Segel-Bundesliga: Kieler Doppel-Sieg – ONEKiel ein Punkt vor dem Titelgewinn

Sekt kann kalt gestellt werden

ONEKiel hat den ersten Deutschen Meistertitel in der Segel-Bundesliga so gut wie sicher. Nach dem Sieg am fünften Spieltag reicht beim Finale ein vorletzte Platz.

ONEKiel gewinnt erneut in Warnemünde und liegt überlegen an der Tabellenspitze. © DSBL / Lars Wehrmann

Darauf hatten viele Bundesliga-Segler gehofft. Endlich mal wieder bei richtig Wellengang Gas geben. Endlich die J/70 zum Surfen bringen. Endlich wieder am Limit segeln. Bei 20 Knoten auflandigem Wind ist die Regattabahn vor Warnemünde am fünften Segel-Bundesliga-Spieltag wieder ihrem Ruf als bestes deutsches Segelrevier mit Olympia-Anspruch gerecht geworden. Die bis zu 1,5 Meter hohen Wellen sorgten für anspruchsvolle Bedingungen auf der Ostsee.

Harte Bedingungen vor Warnemünde besonders am ersten Tag. © DSBL / Lars Wehrmann

Da war es kein Wunder, dass Tabellenführer ONEKiel, dessen Segler auch auf der ClubSwan 50 von Stefan Heidenreich zum Einsatz kommen, erneut zum Durchmarsch ansetzte. Das einzige Team der Liga, das mit Magnus Simon bisher nur einen einzigen Steuermann einsetzt, übernahm schon nach dem zweiten Rennen die Führung und gab sie bis zum Ende nicht mehr her.

Silas Oettinghaus von ONEKiel hat großen Spaß. © DSBL / Lars Wehrmann

Allerdings leisteten sich die Kieler nach der Serie 2/1/1/2/1/1  einen Frühstart und setzten sich damit selbst unter Druck. Vor dem finalen Renntag betrug der Vorsprung auf die nächsten Gegner WVH und BSC nur ein und zwei Punkte. Aber die nahmen durch letzte Plätze in den Auftaktrennen jeweils selber die Spannung aus dem vermeintlichen Dreikampf.

Lukas Feuerherdt kam als KiWo-Zweiter nach Warnemünde und lieferte prompt einen starken zweiten Platz für den Blankeneser Segel-Club ab. © DSBL / Lars Wehrmann

Während sich die Hamburger vom Blankeneser Segel-Club um Steuermann Lukas Feuerherdt, der schon bei der Kieler Woche in der J/70 Zweiter wurde, mit einem Sieg im letzten Rennen doch noch Platz zwei sicherte, fiel der WVH bei den leichteren östlichen Winden auf Rang sechs zurück.

Der BSC bei der Arbeit. © DSBL / Lars Wehrmann

Mit dem sechsten Sieg in 16 Rennen lag der BSC sogar einmal öfter vorne als ONEKiel. Diese Bilanz half beim Tiebreak gegenüber dem punktgleichen Württembergischen Yacht-Club vom Bodensee, der mit einer stabilen Serie Rang drei eroberte.

WYC-Steuermann Simon Diesch verpasste knapp Olympia im 470er segelt abr nun erfolgreich für seinen in der Liga. Platz 3. in Warnemünde. © DSBL / Lars Wehrmann

Simon Diesch hatte das Ruder übernommen. Der 470er-Steuermann, der denkbar knapp das Olympia-Ticket für Japan verpasst hatte, scheint sich immer mehr auch auf der J/70 wohlzufühlen. Vorbild mag der ehemalige 470er-Gegner Jan Jasper Wagner vom VSaW sein, der nach dem Ende seiner Olympia-Kampagne seit Jahren zu den besten Steuerleuten der Liga gehört und mit seinem Berliner Team die Saison 2019 dominierte. Wagner gelang in Warnemünde ein starkes Comeback am letzten Tag. Schließlich fehlte nur ein Punkt zum Podium.

Die Regattabahn vor Warnmemünde. © DSBL / Lars Wehrmann

Dahinter rangiert das junge Team vom Münchner Yacht-Club, das vor Warnemünde zusammen mit dem Bayerischen Yacht-Club ein Intensivtraining absolviert hatte. Der Coach: Kein Geringerer als Jochen Schümann. Während der BYC besonders zu Beginn der Serie bei Starkwind punktete, konnten die Münchener die Serie bis zum Ende durchziehen.

In der Tabelle kann ONEKiel nun rechnerisch nun nur noch vom Wassersport-Verein Hemelingen geschlagen werden, wenn dieser beim Finale in Berlin gewinnt und die Kieler Letzte werden. Da können die Sektflaschen schon kalt gestellt werden.

Der WVH hat dagegen vier Punkte auf den Flensburger Segel-Club gutgemacht und liegt nun fünf Punkte voraus. Das kann auf dem Wannsee noch knapp werden. Der amtierende Meister NRV hat mit Rang 14 in Warnemünde viel Boden verloren, ist aber noch auf Platz vier in den Champions League Rängen platziert.

Spannender ist die Situation beim Abstiegskampf ein Spieltag vor Schluss. Der Schlei Segel-Club liegt als 13. nur noch drei Punkte voraus. Dem Aufsteiger Mühlenberger Segel-Club ist dagegen mit Rang 9 in Warnemünde ein kleiner Befreiungsschlag gelungen. Erstmalig mit dem jungen Jakob Ahlers am Steuer – Deutscher Jüngsten Meister im Opti 2012 – und dem erfahrenen Till Krüger als Taktiker schoben sich die Aufsteiger mit ihrem besten Saisonergebnis von einem Abstiegsrang nach vorne.

Der Schlei-Segel-Club in einem Wellental. © DSBL / Lars Wehrmann

In der 2. Segel-Bundesliga geht es nicht minder spannend zu: Der Kieler Yacht-Club gewinnt erstmalig vor der zweitplatzierten Seglergemeinschaft Lohheider See aus Duisburg und der Seglervereinigung 1903 aus Berlin auf dem dritten Platz. Zum großen Finale geht es für die 36 Bundesliga-Clubs vom 21. bis 23. Oktober 2021 nach Berlin zum Verein Seglerhaus am Wannsee.

Während der Düsseldorfer Yacht-Club den großen Vorsprung ausnutzte, um dem 22-jährigen Kai-Steffen Hofmann seine erste Liga-Regatta steuern zu lassen und dieser mit Rang zehn voll im Soll blieb und damit weiterhin die Tabellenführung behauptet, hat der Hamburger Segel-Club eine Position inne, die man beim HSC überhaupt nicht mag.

Das Team von der Alster schwenkt das Statement “wir wollen eigentlich gar nicht aufsteigen” wie eine Fahne vor sich her und bekommt dadurch offenbar die nötige Lockerheit für starke Ergebnisse. eSailing-Meister Johannes Bahnsen segelte mit Rang fünf jedenfalls wieder besser als gewollt und so geht der HSC mit einem 11-Punkte-Vorsprung auf einen Nicht-Aufstieg-Platz in das Finale.

Dahinter ist es richtig knapp. Mit dem besten Saisonergebnis und dem Sieg in der 2. Segel-Bundesliga katapultiert sich der Kieler Yacht-Club erstmalig in diesem Jahr auf einen Aufstiegsplatz und ist nun nach dem Spieltag in Warnemünde Vierter. Steuermann Lasse Kaack, der gemeinsam mit Paul Arp, Jonathan Knottnerus-Meyer und Luca Leithold zu den trainingsfleißigsten der Liga gehört, meldete den KYC nach dem enttäuschenden Heimspiel (Rang 14) zurück im Aufstiegskampf.

Das junge Kieler Yacht-Club-Team steuert mit seinem 2.Liga-Sieg den Aufstieg an. © DSBL / Lars Wehrmann

Er erklärt: „Das waren unsere Bedingungen. Das Segeln ist uns leichtgefallen, wir hatten eine schwere Crew – optimal für diese Verhältnisse – und unsere Routine hat geholfen. Natürlich wollen wir aufsteigen!“ Vier Clubs teilen sich punktgleich mit dem Kieler Yacht-Club den vierten und letzten Aufstiegsplatz. In Berlin beim Finale dann sogar zu einem spannenden Neunkampf um den Aufstieg kommen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Kieler Doppel-Sieg – ONEKiel ein Punkt vor dem Titelgewinn“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Machen wir das wirklich so plakativ? 🙈
    Das ist aber auch nicht ganz korrekt. Die Position an sich gefällt sogar ausgesprochen gut.
    Da spricht eher die Sorge, nach dem Aufstieg ordentlich einen aufs Dach zu bekommen.
    In der ersten Liga müssten wir doch nochmal ne deutliche Ecke fitter werden. Auch körperlich…. Obwohl mir das mal ganz gut tun würde. 10kg mehr oder weniger sind beim esailing halt wurst…. 😏

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