Segel-Bundesliga: Zwei Bremer Teams auf dem Podium – Schlei Segel-Club gewinnt 2. Liga

Bremer Duell in Bayern

Der Norden dominiert am zweiten Spieltag der Segel-Bundesliga im Süden. Die Bremer vom WVH siegen vor Chiemsee und der SKWB und übernehmen die Tabellenführung.

Der zweite Spieltag der Segelbundesliga hat eine Stärke des Kurzrennen-Formats gezeigt, die sonst nicht so oft zum Tragen kommt. Die auf maximal 20 Minuten angesetzten Wettkämpfe, die oft kaum länger als 10 Minuten dauern, können bei Bedingungen stattfinden, die normalerweise keine Segelregatten zulassen.

An den drei Tagen am Starnberger See wäre bei den üblichen langen Klassenregatta-Kursen nur ein Bruchteil der Wettkämpfe über die Bühne gegangen. Im Einfluss starker Gewitter-Zellen drehte der Wind zu stark, als dass man ein faires einstündiges Rennen hätte segeln lassen können. Aber verteilt auf Liga-Kurs-Häppchen in Verbindung mit entscheidungsfreudigen Wettfahrtleitern wie Wolfgang Stückl (1. Liga) und Anderl Denecke (2. Liga) bekommt man in den Sechser-Flotten auch bei marginalen Bedingungen 63 Rennen zusammen.

Für die Leistung der Segler macht es dabei wenig aus, aus welchen Gebieten in Deutschland sie stammen. Niemand von den Nordlichtern hat ausschließlich an der See das Segeln gelernt. Und niemand von ihnen bereitet sich an der Küste bei Wind und Wellengang auf die Liga-Reviere vor. Wer hierzulande bei diesem Sport Leistung bringt, hat zuvor auf Baggerlöchern, Talsperren, den Bayerischen Seen oder der Alster ähnliche Fähigkeiten gezeigt. Und bei ablandigem Wind nahe unter Land in Kiel, Flensburg oder Travemünde bildet die Tugenden aus, die an diesem Wochenende in Starnberg gefragt waren: Geduld und Aufmerksamkeit.

Auch ein Heimvorteil macht im Liga-Format wenig aus, da die spezifischen lokalen Einflüsse bei den kurzen Kursen nicht zur Entfaltung kommen. Das Gewicht liegt eher auf der Start-Leistung und dem kurzfristigen “Lesen” der Bahn mit ihren Böenstrichen.

Training auf dem Mikro-Revier

Beim zweiten Spieltag der Segel-Bundesliga am Starnberger See ist das besonders den beiden Bremer Teams gut gelungen, die teilweise auf Mikro-Revieren wie einem Weser-Arm trainieren.( Meldung bei Sail24.com). Aber auch Leopold Fricke vom Chiemsee Yacht-Club hat mit Rang zwei erneut bewiesen, dass er mit seinem Team zu den Großen der Liga gehört. Insbesondere bei leichtem, drehendem Wind ist er immer für das Treppchen gut.

Das Siegerteam vom WVH am Starnberger See. © Lars Wehrmann / DSBL

Aber die Bayern gehörten schon häufig nach den ersten Spieltagen zu Titelanwärtern in der Liga, konnten die Leistung dann aber nicht so richtig halten. In dieser Saison ist erneut  Drachen-Legende Vincent Hösch  im CYC-Kader gelistet wie auch 49er FX Steuerfrau Tina Lutz. Beide könnten Steuer-Pflichten von Fricke übernehmen.

Im letzten von 11 Rennen verspielten die Chiemseer die Chancen auf den Sieg vor Tutzing als sie Platz fünf ersegelten. Danach kam es zum Duell zwischen den beiden Bremer Vereinen. Nur die Segelkameradschaft Wappen von Bremen hätte den Kollegen vom Wassersport-Verein Hemelingen mit einem klaren Vorsprung noch den Sieg nehmen können. So kam es schon vor dem Start zum Duell.

Das schien an der Luvtonne unentschieden auszugehen, als beide Bremer Boote die Luvtonne gleichzeitig zu rundeten. Aber eine unglückliche Winddrehung ließ die SKWB knapp die Anliegelininie verpassen und das um-die-Tonne-Quetschen mündete in einen Penalty.

Die entscheidende Luvtonnen-Szene der Bremer:

Der WVH zog vorbei, überholte schließlich noch den NRV auf der zweiten Kreuz, und damit war dem neu zusammengestellten Team mit Tjorben Wittor und Eike Martens –  frisch angereist von der Champions League in Porto Cervo Contender-Meister Markus Maisenbacher und Carsten Kemmling der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Ergebnisse Starnberg 1. Liga

Tabelle nach zwei Spieltagen 1. Liga

Zweite Liga

In der zweiten Liga gelang dem Schlei Segel-Club mit dem ex Match-Race-Meister Andreas Willim am Steuer und seiner Frau Suzy (Helga-Cup-Fünfte), Chris Hartkopf und  ex Platu-Meister Thomas Kruse ein überzeugender Sieg. In der vergangenen Saison war das Team erst am letzten Spieltag am Aufstieg gescheitert. Nun melden sie erneut Ansprüche an und haben die Tabellenführung übernommen.

Allerdings liegen gleich drei Vereine punktgleich in der Gesamtliste nach zwei Spieltagen vorne. Der SLS aus Duisburg konnte sich in Starnberg mit einem Sieg im letzten Rennen noch von Platz acht auf vier vorschieben und ist Tabellenzweiter. Die Crew um Skipper Matthias van Holt musste dabei einen kurzfristigen Ausfall verschmerzen, nachdem in der Woche zuvor beim Training der etatmäßige Trimmer im Eifer des Gefechts einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen hatte. Er setzte mit einer Gehirnerschütterung aus.

Mit seiner zweiten Podiumsplatzierung spielt auch der Mühlenberger Segel-Club aus Hamburg erneut eine starke Rolle um den Aufstieg. Erstmals kam dabei an der Seite von Steuermann Till Krüger der 1. Vorsitzende des DSL e.V. Ole von Studtnitz zum Einsatz, der früher für den Kieler Yacht-Club gesegelt ist.

Bestens in Schwung sind auch die Berliner vom SV03 um Skipper Erik Witzmann. Sie haben schon einen J/70 Ranglisten-Regatta-Sieg in Berlin in petto und zeigten mit Rang zwei vor Tutzing, dass mit ihnen auch in dieser Liga-Saison schwer zu rechnen sein wird.

Crewliste 1. und 2. Liga Starnberg

 

Live Übertragung vom Sonntag:

Live Übertragung Samstag:

Die Pressemitteilung:

Tutzing, 10. Juni 2018 – Der Wassersport-Verein Hemelingen (Bremen) gewinnt den zweiten Spieltag der Deutschen Segel-Bundesliga in Tutzing am Starnberger See (08. – 10. Juni) und beweist eindrucksvoll, dass auch echte Nordlichter in Bayern die Nase vorn haben können. Bei wechselhaften Bedingungen absolvieren die 36 Clubs insgesamt 63 enge und spannende Rennen. In der 2. Segel-Bundesliga entscheidet ebenfalls ein norddeutscher Club die Regatta für sich: Der Schlei-Segel-Club. Die lokalen Clubs können weniger punkten, sie belegen nur das Mittelfeld.

„Wir hatten ein super Event hier in Tutzing und freuen uns riesig, dass wir hier den Sieg klarmachen konnten. Ein großer Dank geht an die Wettfahrtleitung, die einen tollen Job gemacht haben“, so Eike Martens vom Wassersport-Verein Hemelingen nach Ende der Wettfahrten. Carsten Kemmling, Eike Martens, Markus Maisenbacher und Tjorben Wittor segelten den Club zum Sieg. Der Chiemsee Yacht Club und die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ belegen Platz zwei und drei.

Der gastgebende Club, der Deutsche Touring Yacht-Club, konnte seinen vermeintlichen Heimvorteil nicht nutzen. Das Team um Steuermann Julian Stückl scheint nicht richtig ins Rennen gefunden zu haben und schließt den zweiten Spieltag daher nur mit einem 14 Platz ab. Die beiden anderen Clubs vom Starnberger See performen etwas besser: Der Bayerischer Yacht-Club belegt Platz sieben, der Münchner Yacht-Club Platz zehn.

In der 2. Bundesliga kann sich das erfahrene Team vom Schlei-Segel-Club gegen die Konkurrenz durchsetzen. Andreas Willim, Chris Hartkopf, Thomas Kruse, Suzanne Willim klettern heute an die Spitze der Gesamtrangliste. Platz zwei belegt die Seglervereinigung 1903 Berlin, dahinter folgt der Mühlenberger Segel-Club aus Hamburg.

Insgesamt mussten die Seglerinnen und Segler starke Nerven und einen langen Atem beweisen: Drehende Winde, leichte Winde, kein Wind, Sonne, Gewitter und am Sonntagnachmittag in den Spitzen bis zu 13 Knoten Wind – Tutzing zeigte den Teilnehmern alle Facetten.

Haben Sie die Rennen der Segel-Bundesliga verpasst? Dann gehen Sie einfach auf sapsailing.com und klicken sich in den SAP Sailing Analytics durch die Wiederholung aller Rennen sowie ausführliche und vielfältige Auswertungen. Die aktuelle Tabelle sowie die Ergebnisse aus Tutzing finden Sie ebenfalls auf sapsailing.com.

Der dritte Spieltag der Segel-Bundesliga findet vom 21. bis 23. Juli im Rahmen der Travemünder Woche in Travemünde statt.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *