Solitaire du Figaro: Eingeparkt im Gegenstrom – Die Leiden eines Spitzenreiters

Der kleine Unterschied

Die dramatische dritte Etappe beim Solitaire du Figaro ist entschieden. Die drei “Ausreißer” wirbeln das Klassement völlig durcheinander. Für den Gesamtführenden kommt es besonders dicke.

Anthony Marchand hat das Rennen der Ausreißer bei der dritten von vier Solitaire-du-Figaro-Etappen für sich entschieden. Zuvor lag er auf Rang 24 mit einem Rückstand von gut 11,5 Stunden, nun gelang ihm der Lucky Punch vor den 17, und 18. der Gesamtwertung Gildas Mahé und Alexis Loison, die 11 Stunden auf den souverän führenden Yoann Richomme verloren hatten.

Der Sieger Anthony Marchand liegt in der Gesamtwertung 11 Stunden zurück auf Rang 24. Nun schiebt er sich weit nach vorne. © A. COURCOUX – LA SOLITAIRE

Aber der Spitzenreiter muss nun damit rechnen, dass ihm doch noch der nahe Gesamtsieg aus den Fingern gleitet. Von seinem Endspurt hängt es ab, ob er bei der letzten Etappe noch eine Chance gegen die drei Konkurrenten hat. Aber er muss erst einmal wahrlich dramatische Erlebnisse verarbeiten. Seine Geschichte bei dürfte ihn in Rekordzeit um Jahre altern lassen. 

Die Topp drei am Leuchtturm von Ushant. © A. COURCOUX – LA SOLITAIRE

Schließlich schien sich sein unglaublicher Siegeszug mit dem neuen Figaro 3 weiter fortzusetzen. Die Fachwelt rätselte schon, wie seine Dominanz nach den Plätzen 1 und 2 und insgesamt 2 Stunden 17 Vorsprung auf den ersten Etappen zustande kommen konnte.

Schließlich war Richomme nur Ersatzmann für Charles Caudrelier, der nach seiner Beförderung zum Ultim-Gitana-Skipper seinen neuen Figaro an den Nachfolger übergab. Der Route du Rhum Sieger in der Class 40 konnte sich eigentlich nur eineinhalb Monate daran gewöhnen. Allerdings wurde dann auch klar, dass er zuvor schon in einem anderen Figaro Projekt mitgearbeitet und einige Figaro 3 Trimm Sessions begleitet hatte. Dabei, so glaubt die Konkurrenz, hat er irgendeinen Kniff bei der Einstellung gefunden, der ihn besonders schnell macht.

Dreikampf bis zum Ziel © A. COURCOUX – LA SOLITAIRE

Allerdings hilft Speed nicht alleine. Schließlich sind die Gegner in einem 47 Boote-Feld kaum zu kontrollieren. Insbesondere seit die Reichweite des AIS Systems von 20 auf 3 Meilen verringert wurde. Die Konkurrenz gerät schnell außer Sichtweite.

Vielleicht deutete deshalb die Kurslinie des 35-jährigen Franzosen daraufhin, dass er scheinbar verwirrt hin und her irrte. Dabei segelte er anfangs erneut stabil unter den Top drei, kam dann aber nicht um diese verdammte Kanalinsel herum. Vier Stunden kreuzte auf der Stelle hin und her, bis er einen Lift um das Eiland herum erwischte. Die Natur spülte ihn immer wieder zurück, wie die unglaublichen Video-Aufnahmen zeigen.

Und danach wurde es nicht besser. Bei der Umfahrung des Verkehrstrennungsgebietes zwischen Plymouth und Cherbourgh parkte er wieder ein. Fast das gesamte Feld zog vorbei. Er drehte um. Wollte er aufgeben?

Richomme ging auf Gegenkurs. Er entschied sich spät für die Südumfahrung der Sperrzone. Etwas anderes blieb ihm auch kaum übrig. Seine direkten Konkurrenten waren im Norden längst außer Reichweite.

Aber es klappte. Der Franzose ist wieder bis auf drei Meilen an den Vendée-Sieger Desjoyeaux herangekommen, der außer Reichweite zu geraten drohte und auch in der Gesamtwertung eine Gefahr darstellt auf Rang 11. Aber die Legende verzockte sich massiv bei der Umfahrung von Ushant.

Vendée Legende Desjoyeaux verzockt sich. Er liegt mit Pape gleichauf…

…nimmt dann um Ushant herum den südlichen Weg…

…und verliert massiv.

So gibt Richomme im Moment alles, um vielleicht noch ein paar Minütchen von seinem 11-Stunden-Polster auf die Ausreißer zu bewahren. Es könnte klappen. Was für ein Wechselbad der Gefühle.

Tracker Solitaire du Figaro

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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