Silverrudder: Alleine mit 107 qm Gennaker – Wie Hans Genthe seine Farr 280 zum Sieg prügelt

"Nass, unbequem, schnell"

Kaum zu glauben, dass man eine FARR280 überhaupt einhand segeln kann. Aber Hans Genthe hat damit das Silverrudder in seiner Klasse gewonnen. Der Skipper beschreibt, wie das passieren konnte.

Die Farr 280: Eine echte Handvoll Arbeit für einen Einhandsegler. © Anders Hansson

Hektisch kurbele ich an der Winsch, in Lee leuchtet das Wasser hellgrün und flach. Das Boot krängt unter Gennaker gut 30 Grad und beschleunigt enorm. Abfallen unmöglich, wenn der Wind weiter zunimmt, müssen 107 Quadratmeter Tuch in Sekunden runter, dabei ist das Ziel so nahe.

Es sind die letzten Minuten auf der Regatta Silverrudder, 306 Boote segeln einhand etwa 134 Seemeilen rund um die dänische Insel Fünen – nonstop. 2018 Jahr konnte ich – in meiner durch Sturm stark dezimierten Gruppe – mit der FARR280 gewinnen. Das ist eine auf 8,72 Meter geschrumpfte TP52. Eine Rennmaschine, nass, unbequem, schnell. Und auch jetzt liege ich tatsächlich kurz vor dem Ziel, wieder ganz weit vorne.

Viel Tuch, wenig Mensch. © Ulrich Rungsted Nielsen

Dabei stand meine Teilnahme am Rennen bis zum Mittwochmorgen vor dem Start auf der Kippe: Zwei dicke Blutergüsse am Bein, keine Zeit für Vorbereitung und ein defekter Bus zum Trailern. Doch am Dienstag hatte ich spät abends doch alle zur Regatta notwendigen Dinge zusammengesammelt. Am Mittwochmorgen tat das Bein erstaunlich wenig weh, dazu kam die Prognose der Bus-Werkstatt: der defekte Turbolader sollte trotz 450.000 Kilometer auf der Uhr hin und zurück durchhalten.

Transport über die Autobahn. © Genthe

Also ging´s los. Selbst die Fehlfunktion in der Lichtleiste des Trailers und die Totalsperrung der A7 wegen eines Unfalls können mich nicht mehr aufhalten.

Normalerweise sind wir zu Sechst

Um 16.52 Uhr bin ich endlich in Svendborg und fange gleich an, das Boot aufzubauen: Mast abladen, zusammenstecken, Salinge anbauen. Am nächsten Tag soll um 9.00 Uhr der Kran kommen, da ich gerne möglichst früh ins Wasser möchte, um das Boot aufzubauen und alles zu prüfen. Normalerweise sind wir zu sechst, dann geht alles schnell.

Leider sind noch reichlich Reste von angetrockneten Algen und Pocken am Rumpf, Kiel und Ruder. Zwei Stunden schrubbe ich das Unterwasserschiff. Es dämmerte schon, als ich anfangen konnte, den Mast zu montieren. Im Zwielicht übersehe ich das angescheuerte Backstagsgummi auf Höhe der zweiten Saling. Um 22.00 Uhr krieche ich totmüde in meine Bus-Fahrerkabine und lege das dicke Bein hoch.

Um kurz vor sieben weckt mich die Sonne zum Morgenprogramm: Dusche, Bäcker und Boot zum Kran fahren. Zum Glück konnte ich schon um 10.00 Uhr kranen, mein Freund und Bootsbauer Tilmann kommt rechtzeitig zum helfen, als der Kranführer das Boot feinfühlig auf den Kiel stellt. Dann Mast stellen, Fallen verlegen, Rigg trimmen – auch das kostet doch viel Zeit, Mittag ist schnell vorbei. Beim Anbauen der Reling falle ich ins Wasser – das bringt Glück, sage ich mir. Aber Essen sollte ich langsam wohl auch mal was.

Kabel geknickt

Gegen 14.00 Uhr denke ich, fast fertig zu sein, und prüfe alles nochmal. Siehe da, die Backbord-Positionslaterne funktioniert nicht. Kabel messen – das ist in Ordnung – also abbauen: Kurz hinter der Lampe ist das Kabel geknickt, angerissen und korrodiert. Aufpulen, löten, mit Epoxy vergießen und nach zwei Stunden leuchtet die Lampe wieder. Dann das Handy mit Dauerstromversorgung versehen, die App des NV-Verlages wird mein Backup zur auf Plastik-Folie ausgedruckten Seekarte. Die Karte hatte sich letztes Jahr im Sturm sehr bewährt.

Das Handy mit Dauerstrom und Seekarte. © Genthe

Dann schlage ich endlich alle Segel an, beziehunsgweise packe die Vorwindsegel: Gennaker, Fock, Code Zero. Dabei prüfe ich jeden Zentimeter, und klebe stellenweise nach. Fock, Groß und Gennaker sind jetzt vier Jahre alt und aus hauchdünnem EPEX-Laminat von Elvstrøm. Die Folie ist dünner als normal – ein Test.

Einkaufen, Boot einräumen, Segelbekleidung packen – zum Skippers-Briefing bin ich nicht fertig, das muss ausfallen. Ich bin ein Freund von Ritualen, bei mir muss alles immer am selben Platz sein: Taschenlampe, Kopflampe, Messer, Ersatzleinen, Schoten, Werkzeug, Karte und natürlich auch Essen.

Abends um 22.00 Uhr prüfe ich Wetter und Strom, und lege mir ein Konzept zurecht. Wind mit maximal 20 Knoten im Norden von Fünen, sonst weniger – das verspricht ein angenehmes Rennen zu werden. Trau nie einem Wetterfrosch, sage ich mir, und packe trotzdem ein paar dickere Sachen ein. Mein Plan: Rechtzeitig starten, auf die Taktik konzentrieren, Kräfte einteilen, genug essen und trinken, um Fehler zu vermeiden.

Das Echolot streikt

Freitag morgens bin ich einer der Ersten beim Frühstück. Mein Start ist um 11.00 Uhr. Etwa anderthalb Stunden vorher setze ich das Groß und laufe aus, um mir die Starts vorher anzusehen. Sieht ziemlich spitz aus, also verzichte ich auf Code Zero und nutze nur Fock und Groß. Nach einem verhaltenen Start im Lee vom Feld setzte ich mich schnell an die fünfte Stelle, und überhole in einen nach dem andere.

Flacher Flunder. Das offene Cockpit der Farr 280. © Genthe

Leider will das Echolot nichts mehr anzeigen, und die Logge schon lange nicht. Später stelle ich fest, dass die Kontakte korridiert sind – und ärgere mich, sie nicht gewartet oder zumindest geprüft zu haben, vor allem nach nach der feuchten Hölle des Baltic 500 Rennens vor ein paar Wochen. Meine einzige Tiefenangabe liefern jetzt die NV-Verlag-Karten auf dem wasserdichten Handy.

Große Segel, große Probleme

Im Ausgang vom Sund setze ich den großen 107 Quadratmeter großen Gennaker, und löse mich schnell vom Feld. Doch der Wind nimmt zu. Rechtzeitig wegnehmen, hatte ich mir vorgenommen. Ich denke zu langsam, kann mich nicht entscheiden und verpasse den richtigen Moment. Der Wind nimmt weiter zu, ich kann den Kurs nicht mehr anliegen.

Hoffentlich kommt ein Windloch zum Gennaker-Bergen – doch der Wind nimmt noch mehr zu. Mist! Abfallen, Autopilot an, Fock hoch, Gennacker nach Luv ziehen und aufs Vorschiff fallen lassen und in die Luke ziehen – so zumindest die Theorie.

Die perfekte Blase. Wer soll da mithalten? © Ulrich Rungsted Nielsen

Doch beim Lösen der Halsleine berührt ein Fetzen Tuch die Wasseroberfläche, und sofort verschwinden die 107 Quadratmeter Tuch im Wasser. Ich halte einen Rest an Deck fest, aber reinziehen geht nicht mehr. Der Autopilot steuert tapfer Kurs und schnell. Nur leider ist das Bedienfeld hinten unerreichbar weit weg.

Also lasse ich das Segel los, es verschwindet unter dem Schiff, legt sich um Kiel und Ruder und stoppt das Boot, während ich nach hinten springe und den Pinnenpilot mit einem Fußtritt entkopple – und sofort nach vorne stürze. Das Boot dreht, und entlastet den Gennaker. Wie ein Besessener ziehe ich das nasse Tuch an Bord. Es klappt tatsächlich! Wieder auf Kurs muss ich erst mal Luft holen. Ich bin jetzt schon am Limit meiner Kräfte. Eine halbe Seemeile und einige Schiffe hat das alles gekostet.

Lange Kreuz in der Nacht

Nach ein paar Minuten Erholung nehme die Verfolgung auf. Hinter der großen Belt Brücke nimmt der Wind weiter zu, das Großsegel bekommt das erste Reff. Die Fock aus EPEX und und das gereffte Großsegel – ein Dreamteam. Damit mache ich verlorene Meter gut.

Höhe Kerteminde geht wieder die Fock hoch, angesichts konstant 20 Knoten scheinbarer Wind und mehr, doch es brist noch weiter auf. Also ab ins zweite Reff. In Böen pustet es jetzt bis 28 Knoten Wind. Meine Laune sinkt angesichts der langen Kreuz in der Nacht. Den Landschutz des hohen Ufers bis Fynshoved nutze ich, um eine Faserpelzschicht anzulegen und das Schiff für die Nacht vorzubereiten. Essen hebt und hält die Stimmung, genug Futter in Reichweite ist wichtig, finde ich.

32 Knoten stehen auf der Windanzeige als der Landschutz bei Fynshoved wegfällt. Überall weiße Wellenkämme. Die Farr bockt wie ein Gaul und fährt nur langsam vorwärts. Ich sehne mich nach Landschutz, wende, trimme alles flach und segle tief und mit Speed Richtung Land – weniger Welle bedeutet gleiche Geschwindigkeit bei mehr Höhe und weniger Krafteinsatz. Endlich wieder in Landabdeckung meide ich die Wellen wie der Teufel das Weihwasser, lieber 20 oder mehr Wenden und die  Winddreher nutzen. Das lohnt sich. Die Flaar, mein direkter Gegner in der Klasse Keelboats
Small, bleibt achteraus. Laut Tracker liege ich auf dem ersten Platz.

Es ist inzwischen dunkel. Ab Aebelø ist es vorbei mit dem Schutz, jetzt rockt und bockt die Farr wieder im Speed-Modus Richtung Eingang des kleinen Belts und Landschutz. Es flaut langsam ab, ich reffe aus. Ein Match mit einer Luffe 47 hilft die Müdigkeit zu vertreiben, ich bin gleich schnell. Ein gutes Zeichen. Ich setze mich sogar langsam von ihr ab. Im kleinen Belt fordert Gegenstrom mit flauem Wind höchste Konzentration – unpassender Weise meldet sich der Darm. Schwimmweste, Ölzeugjacke, Trockenanzug, Fliesjacke, Faserpetzoverall, Thermounterwäsche ausziehen – das kostet viel Zeit.

Zweikampf vor dem Ziel. © Genthe

Erst im Ausgang des kleinen Belts bin ich wieder einsatzbereit. Mit Entsetzen bemerke ich die Esse 850 vom Start neben mir. Die wähnte ich weit achteraus. Also Code Zero hoch und Gas geben! Langsam geht die Sonne auf und es wird wärmer, aber mit der Esse im Nacken mag ich keine Zeit mit Umziehen verschwenden. Der Anstand vergrößert sich, statt Segelwechsel fiere ich auf dem raumer werdenden Kurs die Tackleine und fahre die Code Zero wie einen Gennaker – und setze mich zu meinem Erstaunen sogar weiter von den Verfolgern ab. Cool, ohne Segelwechsel sicher ins Ziel fahren, das wäre klasse!

Endspurt notwendig

Doch daraus wird nichts: Im Svenborgsund plötzlich klarer Himmel, Sonne, warm. Der Wind schläft ein und kommt genau von hinten. So wie die Esse. Also stopfe ich in Windeseile den Code Zero unter Deck und setze den grossen, nassen Gennaker. Das Ding wiegt gefühlt eine Tonne.

Glückwünsche für den Sieger Hans Genthe. © Genthe

Genau in diesem Moment kommt die Fähre. Blitzhalse, platt vorm Laken zehn Meter an der Fähre vorbei, wieder gehalst, alles im engen Fahrwasser. Und dann noch diese Bö. Ausgerechnet in der letzten Kurve. Der grosse Gennaker produziert ziemlich viel Druck für nur einen Mann auf der Kante und schleift durchs Wasser.

In Lee ist nichts zu sehen. Echt riskant in so einem engen Fahrwasser. Die Farr bekommt gerade so die Kurve, die Untiefentonne knapp auf der falschen Seite. Ich bin nass geschwitzt, als ich durchs Ziel gehe. Kurz vor dem Hitzschlag, reiße ich mir sofort die Klamotten vom Leib.

Per Whatsapp kommen schon die Glückwünsche: tatsächlich Gruppenerster – ein Traum. Besonders glücklich bin ich, dass ich so für unsere beiden Haupt-Sponsoren Alexseal und Elvstrøm (und die vielen weiteren Unterstützer) nochmal Leistung zeigen konnte – danke für die jahrelange Unterstützung!!!

Ergebnisse Silverrudder 2019

18 Kommentare zu „Silverrudder: Alleine mit 107 qm Gennaker – Wie Hans Genthe seine Farr 280 zum Sieg prügelt“

  1. avatar GER 131 sagt:

    Was ist jetzt eigentlich mit Stockmaritime? Pleite? Oder warum hörst du so plötzlich auf? Irgendwo hab ich gelesen, dass du ins Ausland gehst?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 13

    • avatar Manfred sagt:

      Ruf Hans doch an wenn Du neugierig bist, aber solche Fragen gehöre NICHT in ein öffentliches Forum!

      Toller Bericht Hans. Glückwunsch!

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    • avatar Seilor sagt:

      @GER 131: Üble Nachrede kann teuer werden … nimm den Post hier raus und ruf Hans an, wenn du was wissen willst.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

  2. avatar T.B. sagt:

    Herzlichen Glückwunsch vom Halterner Stausee!

    Wir haben mal bei Hans Gente eine Coaching auf dem Boot gemacht und hatten mit 6 Leuten alle Hände voll zu tun.
    Der Schlag bis zur Elbphilharmonie unter dem großen Genacker war sensationell, anschließend sind wir in in Segelklamotten in eine Pizzeria zum Aufwärmen, bevor es nach Wedel zurück ging.
    Wirklich kaum zu glauben wie er das alleine schafft. Aber Hans hat halt riiieesen Hände!-)))

    Super Leistung Hans und alles Gute!

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  3. avatar GER 131 sagt:

    @Manfred: Wer öffentlich auftritt muss auch damit zurecht kommen, dass man öffentlich nachfragt.
    @Seilor: Das ist keine üble Nachrede, ich hab nur ne Frage gestellt. Und wie du sicherlich weißt kann man hier seine Kommentare selber nicht löschen. Sehe auch kein Grund, dass zu machen.

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  4. avatar Roar sagt:

    “stockmaritime.com vermarktet FARR280 in Deutschland”
    “FARR280 Kunden bekommen Komplettbetreuung”

    lautete eine am 24.02.2016 auf SR veröffentlichte Pressemitteilung

    Daher ist die folgende Mitteilung für Stockmaritime-Kunden interessant;

    “Handelsregisterbekanntmachung von 07.08.2019
    Die Gesellschaft ist auf Grund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gemäß § 60 Abs. 1 Nr. 4 GmbHG aufgelöst.”

    Falls Kunden geschädigt worden sein sollten, würde ich als früherer Firmeninhaber eher keine Regattaberichte von einer geschätzt 80.000 EUR teuren Yacht schreiben.

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  5. avatar Hans Genthe sagt:

    Auf der stockmaritime Facebook-Seite gibt es offizielle Statements dazu.
    Die Farr280 steht zum Verkauf. Zur Zeit laufen noch die Sponsorenverträge.

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    • avatar Roar sagt:

      Die stockmaritime Facebook Seite meldet:

      “Die von dir angeforderte Seite kann derzeit nicht angezeigt werden. Es kann sein, dass sie vorübergehend nicht verfügbar ist, der angeklickte Link fehlerhaft oder abgelaufen ist oder du keine Berechtigung zum Zugriff auf diese Seite hast”

      .

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  6. avatar Hans Genthe sagt:

    Weil wegen untenstehendenen Gründen der Strom abschaltet wurde, ist Website, Email und Telefon seit langem tot. Die Technik war inhouse. Drum hier die zusammengefassten Statements der Facebook-Seite:

    Liebe Kunden, Kollegen, Freunde.

    Seit 2004 habe ich unfassbar viel Zeit und Energie in den Bereich stockmaritime gesteckt, allein nur der Modellbau hatte 7 feste Mitarbeiter ernährt und viele Aushilfen, über eine halbe Million Umsatz. Bis der Amtsschimmel, sprich Berufsgenossenschaft und Auflagen im Internethandel die Produktion unrentabel gemacht haben.
    2016 mussten wir umziehen, weil wegen Immobilienspekulationen unser Firmensitz abgerissen werden sollte. In Schenefeld fanden wir ein neues Zuhause, und dank FARR Design und Elvstrøm-Vertretung gab es neues Wachstum in neuen Geschäftsfeldern.

    Die Vermarktung der tollen Schiffe FARR280 und L30 war kostenintensiv und wenig erfolgreich. Die Entwicklung von schnellen Segeln mit Elvstrøm dafür umso mehr. Mit großer Leidenschaft habe ich mit vielen Vorträgen versucht, meine Erfahrungen und Begeisterung für schnelles Segeln weiterzugeben.

    Aus familiären und gesundheitlichen Gründen muss ich etwas kürzer treten, was mit meinem aktuellen Geschäftsmodell leider nicht möglich ist. Daher habe ich die schwere Entscheidung getroffen, die Firmen aufzugeben und abzuwickeln. An Aufträgen mangelt es nicht, aber an Mitarbeitern und Ertrag. Zudem wird die Kundenkommunikation immer aufwändiger: Bei täglich rund 500 Mails, What´s App Meldungen, Messenger-Nachrichten, SMS, Telefonaten war Auftragsabwicklung nur abends, nachts oder am Wochenende möglich.
    Leider habe ich seit Oktober letzten Jahres keine ausreichend kompetente Unterstützung für Buchhaltung und Abwicklung finden/einstellen können. Eine unberechtigte aber schwer anfechtbare Nachforderung für Strom und Gas von mehr als 20.000 EUR hat letztendlich dazu geführt, dass ich Insolvenz angemeldet habe

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    • avatar Gerd Weber sagt:

      Ja , immer haben die Anderen Schuld. Die Welt ist böse.

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      • avatar eku sagt:

        Na ja, …
        Aus meiner Sicht mal ein paar Klarstellungen:
        1. Eine GmbH hat einen Insolvenzantrag zu stellen, wenn nur noch 50% des ursprünglichen Kapitals (min 25.000 €) als Kapital in der Bilanz stehen. Die sind/ist dann noch nicht “Pleite” wie es allgemein verstanden wird – dient schlicht dem Gläubigerschutz – es können dennoch alle Forderungen bedient werden (Sofern die Bilanzwerte sich entsprechend verkaufen lassen) ob das so gehandhabt wird ist etwas anderes ..
        2. Eine öffentliche Frage nach “Pleite” … bitte (Bitte!) nicht, das kann jemanden wirklich “pleite” machen, auch wenn es mal nur “eng” ist. Ist mir im erweiterten Freundeskreis auch schon mal passiert, dass ein Freund/in eine lose im Gespräch geäußerte Meinung weitergegeben hat – ebenso loker wie gemeint. Spätestens der 3. bei dieser Art stiller Post lässt aber idR die ursprüngliche Intention weg.
        3. Es ist eine GmbH – Ob ein Segelboot einem Geschäftsführer oder Gesellschafter gehört ist unerheblich. Letztendlich kommt es da auf die Verträge zwischen Kreditgebern und GmbH an. Eine GmbH oder sonstige Juristische Personen (hier Firmen) haben keinen Inhaber! (Außer son paar Verrückte wie Schlecker oder der, der damals Pro-Sieben gekauft hat – wie das da konstruiert war entzieht sich im Detail meiner Kenntnis, aber die hingen wohl voll privat drin)
        4. Energierechnungen: Zwar nicht in der Dimension, aber dennoch: Wir hatten auch eine Strompreiserhöhung und die ist durchgerutscht, weil mE kein Schreiben dazu angekommen ist. Nun beweise mal jemand, dass ein Schreiben NICHT angekommen ist. Soetwas wird idR mit normaler Post verschickt. Die Frist für das Sonderkündigungsrecht ist dann schnell abgelaufen. Die Folge: man hängt gut 15 Monate in einem Vertrag, den man nicht haben wollte. Je nach Konstruktion der örtlichen Bedingungen kann sich da schon so manche Komplikation ergeben. Hier passiert mit einer gerade noch fristgemäßen Wasserabrechnung – dann weise mal nach 23 Monaten nach, dass der Zähler spinnt bzw ein Leck vorhanden ist. Die Forderung besteht jedenfalls bis zu diesem Beweis.

        Wie zu entnehmen: Ich weiß auch nichts genaues (Geht mich auch nichts an!). Ich möchte dennoch alle hier bitten, bei solchen Dingen sensibler zu agieren.

        Es ist sicherlich so, dass auch ich das „eingehacke“ auf die Schuld anderer speziell des Staates blöd finde – man hat immer die Möglichkeit rechtzeitig zu reagieren, weil das alles nicht vom Himmel fällt.
        Andererseits: „shit happens“ – kann man auch nichts dran ändern.

        Grüße eku

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        • avatar roar sagt:

          EKU schreibt: “Eine GmbH oder sonstige Juristische Personen (hier Firmen) haben keinen Inhaber!”

          Hier irrt EKU, denn im Handelsrecht gilt folgendes:

          “Häufiger gebraucht wird der Begriff im Handelsrecht. So spricht man vom Inhaber eines Handelsgeschäfts (§ 25, § 53 HGB), d. h. eine Einzelunternehmung, die im Handelsregister eingetragen ist. Im Bürgerlichen Gesetzbuch spricht man vom Inhaber eines Betriebs (§ 613a BGB). Beide Inhaber sind im Rechtssinne Gesellschafter.”
          https://de.wikipedia.org/wiki/Inhaber#Handelsrecht

          EKU schrieb:
          “Wir hatten auch eine Strompreiserhöhung und die ist durchgerutscht, weil mE kein Schreiben dazu angekommen ist. Nun beweise mal jemand, dass ein Schreiben NICHT angekommen ist. Soetwas wird idR mit normaler Post verschickt. Die Frist für das Sonderkündigungsrecht ist dann schnell abgelaufen. Die Folge: man hängt gut 15 Monate in einem Vertrag, den man nicht haben wollte.

          Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass “Eine unberechtigte aber schwer anfechtbare Nachforderung für Strom und Gas von mehr als 20.000 EUR” nicht über Nacht entsteht.
          Da muss also Jemand monatelang gepennt haben oder zu oft auf dem Wasser gewesen sein.
          Man erkennt die Preiserhöhung ja auch an den höheren Abschlagzahlen,
          Mir wurde in einem solchen Fall geraten, die Zahlungen einzustellen, um eine Kündigung zu provozieren. Dies hat auch hervorragend geklappt.

          Jahre später versuchte der Stromversorger per Anwalt noch 200 EUR einzuklagen, wurde aber vom Gericht weitgehend abgewiesen, da er die Strompreiserhöhung “verschleiert” hatte. Habe die Angelegenheit sogar ohne Anwalt im schriftlichen Verfahren vor einem Amtsgericht zu meinen Gunsten entscheiden können.

          Im Falle von stockmaritime hätte eine anwaltliche Beratung sicher helfen können.

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        • avatar Roar sagt:

          EKU schrieb:

          “Nun beweise mal jemand, dass ein Schreiben NICHT angekommen ist. Soetwas wird idR mit normaler Post verschickt. Die Frist für das Sonderkündigungsrecht ist dann schnell abgelaufen.”

          Leider scheint auch diese Information unzutreffend zu sein, denn ich lese anderswo:

          “Preisinformationen können auch per Post versendet werden. In diesem Fall muss der Stromanbieter nachweisen, dass Sie das Schreiben tatsächlich erhalten haben. Dies geht nur, wenn er einen Brief per Einschreiben versendet hat.”

          https://verbraucherhilfe-stromanbieter.de/preiserhoehung-strom/#III

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      • avatar Roar sagt:

        Ich wünsche dem Hans alles Gute, glaube aber dass ausser den genannten Gründen die Modellvielfalt bei den Modellyachten zu gross war und es unheimlich arbeitsintensiv und mühsam gewesen sein muss, damit Geld zu verdienen.
        Eine Straffung der Modellpalette hätte vermutlich auch die hohe Anzahl der täglichen Kundenkontakte reduzieren können und sich daher arbeitserleichternd ausgewirkt.
        Angesichts der Tatsache, dass eine Dragon-Force bzw. RG65 incl. Fernsteuerung nur noch ca. 150 EUR kostet, scheint es sich um ein zunehmend schwieriges Geschäftsfeld zu handeln.

        Mit der Farr280-Vertretung wurde m.E. ein hohes Risiko eingegangen, weil wir in einem Lande der Wochenend- und Fahrtensegler leben, in dem die Kaufentscheidungen von den Frauen getroffen werden. Für ein reines Regattaboot bzw. Männerspielzeug gab es daher wenig Chancen, zumal eine dazu passende Regattaszene in unserem Lande gänzlich fehlt.

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  7. avatar Hans Genthe sagt:

    Parallel und vor allem nach Abschluss des Insolvenzverfahrens suche ich Lösungen, um eventuelle offene Schäden an Kunden und Lieferanten auszugleichen. Dafür habe ich mich die letzten Wochen ohne Gehalt eingesetzt, die Masse in Absprache mit dem Insolvenzverwalter möglichst gut zu verkaufen.

    Anfang Oktober wird ein Nachfolger die Bau von Modellyachten des Typs 3×1, Volvo65, J-Class und C-Class an einem neuen Standort wieder aufnehmen. Achten Sie auf die Website http://www.stockmaritime.com oder folgen Sie der stockmaritime Facebook-Seite.

    Ich bedanke mich für die schönen, interessanten, arbeitsreichen Jahre.

    Hans Genthe

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    • avatar Henk08 sagt:

      Hallo Hans, obwohl wir uns nur kurz gesehen haben, hat es nach meiner Meinung Respekt verdient, dass Du hier so offen mit dem Thema umgehst. Ich bin selbst Teilhaber und Geschäftsführer eine kleinen Handwerks- und Handelsbetriebes inklusive Onlinehandel und kenne die ständig neuen bürokratischen und rechtlichen Anforderungen, insbesondere im Onlinehandel, die einen kleinen Betrieb häufiger an die Grenze der Aufgabe oder darüber hinaus führen. Banken und Fördergesellschaften fördern zwar Existenzgründer und gut funktionierende Unternehmen, nicht aber sanierungsfähige und -willige Unternehmen.
      Ich halte Dir die Daumen für Deine Gesundheit und Deine Zukunft. Hoffentlich bis bald auf den Regatten dieses Kontinents. Reto

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  8. avatar Oceanus sagt:

    Ich sage einfach mal Danke für den tollen Bericht.
    Macht Freude den zu lesen.

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  9. avatar RVK sagt:

    Kann irgendwer Roar einfach mal einen seichten Schlag (Denkanregung) auf den Hinterkopf geben, damit er mal Manieren und Anstand lernt? Hans gehört zu den nettesten und hilfsbereitesten Menschen, die man sich im Segelsport vorstellen kann. Dieses dämliche (und anonyme) Nachtreten ist einfach würdelos. Hans hat sich das sicherlich nicht einfach gemacht und solche Kommentare sind dann wirklich einfach pietätlos und billig. Über fremde Firmenpolitik zu spekulieren, ist nicht nur unprofessionell, sondern ebenso unanständig. Ich kenne ne Menge Menschen in unserer Branche, die auf Gewinn und ihren eigenen Profit achten, ohne einmal nach Links oder Rechts zu schauen, und denen ihre Mitmenschen egal sind. Hauptsache die Kasse stimmt. Ich war immer froh, dass Hans das anders gehandhabt hat. Schade, dass er aufhört. Wünsche ihm viel Erfolg bei seinen neuen Herausforderungen!

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