Solitaire du Figaro: Aufgelaufen, motort, geankert und ganz weit vorne – Führung gerettet

20 Mal aufgelaufen

Auch nach dem Zieleinlauf der unglaublichsten Figaro-Etappe in 49 Jahren, ist die strömungsreiche Alderney-Passage das große Thema in der Segelszene. Dabei machten die großen Helden einen ganz anderen strategischen Fehler.

Die Solitaire du Figaro ist in diesem Jahr ein besonderer Hingucker auch für nicht französische Betrachter. Das liegt zum Einen an der großen Anzahl teilnehmender Segel-Helden, die insbesondere durch die international immer weiter an Bedeutung gewinnende Vendée Globe auch hierzulande ein Begriff sind.

Aber auch das erste Jahr mit dem spannenden, neuen Semi-Foiler-Bootstyp von Bénéteau erzeugt eine größere Aufmerksamkeit. Schließlich bekommt die bisher eher in sich geschlossene Franzosen-Szene auch nach dem Volvo-Ocean-Race-Sieg von Charles Caudrelier (Dongfeng) eine globalere Bedeutung. Die Shorthand-Spezialisten haben dadurch auch in der anglo-amerikanisch-sprachig dominierten Segelwelt eine Aufwertung erfahren.
Dazu kommt die neue mixed-Doublehanded-Olympiaklasse für 2024, die auch Nicht-Franzosen dazu zwingt, sich dieser bisher eher als skurril geltenden Ein- und Zweihandszene zu nähern. Außerdem verstärkt der neue Zweihand-Boom das Interesse für diese Art des Segelns. Wie machen es die Besten?

Nur Glück?

Die Besten sind zweifellos die Figaro-Segler. Allerdings wirft diese dritte Etappe durchaus die Frage auf, ob bei dieser Art des Segelns das Glück nicht doch eine größere Rolle spielt, als es sonst bei Segelwettkämpfen der Fall ist.

Tanguy LeTurquais auf die Steine von Alderney gespült. © Solitaire du Figaro

Die These wird von der Geschichte des Iren Tom Dolans gestützt. Er hat die Etappe nach drei Tagen und vier Stunden auf Rang acht beendet. Dabei wollte er eigentlich schon aufgeben.

Nach einem schlechten Start kam er auch nicht um diese verdammte Alberney Insel herum, dann ließ er sich von der Strömung auf die Felsen drücken, hatte Glück, dass es ihn nicht ganz so schwer traf wie den Kollegen  – er warf die Maschine an – hatte schließlich nur noch vier Bötchen hinter sich, folgte dem Gros des Feldes bei der Nordost-Umfahrung des Trennungsgebietes (TSS) , drehte wieder um, kam überhaupt nicht mehr vorwärts, und dann öffnete sich dieses Wetterfenster für eine Süd-Passage des TSS. Dolan segelte unter die Top Ten.

Die Irrfahrt des Iren Tom Dolan vor Auderney. 20 Mal setzte er auf.

Dolan hatte schließlich die Passage geschafft, drehte aber frustriert um…

…Er lag weit hinten…

…und es eröffnete sich eine Möglichkeit.

Neun Jahre ist der 31-Jährige schon im Figaro-Zirkus dabei, aber nach dem Zieleinlauf sagt er:  “Das ist das Verrückteste, was ich je erlebt habe.” Die Stromkante von Alderney verpasste er gerade einmal um zehn Minuten. Aber so wurde er von der Flut zurückgedrängt.

Und er geriet in einen Wirbel, der ihn und Tanguy Le Turquais zu den Felsen “saugte”. 

”Der Kiel muss wohl zwanzig Mal auf die Felsen geschlagen sein. Ich warf den Motor an und konnte mich befreien. Tanguy hatte nicht so viel Glück. Ich erwarte nun eine Strafe von der Jury von vielleicht 25 Minuten oder so. Aber was sollte ich sonst tun?”

Schon umgedreht

Er wollte aufgeben, hatte schon umgedreht. “Aber dann bewegte sich das Hoch nach Norden, wo das Gros des Feldes segelte. “Also ankerte ich und bekam schließlich diese seltsame nächtliche Brise entlang der Küste von Alderney und schaffte es, nach Westen zu dümpeln. Dann kam der Wind aus dem Westen und ich war in den Top Ten.”

Vielen der Skipper mit den großen Namen, den alten Salzbuckel, den Stars half ihre große Erfahrung nicht dabei, diese Entscheidung richtig zu treffen. Armel Le Cleac’h fuhr sich im Norden fest wurde 36. und beraubte sich nach zwei starken ersten Etappen nun wohl aller Siegchancen mit nun 4:41 Stunden Rückstand.

Ebenso erging es dem zuvor zweitplatzierten 470er-Olympioniken Leboucher als 30. , “Charal”-IMOCA-Skipper Jérémy Beyou, und der Legende Loick Peyron, der sich als einer der Letzten für eine Nord-Umfahrung der Verbotszone entschieden hatte.

Alles auf eine Karte

Da kam ihm Yoanne Richomme schon entgegen. Der Gesamtführende drehte ganz spät auf Südkurs und setzte damit sehr viel auf eine Karte. Denn er entfernte sich damit von den direkten Konkurrenten in der Gesamtwertung. Das Spiel hieß Alles oder Nichts, volles Risiko!

Die Süd-Umfahrung war richtig.  Er kam zwar fast neun Stunden hinter den drei Sieger ins Ziel nahm aber dem bisherigen Zweiten gut eineinhalb Stunden ab. Seine Gesamtzeit reicht nun aus, um weiterhin eine solide Führung von 1:27 Stunden zu behalten. Gildas Mahé, einer der Ausbrecher ist nun Zweiter. Er schob sich mit seinem Coup vom 17. Platz so weit nach vorne.

War das nun Glück für Richomme? Oder hatter er das richtig Näschen? Setzte er seine Fähigkeiten bei der Wetter-Interpretation einfach besser ein, als die Konkurrenz? Es ist die alte Frage im Segelsport. Glück spielt sicher eine Rolle, aber meistens haben es immer die Tüchtigen.

Ergebnisse Solidaire du Figaro

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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