Segel-Bundesliga Wannsee: Berlin vor Bayern und Bodensee – Grotelüschen siegt für Lübeck

Neue Sieger

Der fünfte Spieltag der Segel-Bundesliga in Berlin brachte neue Sieger hervor. Der Berliner Yacht-Club dominierte auf dem Heimrevier und Simon Grotelüschen in der zweiten Liga.

Das Podium am Wannsee. Berlin vor Bayern und dem Bodensee. © Lars Wehrmann/DSBL

Das Podium am Wannsee. Berlin vor Bayern und dem Bodensee. © Lars Wehrmann/DSBL

Die Segel-Bundesliga hat auf dem Wannsee wieder einmal gezeigt, wie vielfältig und eng es an der  Spitze zugeht. In beiden Ligen standen gleich fünf Vereine auf dem Podium, die sich noch nicht im Sektspritzen üben durften.

Allen voran segelte der Berliner Yacht-Club mit Max Nickel, Sven Rüggesiek, Heiner Wilkens und Philip Raabe, auf dem Heimrevier eine unglaublich konstante Serie. In 14 Rennen gelang ihnen nur ein Sieg, dafür aber sieben zweite Plätze.

Damit bestätigen die Berliner die Konstanz, die sie auch über die gesamte Saison zeigen. Das Erfolgsgeheimnis ist eine homogene Mannschaft, die regelmäßig mit Coach Jörg Saeger trainiert, J/70 Klassenregatten segelt und vom Team Manager Jens Kuphal zusammengehalten wird.

Mit dem Ergebnis auf dem Heimrevier  haben sich die Berliner sogar auf den zweiten Tabellenplatz katapultiert. Nur in Kiel gab es mit Rang 14 einen Rückschlag. Aber außer dem Deutschen Touring Yacht Club hatten bisher alle Spitzenteams bei den bisher fünf Regatten zumindest ein zweistelliges Ergebnis zu verzeichnen.

Auch für die Bayern  schien sich eine solche Situation anzubahnen. Julian Stückl am Steuer lag mit seinen Mannen nach fünf Flights auf Rang 13. Aber die Kombination mit Taktiker Maximilian Weiss, der den DTYC in Kiel und Warnemünde auf Rang vier und drei gesteuert hatte, funktionierte erst am zweiten Tag besser.

Der Tabellenführer schob sich noch bis auf Rang zwei nach vorne und liegt damit in der Gesamtwertung schon 15 Punkte in Führung. Damit können die Starnberger schon nach dem nächsten Spieltag am Bodensee vorzeitig als Sieger feststehen.

Der dritte Platz auf dem Podium gehört den Aufsteigern vom Segel- und Motorboot Club Überlingen mit dem 21-jährigen ex 470er Steuermann Steffen Hessberger, der mit dem SMCÜ-Team schon im Januar beim J/70 Klassenevent in Monaco einen Sieg landen konnte.

Die Männer vom Bodensee hatten mit Rang drei schon nicht mehr gerechnet, als das Heimteam vom VSaW mit den Kadelbach-Brüdern das letzte Rennen auf Rang zwei beendeten. Es war der einzige Lauf des 15. Flights vor dem Ablauf des Zeitlimits um 15 Uhr am Sonntag. Somit bekamen die nicht segelnden Teams für dieses Rennen ein Punktemittel zugesprochen, und demnach schien der VSaW vorne zu liegen.

Aber die wenigsten bedachten, dass sich mit dem Gesamtmittelwert auch die Punktzahl im neunten Rennen der Berliner veränderte, für dass sie als Wiedergutmachung wegen eines Schadens einen Durchschnittswert aller Rennen erhalten hatten. So rutschte der VSaW nach anfänglich drückender Überlegenheit noch punktgleich auf Platz vier ab und hielt den NRV nur um 0,21 Punkte hinter sich.

Der Hamburger Steuermann Johannes Polgar bestätigte mit einem starken Finish die Ambitionen des Meisters als Champions League Anwärter. Dafür reichte der solide fünfte Rang, denn die direkte Konkurrenz aus dem Norden erwischte ein rabenschwarzes Wochenende.

Allen voran der Flensburger Segel-Club, der zuvor als einziger Verein dem DTYC Paroli bieten konnte im Kampf um den Meistertitel. Der FSC stellte erstmalig eine komplett neue Crew auf um 49er Weltklassesegler Lennart Briesenik Pudenz. Mit Rang 15 verloren sie viel Boden in der Gesamtwertung, kämpfen als punktgleiche vierte aber immer noch um den Vize-Titel.

Hart erwischte es auch den Kieler Yacht-Club, für den in dieser Saison erstmals Sönke Boy am Steuer und Taktiker Markus Baur zum Einsatz kamen. Platz elf in Berlin ließ sie in der Gesamtwertung auf dem fünften Rang abrutschen.

Ergebnisse Berlin erste Liga

Tabelle erste Liga

Crewliste 1. Liga

Zweite Liga

Auch in der zweiten Liga führten die stark drehenden Winde auf dem Wannsee für eine ordentliche Durchmischung an der Spitze. Sehr gut kam auf Anhieb Simon Grotelüschen mit den Bedingungen zurecht.

Einen Einsatz hatte der Olympia-Sechste von London schon für den Lübecker Yacht-Club in der vergangenen Saison absolviert, als der LYC noch in der ersten Liga spielte. Nach gemischtem Erfolg hat er sich diesmal offenbar besser vorbereitet und mit seinem sehr jungen Team Malte Student (ex Deutscher Opti Vizemeister), Abiturient Niclas Kath (29er) und Arne Holweg (F18) überlegen die Regatta mit acht Punkten Vorsprung gewonnen. Damit liegen die Lübecker, die inzwischen auch über eine clubeigene J/70 verfügen vor dem Finale am Bodensee nur noch zwei Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernt.

Auf Platz zwei in Berlin segelte 505er Weltmeister Claas Lehmann, der nach bisher frustrierenden Erlebnissen für den Blankeneser Segel-Club in der Liga sein Potenzial zeigte. Als hilfreich erwies sich dabei besonders der Ersteinsatz von Leif Tom Loose als Taktiker. Loose segelt seit vielen Jahren erfolgreich in der Bog Boat Szene als Steuermann, Taktiker und Großtrimmer.

Sehr zufrieden mit Rang drei vor heimischem Publikum war auch Martin Metzing mit seinem Potsdamer Yacht Club Team. Der Match Racer hat sich sehr über seinen zehnten Platz in Travemünde, konnte jetzt aber abliefern und den Verein vorerst aus der Abstiegszone führen.

Die Tabellenführer aus Lindau zeigten ungewohnte Schwächen mit Rang neun, bleiben aber solide in Führung. Dafür schob sich der Hamburger Segel-Club auf den zweiten Aufstiegsplatz vor den Bayerischen Yacht Club. Silke Basedow (ex Hahlbrock) schien nach ihrem Sieg in Starnberg erst einmal unter die Räder zu kommen als der HSC auf Rang 13 lag. Aber dann legte sie eine Serie von vier ersten Plätzen nach und segelte bis auf Platz fünf vor.

Ein ähnliches Kunststück gelang dem Akademischen Segelverein Warnemünde, der zum Abschluss vier Rennen gewann und gesamt Vierter wurde. Der Crew um Ixylon Segler Alexander Wilsch gelang plötzlich alles und nun hat sie als Gesamt-Sechste sogar noch eine theoretische Aufstiegschance.

Extrem stark segelte auch die Entdecker und Seefahrer Fördervereinigung, für die erneut der ehemalige 505er Segler Dietrich Scheder an der Pinne zum Einsatz kam. Beim Auftakt in Starnberg war das Quartett noch chancenlos letzter geworden, diesmal lag es zeitweise auf Siegkurs mit vier ersten Plätzen.

Dann zog sich im zehnten Rennen der Spifallknoten oben in die Mastrolle, und das Tuch konnte nicht mehr geborgen werden. Das Team wunderte sich über die nicht gegebene Wiedergutmachung und legte gleich weitere sieben Punkte nach mit einem DNF, als es einen Penalty an der Ziellinie nicht ordnungsgemäß bereinigte. So rutschte es auf Rang acht ab und steht damit immer noch auf einem Abstiegsplatz.

Der nächste Bundesliga Spieltag findet vom 25. bis 27. September am Bodensee in Überlingen statt. Für die zweite Liga ist das schon das Finale. Die erste Liga beendet die Saison vom 29. bis 31.10 in Hamburg. Zwischendurch starten der NRV, DTYC und VSaW bei der Champions League in Sardinien (18. – 20.9.)

Ergebnisse Berlin zweite Liga

Tabelle zweite Liga

Die Rennen im Tracker

Crewliste zweite Liga

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *