Silverrudder: Drei Stunden in der Flaute – Vor dem Ziel wird gewürfelt

"Faszinierend und frustrierend"

Die fünfte Silverrudder Einhand-Regatta rund Fünen war von anhaltenden Flauten geprägt. Die Führungsgruppe ankerte drei Stunden lang in Sichtweite der Ziellinie.

Die diesjährige Silverrudder-Regatta rund Fünen erreichte mit 407 Meldungen einen neuen Rekord und ist nach wie vor die größte offshore Einhand-Regatta der Welt. Dabei zogen es diesmal aber 129 Skipper vor angesichts der flauen Vorhersage gar nicht erst an den Start zu gehen, oder das Rennen aufzugeben.

Silverrudder

Treiben in der Flaute © Nicolajsen

Das tat der Stimmung im Starthafen von Svendborg zwar keinen Abbruch, aber die Ergebnisse wurden teilweise arg durcheinander gewürfelt. Mathias Müller von Blumencron, der mit seiner Class 40 “RED” als einer der Favoriten am Start war, spricht gegenüber SR von “einer der coolsten Regatten, die ich je gestellt habe. Ganz großes Kino!”

Einparken der Führungsgruppe

Er erklärt aber auch, warum die Zieldurchhangslisten zuweilen ein etwas merkwürdiges Bild ergeben. So hat in der Kielboot Medium 2 Klasse eine dänische X99 die rasend schnelle Fareast 31R auf Rang zwei verwiesen, wie auch den Open32 Neigekieler “Black Maggy” der schon Rekorde gebrochen hat. Skipper Wolfram Heibeck lag mit seiner Rakete Meilen weit in Führung, bis er vor der Svendborg Sund Brücke bei Flaute im Gegenstrom einparkte.

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Der Abstand von “Black Maggy” (rot) direkt vor dem Ziel und der Flaute. Sieger wird später die markierte X99 “Nyx/Raymarie”

Blumencron lag mit seiner “RED” eine Dreiviertelmeile vor dem Ziel ebenso in der Totenflaute. Drei Stunden lang parkte die gesamte Führungsgruppe ein und trieb sogar zurück. “Wir haben alles versucht, sind nicht vorangekommen und haben irgendwann alle geankert”, sagt der Class40-Skipper.

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Bei wenig Wind konnten die schnellen Seascape 24 sogar mit den Mini 6.50 mithalten. © Nicolajsen

“Der neue Wind kam schließlich mit einer scharfen Kante. Und mit diesem kamen etwa 20 bis 30 Boote herangerauscht. Bevor diese Schiffe bei uns waren, regte sich kein Lüftchen. Es war ein faszinierendes Bild, wenn auch irgendwie frustrierend.”

Würfeln vor dem Ziel

So wurden die Ergebnisse nach mehr als 20 Stunden auf dem Wasser nochmal komplett durcheinander gewürfelt. Gewonnen haben in den acht Klassen teilweise Schiffe, die vor der großen Flaute oft Stunden hinter den Führenden lagen, als diese in den Svendborg Sund einbogen.

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Zeitweise waren die Windbedingungen gar nicht so schlecht. © Nicolajsen

So geben die Ergebnislisten am Ende ein schiefes Bild bezüglich der Leistungsfähigkeit verschiedener Yachten wieder. In der Gruppe der großen Kielboote  gewann schließlich eine dänische IMX40, die vor der Flaute noch zweieinhalb Stunden zurück lag.

Aber diese Launen der Natur machen dieses Rennen so spannend. Es gibt keine echte Vergütungswertung, sondern nur die verschiedenen Klassen. So geht es mehr ums Durchhalten von mehr als 20 Stunden alleine am Steuer.

Deutsche Erfolge

Nur Dragonfly-Designer Jens Quorning war mit seinem radikalen Trimaran One Off “Dragonfire” deutlich schneller als alle anderen. Er benötigte nur 15 Stunden und 35 Minuten für die Fünen-Umrundung.

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Fahrtenyacht-Skipper im Einhand-Fieber. © Nicolajsen

Deutsche Siege gab es in der Keelboats small 2, wo Franz Schollmayer die Esse 850 “Firlefanz” zuerst über die Ziellinie brachte. Contender Urgestein Joachim Harpprecht segelte seine One Off “Harp8” auf Rang drei.

Bei den Keelboats mini wurde das gesamte Podium von deutschen Seglern besetzt. Harald Müller gewann mit seiner Platu 25 vier Minuten vor der Seascape 24 von Bjarne Lorenzen ins Ziel und sieben Minuten vor Morten Bogackis Mini 6.50 “Mojo”.

In Keelboats Medium 1 segelt Christian Knop seine Dufour 34 auf Rang drei. Bei der Klasse Keelboats Medium 2 wird die X35 von David Tillmanns Dritte. Und bei den großen Kielbooten treibt schließlich die JPK 38 FC von Andreas Rohde knapp 45 Sekunden vor Blumencrons Class 40 “Red” ins Ziel auf Rang zwei.

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Immer nah am Land entlang. © Nicolajsen

In der Extra Large Gruppe wird die X 412 von Dirk Schuster gar nur um 24 Sekunden auf Rang zwei verwiesen. Auch Christian Soyka kommt bei den Multihulls mit seinem Cosair Cruiser 970 nach fast 22 Stunden auf Platz drei ins Ziel. Jörg Gosche steuert den Pulse 600 auf Platz zwei in der kleineren Gruppe nur drei Minuten hinter einem Dragonfly 25.

Ergebnisse Silverrudder 2016

Tracker Silverrudder

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Mühsames Vorwärtskommen im Gegenstrom. © Nicolajsen

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Silverrudder: Drei Stunden in der Flaute – Vor dem Ziel wird gewürfelt“

  1. avatar Sausewind sagt:

    Die Regatta ist ja super, aber ihr bezeichnet sie doch nicht ernsthaft als “offshore” Regatta 🙂 Also, dänische Südsee ist für mich alles aber sicher nicht offshore. SoloFASTNET oder Mini Transat, DAS ist offshore

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 3

    • avatar Addi sagt:

      @Sausewind: inshore / offshore …
      Ich war jetzt zwei Mal dabei, als Zuschauer, der Sohnemann fuhr mit, er musste beide Male auf halber Strecke wegen technischen Problemen abbrechen. Das Ding ist nicht ohne.
      Ich weiß ja nich, was du schon gefahren bist, ich hab mich bis dato noch nicht an die Silverrudder getraut.

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      • avatar Max sagt:

        Seltsame Klassifikation von offshore. Alsterglocke ist auch “nicht ohne”, aber deshalb noch lange nicht offshore…

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  2. avatar Peter sagt:

    Das sind keine Seascape 24 auf dem Bild mit dem Mini sondern Seascape 18

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