austauschen, wenn die erhofften Ergebnisse ausbleiben. Schliesslich soll sich die Investition ja lohnen.

      Ein Hoeness äussert sich im übrigen ähnlich, wenn die Leistung auf dem Platz nicht stimmt.

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      • avatar Björn sagt:

        Ich vermute ein e.V. finanziert so ein Abenteuer aus steuerlich abgesetzten Spenden. Ich meine man kann, wenn schon zum Teil auf Kosten der Allgemeinheit rumgesegelt wird, auch nett und freundlich miteinander und übereinander reden.
        Das sind quasi die entgangenen Steuern, denken kann man sich dann das was da in die Zeitung mußte.

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  2. avatar Torsten sagt:

    Beim Segeln nicht unbekannt: Manchmal läuft es, manchmal nicht. Der Fußball-Jargon war offenbar von den Erfindern dieser Regattaserie so gewollt: Bundesliga, Meisterschale, Spieltag. Wobei ich besonders den “Spieltag” als Begriff fürs Segeln unpassend finde. Denn es finden ja keine Spiele statt, bei denen ein Ball hin- und her und auf Tore geschossen wird, sondern Wettfahrten, bei denen es darum geht, möglichst schnell und als erster das Ziel zu erreichen.

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  3. avatar Detlef sagt:

    Bei so einem Ton verliert man die Lust, sich das anzugucken. Bzw. auf den DSV.

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    • avatar Horrido sagt:

      Stimmt, aber was hat das mit dem DSV zu tun. CO Hansen ist dort zwar Vizepräsident, und für schnelles und wenig durchdachtes Rumpoltern bekannt (muss man ja auch nicht wiederwählen), aber hier äußert er sich wohl für und über seinen Club.

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  4. avatar Detelf sagt:

    Selbst Mitbegründer der zweiten Stunde, ziehe ich das Fazit, völlig ungeignet um den Segelsport insgesamt zu fördern. Dringend benötigte Gelder von Unterstützern gehen in den Vereinen an der Kinder- und Jugendarbeit vorbei. Der Nachwuchs setzt sich in ein gesponsortes Boot, erhält gesponsorte Teamkleidung, gesponsortes Gefährt, Unterkunft, etc. Es ist nicht mehr nötig sich selbst zu kümmern, sich in einer Klasse zu etbalieren, etc. Der DSV muss aufhören solchen “Spielunsinn” zu unterstützen. Es ist dringend notwendig die Jugend in der Breite zu fördern und anschließend besonders Talente in den vorolympischen und olympischen Klassen. Wo jetzt sichtbar kein Geld vom DSV ausgegeben wird, Dank Spielerei in Liga und M2S. Leute aufwachen!!!

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    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Genau so. Thumbs up, nichts hinzu zu fügen.

      Allerdings denke ich manchmal, das ist einfach Zeitgeist. Spaß haben, benutzen, ablegen, vergessen. Ein gutes Beispiel: neuerdings liegen hier in HH überall diese albernen E-Roller rum. Hingeschmissen, ausgebraucht, kost’ ja nix.

      Es muss ja nicht gleich ein Holzboot sein, aber eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und Ideale würde dem Segelsport (in der Breite!) schon gut tun. Die Liga befördert das leider nicht.

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      • avatar Roar sagt:

        Bei Andreas stehen Worte und Taten leider nicht im Einklang.

        Hier im Forum wird die BuLi in Frage gestellt.

        Wenn es darum geht, bei den HSC-Regatten gute Platzungen zu erzielen, greift man jedoch gern auf die BuLi-Segler zurück.

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  5. avatar Seemöwe sagt:

    Warum kein Artikel über die Deutsche Meisterschaft in der J70? Bist du doch auch mitgesegelt

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  6. avatar Björn sagt:

    Schreib doch selbst einen und frag ob er hier veröffentlicht wird. Dann steht auch das drinnen was Du lesen möchtest.

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  7. avatar Ricardo sagt:

    Hallo zusammen,
    die Frage ist doch, ob die Segler vom Verein bezahlt werden. Dann hat der Vorstand als Arbeitgeber das Recht, Leistung einzufordern und Konsequenzen anzudrohen.
    Wird die Leistung aber ehrenamtlich erbracht (dass Bekleidung, Reise und Unterkunft bezahlt werden ist selbstverständlich), liegt es am Verein durch Verbesserung der Ausbildungsstrukturen dafür zu sorgen, dass sich sein Team qualitativ weiterentwickelt. Da ist es wenig hilfreich, wenn ein Vorstand, der selbst sicherlich nicht auf diesem Niveau in der Bundesliga mitsegeln könnte, seine Clubkameraden kritisiert.
    Ich denke, hier ist der Unterschied zum Fußball einfach noch riesig. Segelmillionäre gibt es in Deutschland meines Wissens nach noch keine. Damit hinkt der Vergleich mit Uli Hoenes ein wenig…
    Die Liga selbst ist eine tolle Sache. Das erste Mal gibt es eine Vereinsidentität stiftende und den Nachwuchs begeisternde Regattaserie, die den Vereinen hilft, insbesondere die Lücke zwischen Jugend- und Erwachsenensegeln zu schliessen. Früher waren die 20jährigen nach der Jugendausbildung häufig weg. Heute bleiben sie dem Verein verbunden und erhalten – solange sie nicht von vorlauten Funktionären vergrault werden!

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    • avatar Captain Ahab sagt:

      die Vereine die da mitmachen die halten diese Junioren doch nicht, sondern sie erkaufen sie teuer !
      die spielen doch da nur rum weil alles hingestellt wird für lau…
      schon bitter das anscheinend niemand mehr bereit ist mehr zu tun und ernsthaften Einsatz zu zeigen und mit eigenem Boot in
      Klassen passend für das jeweilige Niveau bzw körperliche Voraussetzung zu segeln und sich zu messen.
      Anscheinend ist aber nur noch der Weg das Ziel.

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  8. avatar Roar sagt:

    “die Frage ist doch, ob die Segler vom Verein bezahlt werden.”

    Die Segler, denen eine J/70 zur Verfügung gestellt wird, erlangen dadurch einen geldwerten Vorteil.
    Sie sparen nämlich das Geld für ein eignes Boot. Meldegeld, Hin- und Rückreisekosten und sogar die Klamotten bezahlt ihnen der Verein.

    Da kommen also immmense Summen zustande, die der Vorstand gegenüber den anderen Vereinsmitgliedern nur dann rechtfertigen kann, wenn die erbrachte Leistung stimmt.

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    • avatar Captain Ahab sagt:

      wirklich bitter wie viel Etats hier bundesweit von Clubs für den Jux verballert werden die deutlich besser in einer Verbesserung der Jugendarbeit und im Leistungsbereich der Clubs aufgehoben und eingesetzt wären !

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  9. avatar Jugendarbeit = Investition sagt:

    Viele Kommentare hier machen mich traurig und klingen etwas nach alten Vereinsmitgliedern, die neidisch auf etwas schauen, was es früher nicht gab: Nämlich Vereine, die Jugendarbeit fördern und Gelder zur Verfügung stellen damit eine neue Gruppen an Mitgliedern entsteht, die die zukünftige Kernstruktur in einem Verein bilden kann.

    Ich habe in einem großen Segelverein jahrelang ein Clubboot, Spritgeld, Meldegelder, Trainings, Zuschuss für Kadertraining und ich weiß nicht noch was alles bekommen. Klar hätte ich mich auch besser um das Material kümmern können, keine Frage. Aber auch wegen der guten Förderung werde ich nie wieder aus aus dem Verein austreten, auch wenn ich seit fast 10 Jahren >500km von meinem Verein entfernt wohne.

    Denkt immer 25 Jahre weiter wenn ihr den Jugendlichen etwas nicht gönnt. Vielleicht gönnen die dann euren Enkeln etwas nicht.

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    • avatar Roar sagt:

      Lustig, jetzt wird die J/70 uns auch noch als Jugendboot angepriesen.

      Die Wahrheit ist, dass nur ein ganz kleiner Kreis der Vereinsmitglieder, nämlich die besten Regattasegler die Nutzniesser dieser Boote sind.

      Die Wahrheit ist darüberhinaus, dass nur Top-Regattasegler, die oft mittels lukrativer Angebote von anderen abgeworben wurden, von den Booten profitieren.

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