Solar-Energie: Alex Thomson mit Elektromotor statt Diesel-System

Die Sonne im Tank

Vor dem Start der Route du Rhum hat Alex Thomson angekündigt, bei seiner neuen “Hugo Boss” voll auf Solarkraft zu setzen. Das dürfte auch den Normalo-Cruiser weiterbringen.

Alex Thomson

Alex Thomson zeigt die Schokoladenseite seines Foilers. © Hugo Boss

Es ist noch gut in Erinnerung, wie 2012 Alex Thomson bei der Vendée Globe bastelte und kämpfte, um überhaupt das Ziel der Regatta zu erreichen. Der Hydrogenerator, der am Heck wie ein Außenborder ins Wasser geklappt wird um Energie zu gewinnen, hatte sich gelöst und das Rudergestänge zerschlagen. Die Regatta mit dem fünf Jahre alten Boot war zur Zitterpartie geworden.

Aber der Brite brachte sie auf einem starken dritten Platz ins Ziel, der ihm nicht zugetraut worden war. Damit lieferte er die sportliche Basis für die Sponsor-Partnerschaft ab, die ihm zuletzt für die Vendée eine fortschrittliche Konstruktion bescherte, die der Konkurrenz eigentlich überlegen war.

Am Heck sind die beiden Queverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren. Eine Stange ist gebrochen. © Hugo Boss

Hugo Boss 2012. Am Heck sind die beiden Querverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren.

Das nächste Schiff der neuesten Generation wird schon gebaut, und da ist es durchaus bemerkenswert, dass Thomson jetzt verkündet, ein Elektromotorsystem in die neue IMOCA Rennyacht integrieren zu wollen. Die neue “Hugo Boss” soll im Sommer 2019 vom Stapel laufen und dann die Vendée Globe 2020/2021 gewinnen.

Leistungsvorteile ohne Sprit

Die Nachricht, dass Thomson ohne fossile Brennstoffe um die Welt rasen will ist deshalb bemerkenswert, weil sie aussagt, die Technik der sauberen Energiebereitstellung für Segelyachten vom Typ IMOCA 60 ist so weit fortgeschritten ist, dass sie der herkömmlichen Herangehensweise überlegen ist.

Anders als der Neuseeländer Conrad Coleman, der schon bei der vergangenen Vendée Globe mit dem finnischen Hersteller Oceanvolt zusammengearbeitet hat, aber mit seiner alten Yacht keine Chance hatte, an der Spitze zu segeln, kann es sich Alex Thomson nicht leisten Kompromisse bei der Leistungsfähigkeit seiner Yacht zu machen. Für ihn kommt nach den bisherigen Vendée-Rängen drei und zwei nichts anderes als der Sieg in Frage.

Es geht also nicht darum, den Namen eines Sponsors und dessen grüne Botschaft zu transportieren, sondern um eine entscheidende Performance-Frage. Und das Hugo-Boss Team ist offenbar davon überzeugt, dass sich durch den Umstieg auf einen Elektromotor von Oceanvolt, der durch die Onboard-Solarzellentechnologie aufgeladen wird, die Siegchancen verbessern lassen. Die Gewichtersparnis dürfte das wichtigste Argument sein. Der Verzicht auf das sonst zwingend notwendige Diesel-Bunkern muss gegen das Gewicht der Batterie abgewägt werden. 

Sansos Öko-IMOCA ging verloren

Natürlich ist es auch noch für das Image der Kampagne hilfreich, wenn Alex Thomson  technischer Direktor, Ross Daniel, sagt: “Als Team sind wir bestrebt, so nachhaltig und verantwortungsbewusst wie möglich zu arbeiten.” Das war zum Beispiel die Vorgabe für den Spanier Javier Sanso bei der vergangenen Vendée Globe. Sein Ziel: Ohne fossile Brennstoffe um die Welt. Diese Botschaft brachte ihm ein neues Boot, und der Name war Programm: “Acciona 100% Ecopowered”. Aber schnell war das Schiff nicht. Und schließlich ging es auch noch spektakulär verloren.  Direktor Daniel dagegen hat als eigentliche Aufgabe nur, ein schnelles Schiff abzuliefern.

Javier Sanso auf seiner "Acciona"

Javier Sanso hat seine “Acciona” nach einem Kielbruch verloren ist aber gerettet worden. © Sanso/Acciona

Daniel erklärt: “Die Batterie ist das Herzstück des Bootes. Sie ist entscheidend für die Kommunikation, die Navigation und den Betrieb sowohl des Wassermachers an Bord als auch des Autopiloten. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, stoppt das Boot. Deshalb ist es wichtig, dass wir ein System implementieren, auf das wir vertrauen und auf das wir uns verlassen können, um die Sicherheit von Alex zu gewährleisten.”

Auf dem neuen Boot wird Solarenergie als primäre Energiequelle genutzt. Die Solarmodule befinden sich an Deck. Sie sollen genug Power liefern, auch wenn ‘Hugo Boss” im Southern Ocean segelt, wo die direkte Sonneneinstrahlung begrenzt ist.

Sauber, sicher, effizient

“Für uns als Team war die Umstellung auf einen Elektromotor schon von größter Bedeutung, als wir mit dem Entwurfsprozess für das neue Boot begannen. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch die enge Zusammenarbeit mit dem Team von Oceanvolt im Vorfeld der Vendée Globe ein Leistungssystem entwickeln, das sauber, sicher, effizient und absolut zuverlässig ist.”

Thomson bestätigt: “Es besteht oft die Auffassung, dass der Einbau nachhaltiger Systeme einen Leistungsnachteil mit sich bringen. Aber wir glauben, dass die Integration nachhaltiger Systeme in unserem Fall tatsächlich bestimmte Vorteile bringen.”

Die Profi-Segelszene der IMOCAs mag normalerweise nicht viele für den gemeinen Segler nutzbare Errungenschaften hervorbringen. Neigekiel oder Wasserballast-Optimierung spielen auf Fahrtenyachten nicht unbedingt die größte Rolle. Aber wenn man bei der Energieversorgung unabhängiger vom Diesel wird, könnte sich das Leben des Cruisers deutlich erleichtern.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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