Segel Bundesliga: Kieler Yacht Club vorne – Das Erfolgsgeheimnis der Aufsteiger

+++ Das sagen die Sieger +++

Der Kieler Yacht Club hat die Relegation für die Deutsche Segel-Bundesliga gewonnen. SegelReporter hat Interviews mit den ersten vier Teams und einer enttäuschten HSC Crew geführt.

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Das wohl jüngste Team vom Düsseldorfer Yacht Club schafft mit Platz fünf die Bundesliga Qualifikation. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

“Dieser verdammte Kinken in der Schot.” Max Gurgel ärgert sich. Im Nieselregen steht er vor der Halle des DHH, wo er gerade mit seinem Team vom Hamburger Segel Club für den zweiten Platz in der 2. Liga beklatscht wurde. Nach einer Feierstunde ist ihm nicht zu Mute.

Bis zum letzten von zehn Rennen liegt sein Verein klar auf Kurs 1. Liga. Vier Siege, zwei zweite Plätze. Und an der ersten Tonne des entscheidenden Laufes ist der HSC auch vorne. Dann noch ein gewonnener Zweikampf, der Gegner wird zum Strafkreis verdonnert, der Weg ist frei.

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In einem dramatischen Finale verpasst der Hamburger Segel Club knapp den Aufstieg in die 1. Liga. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Aber dieser Knoten in der Schot. Das Halsenmanöver verunglückt, der Gennaker flattert, die Gegner rutschen in Luv drüber. Platz sieben im J/80 Feld und der sicher geglaubte Bundesliga Platz ist dahin. “Bei dem konstanten Wind gab es kaum noch Überholspuren.”

 

 

[ds_preview] (Ab hier Text und Interviews für SR-Clubmitglieder)

Interview mit Max Gurgel (HSC):

Die Geschichte zeigt, wie eng Erfolg und Misserfolg bei dieser ersten Bundesliga Relegationsregatta beieinander liegen. Ein Fehler, ein Missgeschick und der begehrte Platz in der ersten Liga ist verpasst. Der HSC gehörte in der Schlussphase zu den unglücklichen Verlierern, auch wenn der insgesamt zweite siebte Platz in Glücksburg Rang zwei in der 2. Liga bedeutet. Denn die Relegation zählt schon als erste von drei Regatten zur zweiten Segel-Bundesliga.

Auf der anderen Seite der Gefühls-Skala präsentierte sich die Mannschaft des Kieler Yacht Clubs um Steuermann Martin Menzner. Die seit einigen Jahren dominierende J/80 Crew in Deutschland zahlte das Vertrauen in ihre Nominierung mit der Serie 2/5/1/1/1/1/2/2/2 zurück. “Es gab da auch Stimmen, die uns das nicht zutrauten”, sagt Menzner. Aber er empfindet es als befriedigend,  die Qualität seiner Klasse im Vergleich mit vielen der besten Segler Deutschlands zeigen zu können.

Interview mit Martin Menzner (Kieler Yacht Club, 1.):

In diesem Sinne sehen einige der Segler die Bundesliga als Bühne für den Nachweis der Qualität ihrer jeweiligen Bootsklasse. Wie schlagen sich Dickschiff-Segler in Vergleich zu Jollenseglern? Welche Mischung der Crews an Bord verspricht den größten Erfolg?

Der Sieg der Kieler ist ein Nachweis dafür, dass Erfahrung mit den J/80 und J/70 Kielbooten durchaus Sinn macht. So war unter anderem zu erkennen, dass die erfahren J/80 Segler ihre Schiffe unter Gennaker tendenziell deutlich tiefer und damit auf direkterem Kurs nach Lee brachten.

Solche Erfahrungen schadeten auch dem mehrfachen X99 Weltmeister Christian Soyka mit seiner Crew nicht dabei, den starken dritten Platz für die Seglervereinigung Itzehoe zu holen. Soyka hat 2011 sogar in der Melges 32 Profi-Liga mitgespielt und verfügt über einen Crewpool von rund 16 Leuten.

Interview mit Christian Soyka (Seglervereinigung Itzehoe, 3.):

Auch die Segelkameradschaft “Wappen von Bremen”, die für viele überraschend auf Rang vier landete mit Thomas Dehler am Steuer, dem Sohn von Kalle Dehler, profitierte von ihrer Erfahrung mit den Booten. Das Bremer Team wurde aus zwei bestehenden J/80 Mannschaften zusammengesetzt, die seit einigen Jahren ihre Schiffe auch international auf hohem Niveau segeln.

Interview mit Thomas Dehler (Segelkameradschaft “Wappen von Bremen”, 4.):

Einen anderen Zugang zum Erfolg hat der Bodensee-­Yacht-­Club Überlingen gefunden. Er tat sich früh für eine Trainingspartnerschaft mit dem Münchener Yacht Club und dem Segel-und Motorboot Club Überlingen (als 19. in 2.Liga) zusammen, und übte unter anderem intensiv am Gardasee.

Das gemischte Team mit Andreas Buchert am Rohr, dem ehemaligen Weltranglisten Vierten und Deutschen Meister (97) im Finn Dinghy, und dem Match Race erfahrenen Joseph Pochhammer segelte mit einer konstanten Serie auf Platz zwei. Auch der Münchener Yacht Club mit Kay Niederfahrenhorst am Steuer segelte mit vier Rennensiegen zum Schluss noch auf einen starken achten Platz.

2. Interview mit Andreas Buchert (Bodensee-­Yacht-­Club Überlingen):

Einen tollen Beweis für das Potenzial und die Vielfältigkeit des neuen Bundesliga Formats ist aber besonders der fünfte Platz des Düsseldorfer Yacht Clubs, der damit der letzte Aufsteiger in die erste Liga ist.

Steuermann Jan-Philipp Hoffmann, einer der besten deutschen Olympia-Segler im 470 und IDM Dritter im 505er 2013, segelte mit Julius Schrader, der vor zehn Jahren noch einer der besten deutschen Opti-Segler war,  Nils-Henning Hofmann,  (2013 IDM 3. im 420er) und dem international erfahrenen 470er Vorschoter Patrik Treichel. Die Anfang- bis Mittzwanziger dürften eines der jüngsten Teams der Liga stellen.

Große regionale Verteilung

Insgesamt ist besonders die regionale Durchmischung der Bundesliga-Mannschaften sehr bemerkenswert. Das größte Kontingent der 23 erfolgreichen Relegationsvereine kommt mit sieben Klubs aus Nordrhein-Westfalen, jeweils drei sind in Schleswig Holstein, Berlin und Baden Württemberg zu Hause. Zwei Teams segeln in Bayern, Bremen und Mecklenburg Vorpommern. Ein Teams stammt aus Hamburg.

Diese Verteilung entspricht zeigt die Dimension der nicht für möglich gehaltene Entwicklung der Liga, die jetzt auch in Dänemark, Holland und Österreich zum Vorbild genomen wird.

Besonders vielversprechend sind die Aussagen vieler Segler, dass es hinter den Teams oft zahlreiche weitere Segler stehen, die an einem Trainingsbetrieb im Verein interessiert sind. Bisher ist es ein großes System Problem, dass nach einer erfolgreichen und viel geförderten Jugendzeit viele Segler mangels Spielfeld auf der Strecke bleiben. Die Viermann Kielboote welchen Typs auch immer könnten dies Lücke schließen.

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Der Duisburger Segel-Club platziert mit Rang 20 den Sprung in die zweite Liga. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die jetzt 37 ausgeschiedenen Vereine am Ball bleiben. Möglicherweise besteht sogar Bedarf für eine Liga Stufe unter der zweiten Liga. Vielleicht macht es Sinn, dass die Vereine selber einen Spielbetrieb auf dieser Ebene organisieren.

Wie auch immer. In Glücksburg war die Euphorie bei allen Seglern zu spüren. Die beim DHH von allen Beteiligten perfekt organisierte Mammut-Veranstaltung war eine Werbung für den verbindenden Charakter des Segelsports.

Zuschauer kamen zwar nicht auf ihre Kosten, weil die Rennen zu weit entfernt von Land bei kaltem Nebelwetter stattfanden, aber dafür war diese Regatta auch nicht gedacht. Es ging um das Miteinander der Segler verschiedensten Alters und Herkunft und die schönen Geschichten von der Basis wie in Paderborn, wo sogar der WDR die Vorbereitung verfolgte.

Wenn solcher Enthusiasmus beibehalten werden kann, kann der Segelsport einen Aufschwung erleben, den bisher niemand für möglich gehalten hätte. Besser kann der Sport nicht gefeiert werden.

Ergebnisse Bundesliga Relegation 2014 Glücksburg

Aktueller Stand 2. Bundesliaga nach erster Regatta

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Segel Bundesliga: Kieler Yacht Club vorne – Das Erfolgsgeheimnis der Aufsteiger“

  1. avatar andreas borrink sagt:

    Mann, war das spannend! Klasse Berichte vom SR, schöne Interviews.

    Superschade für Max Gurgel und sein Team. Trotzdem Respekt, ein tolles Ergebnis in so einer großen Flotte. Jetzt heisst es eben Daumen drücken für den schnellen Aufstieg!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  2. avatar Lakesailor sagt:

    Also Hut ab vor dem ORGA Team. Ein Riesenaufwand, aber das Format kommt an, wie man in allen Kommentaren hört. Die Bundesliga hat seglerisches Neuland betreten und auch im letzten Jahr war das Ganze bei den Aktiven ein voller Erfolg. Jetzt werden die Messer für die nächsten Regatten gewetzt, und trotzdem liefen schon letztes Jahr die Rennen sehr fair ab. Freue mich schon auf die kommenden Rennen mit Liveübertragungen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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