Solitaire du Figaro: Glück oder Genialität? – Mit einem Hammer-Start zum Erfolg

From Hero to Zero to Hero

Bei der Solitaire du Figaro stehen insbesondere die großen Namen im Blickpunkt. Wie schlagen sie sich, wenn sie nicht einfach einen schnelleren IMOCA unter dem Hintern haben? Besonders der Vendée Sieger zieht den Kopf nochmal aus der Schlinge.

Hammer Start von Richomme (l.) auf Steuerbord-Bug vor dem Feld. Aber danach fällt er weit zurück – um doch wieder vorne zu landen

Bei einem Rennen, das vier Tage dauert, sollte ein Start nicht besonders entscheidend sein. Aber Yoann Richomme dachte überhaupt nicht daran, sich an der Startlinie der am schwierigsten zu gewinnenden Einhand-Offshore-Regatta der Welt zurückzuhalten. Bei der Solitaire du Figaro geht es schließlich auch darum, seinen Sponsor ordentlich in Szene zu setzen. Und das funktioniert nur in der ersten Reihe.

Richomme (i.) beim Flautenduell mit dem früheren 470er Vize-Weltmeister Le Boucher kurz vor dem Fastnet Rock. © A. COURCOUX-LA SOLITAIRE

Nun ist Richomme nicht gerade der berühmteste Name der 46 Einhand-Piloten, die sich auf den Weg zur ersten von vier Etappen von Nantes nach Kinsale in Irland gemacht haben. Aber der 35-Jährige hat immerhin diese Regatta 2016 schon mal gewonnen, und er feierte im vergangenen Jahr in der Class40 mit dem Sieg bei der Route du Rhum seinen größten Erfolg.

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Richomme bei der Arbeit. Er gewann 2018 die Route du Rhum in der Class 40. © A. COURCOUX-LA SOLITAIRE

Das scheint ihm Selbstbewusstsein eingetrichtert zu haben. Ansonsten würde man einen Start mit Wind von Backbord kaum in Erwägung ziehen, wenn eine Flotte von 45 Gegnern nur darauf warten, ihn mit Wegerecht abzuschießen. Aber es funktioniert super, wie im Video zu sehen:

Bei kürzeren Rennen könnte so eine Eröffnung ein wichtiger Big Point für den späteren Sieg bedeuten. Aber es schadet ja auch nicht, sich früh vor die Gegner zu setzen und früh ein Held zu sein. 

Doch die Dramaturgie des Rennens sieht eine andere Rolle für ihn vor. Ganz schnell heißt es für Richomme: From hero to zero. Während er noch in den Top Ten die erste Tonnen rundet, fällt er bei der Belle Ile-Passage in die Zwanziger zurück und findet sich bei der West-Umfahrung des Verkehrstrennungsgebiet am  Ouessant Leuchtturm plötzlich auf Rang 42 wieder, während Altmeister Michel Desjoyeaux im Norden einen echten Coup landet und nach vorne stürmt.

Figaro

Armel Le Cleac’h verholt sich mit einem Extremschlag über die rechte Seite von ganz hinten noch ziemlich weit nach vorne.

Als dann aber mit Alain Gautier (57) ein Vendée Globe Sieger-Veteran zum Extremschlag weit nach rechts ansetzt, und auch Armel Le Cleac’h sich auf diese Weise aus einer fast hoffnungslosen Position am Ende des Feldes mit Glück oder Genialität zu befreien versucht – nach einem völlig verunglückten Ausflug unter die bretonische Küste – mag sich Richomme davon inspirieren lassen. Er hält auf seinem Kreuzschlag ebenfalls nahe am britischen Falmouth vorbei. Und plötzlich wird aus der Zero wieder ein Hero.

Am Fastnet-Felsen liegt er vorne und versucht auf dem letzten Vorwindkurs nach Kinsale die Konkurrenz im Griff zu behalten. Aber der Big Point ist längst gemacht. Bei der Figaro zählt nicht die Platzierung, sondern am Ende wird die Gesamtzeit addiert. Die hinteren Boote liegen nun schon 50 Meilen zurück.

Figaro Tracker

So geht es weiter: Die vier Etappen zwischen Frankreich und England:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Solitaire du Figaro: Glück oder Genialität? – Mit einem Hammer-Start zum Erfolg“

  1. avatar Fabian Tillig sagt:

    Seit wann haben segelboote mit wind von Backbord Wegerecht? Im Video sieht man auch recht gut, wie Yann einen blitzsauberen Backbordstart hinlegt…

    //Fabian

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