Segelszene trauert: Starboot-Vorschoter Timo Jacobs gestorben

Einfach so...

Timo Jacobs, einer der besten deutschen Segler, ist gestorben. © STG

Timo Jacobs ist gestorben. Die Nachricht macht fassungslos. Der Starboot-Vorschoter von Johannes Babendererde wurde nur 29 Jahre alt. Samstag segelte er noch Drachen auf der Alster, am Abend ging es ihm nicht gut. Sonntag schlug sein Herz nicht mehr. Es wird ein Herzinfarkt vermutet.

Wie unglaublich. Wie ungerecht. Wie inakzeptabel.

Wenn ein Frank Bethwaite im Alter von 91 Jahren verstirbt (auch am Wochenende) mag sich der Verstand noch damit arrangieren. Natürlich ist es ein Schock, wenn der australische Pionier des Schnellsegelns abtritt, der uns die Skiffs gebracht hat, mit seinem Sohn Julian unter anderem den 49er entwickelte und sein Wissen im Mammut-Werk Hochleistungssegeln hinterließ. Aber der Mann hat sein Leben gelebt, mag man denken.

Timo Jacobs hing sich an der Starboot-Vorschot von Johannes Babendererde voll rein.

Wenn einer wie Timo gehen muss, will man wütend die Faust gen Himmel recken. Was soll das, verdammt noch mal?

Nach einem stürmischen Tag auf der Alster hatte sich der geborene Lübecker noch das Hafengeburtstag-Feuerwerk angesehen. Dann fühlte er sich nicht wohl, schlief ein. Einfach so. Und wachte nicht mehr auf.

Vor zwei Wochen saßen wir noch Mittwochs an der Alster. Seine neue Drachen-Crew war verhindert. Entspannt verfolgte er das Renngeschehen und schmeichelte uns freundlich für einen ordentlichen Start. Offen redete er über die vermeintlich schmerzhafte Niederlage bei der Olympiaqualifikation. Es tue nicht mehr weh. Vielleicht habe eben doch noch die Erfahrung gefehlt.

Schöne Zeit. In der Olympiavorbereitung trainierten Babendererde/Jacobs mit Robert Scheidt in Brasilien. © Babendererde

Timo Jacobs gehörte mit seinem Steuermann Johannes Babendererde  zu den größten deutschen Entdeckungen im aktuellen Olympia-Zyklus. Das neu formierte Team erreichte in kürzester Zeit Weltniveau und scheiterte am Ende an Stanjek/Kleen die die Qualifikation mit dem überragenden Vize-WM-Titel für sich entschieden.

Die Starboot-Newcomer schreiben nach dem verpassten Ticket: “Nichtsdestotrotz sind wir stolz auf unser Projekt Olympia 2012. Es war für uns beide die erste Olympiakampagne. Wir haben viel erreicht und können von uns sagen, dass wir in vielen Momenten auf Augenhöhe mit den besten Seglern der Welt waren.

Was wir in der Zeit an Lebenserfahrung gesammelt und über uns selbst gelernt haben ist unbezahlbar. Davon werden wir ein Leben lang zehren können. Wir wissen, was es braucht um auf dem allerhöchsten Level in egal welchem Bereich Top Leistungen zu bringen.”

Der Wettkampf unter den vier deutschen Starboot-Teams um das eine Ticket gehörte zu den intensivsten und wurde auf höchstem Niveau ausgefochten. Der geschockte Coach Joachim Hellmich vom Sailing Team Germany sagt gegenüber SegelReporter: “Timo war derjenige, der sich in unserem Team am fairsten und entspanntesten verhalten hat. Seine Emotionalität und positive Art war ein Großteil des Klebstoffs, der die Mannschaft zusammen gehalten hat. Er war besonders menschlich ein großer Sportsmann. Unglaublich, dass die Besten gehen müssen.”

Das Umfeld steht auch vor einem medizinischen Rätsel. Jacobs habe als A-Kader Sportler ständig unter ärztlicher Aufsicht gestanden und alle Checks ohne Probleme bestanden. Keine Vorschädigungen seien bekannt gewesen.

Nach der Olympiakampagne schien für den studierten BWLer alles nach Wunsch zu laufen. Statt in ein tiefes Loch zu fallen schaffte er den Anschluss mit seinem Traum-Job bei North Sails Germany.

„Timo ist ein hervorragender Jollensegler und hat nur ganz knapp die Qualifikation in der Starboot-Klasse für die Olympischen Spiele 2012 in England verpasst”, stellte ihn sein Chef Stefan Matschuck noch im März der Öffentlichkeit als neuen Mitarbeiter vor. “Wir freuen uns, dass wir ihn für unser OneDesign-Team gewinnen konnten. Mit seinem Know-how ist er ein großer Zugewinn für unsere Kunden und unser deutschlandweites Händlernetzwerk.“

Nun ist er fort. Einfach so…

 

 

 

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Segelszene trauert: Starboot-Vorschoter Timo Jacobs gestorben“

  1. Wir trauern um Timo Jacobs

    Mit Fassungslosigkeit und tiefem Bedauern erreichte uns die Nachricht vom plötzlichen Tod Timo Jacobs. Im Alter von nur 29 Jahren starb das ehemalige Mitglied der Segel-Nationalmannschaft am 13. Mai 2012 an den Folgen eines Herzinfarkts.

    Wir sind zutiefst betroffen und erschüttert, dass Timo nicht mehr unter uns ist. Wir haben einen Freund und fairen Sportsmann verloren.

    Timo Jacobs war seit Gründung des Sailing Team Germany im Jahr 2009 Mitglied der Segel-Nationalmannschaft und erkämpfte wichtige Erfolge für den deutschen Segelsport. Sowohl im olympischen Starboot gemeinsam mit Steuermann Johannes Babendererde als auch auf Hochseeyachten war der sympathische Lübecker zu Hause.

    Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen.

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  2. avatar Rolf Albert sagt:

    Unfassbar. Mehr Kommentar braucht es nicht. Andererseits, wir alle sind (nur ) Menschen, egal, ob nun oft u. häufig medizinisch durchgecheckt, wie in seinem Fall, oder aber Arztmuffel oder, aus welchen Gründen auch immer, nie einen Arzt sehend. Man denke nur an den italienischen Fußballer vor kurzem, sogar vor laufender Kamera. Letztlich kanns jeden treffen.

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  3. avatar Heini sagt:

    An anderer Stelle war zu lesen: “Die Ärzte vermuten als Ursache die Entzündung seines Herzmuskels in Folge einer Virusinfektion”

    Wenn das so stimmen sollte, leider ein immer wieder unterschätztes Risiko.
    Hier z.B. ein Artikel über den Ringer Alexander Leipold, der drei Schlaganfälle aufgrund einer verschleppten Virusinfektion erlitt: http://www.stern.de/tv/sterntv/volkskrankheit-schlaganfall-dem-tod-ganz-nah-1724577.html

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  4. avatar Flyer2 sagt:

    Auch wenn man schon oft anders gefühlt hat, so kann die positive Energie die beim Segeln im Überfluß strömt, leider nicht vor allem schützen.

    R.I.P.

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  5. avatar Roland Michael sagt:

    einfach so …
    es ist nicht mein Ding hier “tiefsinnige” Kommentare zu verfassen, in diesem Fall ist es ein tiefer Wunsch.
    Wir sind am Sonnabend mit Timo bei heftigen Bedingungen auf der Alster gesegelt und er war wie immer der fröhliche, hoch motivierte Kämpfer, auch das Bier danach fiel nicht aus.
    Am Sonntag standen wir nur noch zu zweit, geschockt und in großer Sorge an der Alster, Regatta war nicht mehr das Thema.
    Was am Sonntag Abend geschah – verstehen, begreifen wird noch länger brauchen.

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  6. avatar Claus sagt:

    Junior, ich bin immer gern mit Dir gesegelt!

    Du fehlst uns schon jetzt!

    Alles Gute auf dem Weg unter Spi in den Sonnenutergang!

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