SPEED&Smarts über die Feinheiten der Strategie beim Start

"Keep the big picture in mind"

SCHRITT 4: Entwickeln der Gesamt-Strategie für den Start

Nun sollte man alles zusammen führen und eine Hauptstrategie erstellen.

Das Ziel ist es eine Startposition zu bestimmen und dabei alle Schritte zu beachten, die man direkt nach dem Start umsetzen will. Ist die Startlinie ausgeglichen, könnte die Strategie für die obigen Situationen folgendermaßen aussehen:

A) „Es ist wichtig schnell auf die rechte Seite zu kommen. Also wird am Startschiff gestartet und so früh wie möglich gewendet.“

B) „Da der Wind oszilliert, wird in der Mitte der Linie gestartet und jeder Dreher mitgenommen.“

C) „Der Strom wird zur linken Seite der Luvmarke schwächer. Also wird ungefähr zu einem Drittel der Linie von Lee entfernt gestartet und sich dann langsam weiter auf die linke Seite gearbeitet.“

Man beachte, dass in jeder Situation (A, B und C) die Position auf der Startlinie auch grob davon abhängt, auf man sich auf der ersten Kreuz positionieren möchte. Natürlich modifiziert man diese Überlegungen entsprechend den Ergebnissen aus Schritt 3.

Zum Beispiel kann man sich vorstellen, man bevorzugt die Mitte des Kurses, aber die Linie ist auf der rechten Seite um 10 Grad bevorteilt. Anstatt genau in der Mitte zu starten, sollte man sich in Richtung des Startschiffes orientieren. Eine gute Position könnte ein Viertel des Weges zum Startschiff sein. Genauso beachte man, dass es strategisch nicht nur wichtig ist, wo man auf der Linie startet, sondern auch, wo man sich im Verhältnis zum Rest des Feldes befindet.

In manchen Fällen mag die eine Seite des Kurses so stark bevorteilt sein, dass man die Ausrichtung der Linie überhaupt nicht zu berücksichtigen braucht. Oder die Linie könnte so schräg liegen, dass es das oberste Bestreben sein sollte einen guten Start am bevorteilten Ende hinzubekommen. Die Olympischen Spiel 1984, in Long Beach, Kalifornien, waren ein perfektes Beispiel. Wenn man schon öfter in Long Beach gesegelt ist, weiß man, dass die Abendbrise bekannt dafür ist langsam schrittweise nach rechts zu drehen. Viele Kreuzen werden so zu einem Einbahnstraßen-Rennen zur rechten Seite. Offensichtlich würde jeder am Startboot starten, um sofort wenden zu können, wenn die Rennleitung eine gleichmäßige Linie auslegen würde.

Die Rennleitung in Long Beach fand heraus, dass sie das Lee-Ende der Linie um 15 Grad bevorteilen musste, um die Boote auseinanderzuziehen. Das köderte einige Schiffe auf der linken Seite zu starten, weil sie das Gefühl hatten, dass die Verzerrung der Linie den Vorteil als erster auf der rechten Seite zu starten ausglich. Einige andere Booten fanden wiederum, dass der strategische Vorteil zur rechten Seite zu kommen mehr wert sei, als die Lage der Linie auszunutzen. Also starteten sie am Startschiff und wendeten sofort. Beide Startstrategien funktionierten jeweils in verschiedenen Rennen, was davon abhing, wie stark der Wind auf der ersten Kreuz tatsächlich nach rechts drehte.

Egal welche Strategie man wählt, eines der größten Vorteile bei der Startvorbereitung ist es, dass man, im Gegensatz zu anderen Entscheidungen während des Rennens, genügend Zeit hat, um alles mit der Crew zu besprechen. Ich versuche meine gesamte Crew vor dem Ankündigungssignal zusammenzubekommen, frage nach ihren Vorschlägen und erarbeite dann in der Gruppe eine grobe Strategie. Es ist eine großartige Möglichkeit um jeden zu beteiligen.

Webseite von David Dellenbaugh
SR Interview mit David Dellenbaugh vom 29.06.2011

 

Kurzportrait
David Dellenbaugh ist der Herausgeber und Autor der Taktik Publikation SPEED&Smarts. Er war Taktiker und Startsteuermann auf der „America 3“ während der erfolgreichen America´s Cup Verteidigung 1992 und segelte bei drei weiteren AC Kampagnen.
David ist Weltmeister in der Lightning-Klasse und er gewann zweimal das renommierte Match Race Congressional Cup, einmal den Canada’s Cup.
Zweimal wurde er US Meister im Match Race und sieben Mal in der Thistle-Klasse. Im Team Race holte er zweimal die wichtige Hinman Trophy.
Dellenbaugh war Redakteur bei der Zeitschrift Sailing World und schrieb die viel gelesene Kolumne „Around the buoys“. Er schrieb zahlreiche Artikel zum Thema „Small Boat Sailing“ und zum Lernen der Regeln. Als marketing Dierektor von North Sails produzierte , he wrote the North U. Fast, Smart, One-Design and Cruising courses. He is currently a member of the US Sailing Racing Rules Committee (and was its chairman from 2005-2008).

Ein Kommentar „SPEED&Smarts über die Feinheiten der Strategie beim Start“

  1. avatar Manfred sagt:

    Prima Sache, Eure Zusammenarbeit mit Dave die Dose!
    Danke für die Übersetzung.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *