Segel-Technik: J/70 Profis entdecken das Butterfly-Segeln – Wann es Sinn macht

Rückkehr des Schmetterlings

North Sails One Design J/70 “Wing on Wing” Video (Inside the boat) Video-11 knots with Tim Healy J/70 Class Association

Posted by Chuck Allen

Neuerdings experimentieren J/70 Segler mit der Technik, den Gennaker vor dem Wind in  Luv zu setzen. Der Weltmeister zeigt, wie es funktioniert.

Gennaker werden normalerweise am Bugspriet wie eine große Genua gesegelt. Sie sind so geschnitten, dass auf dem Vorwindkurs eine laminare Luftströmung vom Vor- bis zum Achterliek am Tuch anliegt. Dabei werden die Segel relativ dicht getrimmt.

Schmetterling Technik

J/70 Champ Tim Healy zeigt die Schmetterling-Technik in Key West. © Paul Todd

Die Idee ist, durch erhöhte Geschwindigkeit den scheinbaren Wind raumer einfallen zu lassen. Die Boote können mit zunehmendem Speed immer weiter abfallen. Am besten ist diese Technik bei den schnellen 49ern oder Katamaranen zu erkennen.

Bei Kielbooten funktioniert das aber nicht immer. Sie werden bei bestimmten Windgeschwindigkeiten einfach nicht schnell genug. So entwickelt sich gerade in der immer weiter wachsenden J/70 Klasse die Variante, vor dem Wind auf die altbewährte Schmetterling-Technik zu vertrauen.

Tim Healy, Sieger der ersten J/70 WM 2014, hat bei der aktuell ausgesegelten Key West Sailing Week die Vorteile vorgestellt. Das Manöver funktioniere am besten bei gutem Druck im Segel, der aber gerade nicht ausreicht, um das Schiff zum Gleiten zu bringen. Bei zu leichtem Wind dagegen klappt es nicht, den nach Luv gehaltenen Gennaker stabil stehen zu lassen. Wenn es funktioniert, hilft das Schmetterling-Segeln dabei, einen direkteren Kurs nach Lee zu steuern und deutlich Meter zu sparen.

Vorteile beim Cruising

Schmetterling Technik

Auf schweren Fahrtenyachten wird die Butterfly Gennaker gerne genutzt. Aber man muss sehr konzentriert steuern.

Beim Fahrtensegeln dürfte diese Technik häufig Vorteile bringen, da die Yachten meist so schwer sind, dass sich durch Gennaker nicht über ihre Rumpfgeschwindigkeit hinaus beschleunigt werden. Deshalb lohnt es sich oft, platt vor dem Laken den Butterfly auszubreiten. Um ihn konstant stehen zu lassen ist allerdings konzentriertes Steuern gefragt. Und das mag im Entspannungsmodus und auf langer Strecke nicht gerade realistisch sein.

Deshalb wird auf Langfahrten immer noch gerne die so genannte Passat-Besegelung gesetzt. Dabei werden zwei gleiche Vorsegel am Vorstag gefahren und zu beiden Seiten ausgebaumt. Diesem Segelplan folgen schwere Kielyachten auf einem sehr stabilen Kurs.

Klassische, stabile Passat-Besegelung für den Langfahrt-Törn.

Klassische, stabile Passat-Besegelung für den Langfahrt-Törn.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Segel-Technik: J/70 Profis entdecken das Butterfly-Segeln – Wann es Sinn macht“

  1. avatar Lars Hückstädt sagt:

    Die Technik ist ja vor allem interessant, wenn man sich mal mit der Lay-Line verschätzt hat.

    Auch wenn man mal taktisch das Großsegel auf “Wind von Steuerbord” halsen will, ohne lange auf dem Kurs zu bleiben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Uwe R. sagt:

    Es spricht ja nichts dagegen, auf einer schweren Fahrtenyacht den Gennaker genau wie eine Genua auszubaumen. Dass das Unterliek meist länger als das der Genua ist, hat sich bei mir nicht als hinderlich erwiesen. So steht das Segel von 3 bis 20 Knoten TWS bei mir gut.

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  3. avatar Harrie Jasses sagt:

    Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gennarkerschwämme der vergangenen Jahre zum größten Teil einer Mode geschuldet war. Bei vielen Bootstypen ist ein Spi einfach effektiver.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 4

  4. avatar Bela sagt:

    Eigentlich ein alter Hut. Kommt eben auf die Klasse an.
    Ein Spi ist oft effektiver, speziell bei Mittelwind.

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