Segeln in Dänemark: Protest gegen Sjælland-Rundt-Beschränkung – “Unwissende Behörden”

"Widerstand gegen ignorante Beamte"

In Dänemark haben jüngste Corona-Lockerungen für eine Wiederbelebung des Segelsports gesorgt. Nun aber ärgern sich die Segler vor der Seeland-Rund-Veranstaltung, weil der Amtsschimmel wiehert.

Sjælland Rundt Start © minbaad

Sjælland Rundt war viele Jahre lang die größte Regatta der Welt mit mehr als 2000 Teilnehmern (1982 – 84). Ihre Geschichte reicht mehr als 73 Jahre zurück. Für Rekordfahrten wurden eigens Yachten gebaut, die an die maximale Brückendurchfahrtshöhe angepasst wurden. Besonders die Parties im Start- und Zielhafen Helsingör waren legendär.

Die Teilnehmerzahlen gingen dann deutlich zurück, zogen aber in den vergangenen Jahren wieder etwas an.

Die Teilnehmer-Entwicklung bei Sjælland Rundt

Corona drohte die Entwicklung zu stoppen. Die 74. Auflage schien den Lockdown-Maßnahmen zum Opfer zu fallen. Dann aber bekamen die Organisatoren doch grünes Licht. Unter anderem mit dem Vorbehalt, dass sich nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig versammeln. Zwar gilt in Dänemark eine Abstandregel von nur einem Meter, aber es wurden weitere Anpassungen beim Startverfahren nötig. Es erfolgt in drei Zonen, damit sich nie mehr als 40 Segler in einer Zone befinden. Zudem hat jedes Boot eine eigene Startzeit bekommen. Zusammenkünfte an Land wurden abgesagt.

Ansturm der Teilnehmer

Solche Regeln mögen nerven. Stattdessen wurden die Organisatoren vom Ansturm überrascht. Zu groß ist offenbar der Spaß daran, wieder aufs Wasser zu dürfen. Aber die Freude der Veranstalter über die Resonanz folgte Ernüchterung. Kurz vor dem heutigen Start mussten sie den Teilnehmern mitteilen, dass die Polizei darauf aufmerksam gemacht habe, dass die bis mindestens zum 31. August bestehende Versammlungsbeschränkung von 500 Personen nicht eingehalten werde.

Sjælland-Rundt wird so behandelt, als wenn sich alle Segler auf einem einzigen Schiff befinden – oder sie an Land eine Party feiern. Das Orga-Komittee musste die Gesamtzahl der Teilnehmer um 69 Personen verringern. Crews, die zuletzt gemeldet hatten, wurde kurzfristig abgesagt.

Das hat für großen Unmut gesorgt. Allan Ibsen, einer der betroffenen Skipper, hat nach der Entscheidung einen offenen Protest per Pressemitteilung angestrengt. Der segelnde Arzt wendet sich gegen “die ignorante Corona-Regel-Interpretation der Beamten in Bezug auf das Segeln”.

Tivoli-Park darf öffnen

Die Entscheidung zeige die “völlige Unwissenheit der Behörden” und wohl auch den Unwillen, sich genauer mit den Umständen der Veranstaltung zu befassen. Schließlich erfolge die gesamte Kommunikation mit den Segler per Mail. Die gewohnten Zusammenkünfte an Land etwa für die Steuermannsbesprechung fallen aus. Informationen werden per Video übermittelt. An Bord kommen in einer Crew maximal acht Personen zusammen. Der Abstand zwischen den Booten, sowohl im Hafen als auch auf dem Wasser, liegt praktisch zu keinem Zeitpunkt unter 5-10 Metern.

“Wenn die Behörden eine solche Veranstaltung mit maximal geringem Infektionsrisiko nicht genehmigen können, geht das Vertrauen in die Behörden und die Linie der Regierung verloren”, sagt Ibsen.

Die Absurdität werde besonders bewusst, wenn zum Beispiel der Tivoli-Vergnügungspark geöffnet werde wie auch Spielplätze, Zoo, Restaurants, Bars sowie Turnhallen oder Schwimmbäder.

Er werde jetzt aus Protest mit seiner  X-362 Sport “Xdream” die Strecke dennoch aus Protest absolvieren und 15 Minuten vor dem ersten Start lossegeln. Für die Zeit der Protest-Runde werde er seine Yacht in “Covid-19” umbenennen.

“In meiner Eigenschaft als Chefarzt und mit fundierten Kenntnissen im Thema der Gesundheitsversorgung glaube ich, dass ich den Protest ohne eine Erhöhung des Risikos für die Teilnehmer bei der offiziellen Sjælland-Rundt-Regatta gewährleisten kann.”

Sjælland-Rundt Eventseite

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *