Spindrift Trimaran: Ruderschaft gebrochen – Die Schaden-Analyse beim Jules Verne Versuch

"Eigentlich nichts falsch gemacht!"

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Als noch alles gut war. Der 40 Meter Tri auf Rekordkurs. © Chris Schmid / Spindrift racing

Yann Guichard ist mit seinem 40 Meter Trimaran “Spindrift 2” fünf Tage lang nach Fremantle gehumpelt. Er deckt auf, was zum Abbruch der Rekordfahrt um die Welt geführt hat.

Die Situation war offenbar ernster, als sie bisher vom Spindrift Shore Team kommuniziert wurde. Yann Guichard und seine elf Männer konnten sich an Bord der Spindrift 2 nämlich keineswegs sicher sein, dass sie nach ihrem Ruderschaden auf Hoher See und der darauf folgenden Entscheidung zum Abbruch ihrer Rekordfahrt wirklich problemlos Australien erreichen würden. Fünf Tage und Nächte verbrachten sie in ständiger Sorge um das beschädigte Ruder des Maxi-Trimarans. Nach Ankunft im Hafen von Fremantle, nahe Perth hat nun eine genaue Schadensanalyse ergeben, dass es nicht möglich sein wird, auf eigenem Kiel zurück in die Bretagne zu segeln. Der riesige Trimaran wird schon in den nächsten Tagen auf einen Frachter verladen, um huckepack zurück Richtung Bretagne zu reisen.

„Die gesamte Crew und fünf weitere Shoreteam-Mitglieder werden den Tri zum Transport vorbereiten. Die Ruder müssen entfernt und der Mast gelegt werden.  Dass offenbar auch das Backbordruder in Mitleidenschaft gezogen wurde, macht uns einiges Kopfzerbrechen. Hier muss noch viel analysiert und untersucht werden. Reichlich Arbeit, auch für die Spezialisten in der Werft!“ kommentierte Yann Guichard einige Stunden nach der Ankunft in dem australischen Hafen.

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In Australien gestrandet. © Christophe Espagnon / Spindrift racing

„Die Problematik mit dem Ruder an Steuerbord begann kurz nach den Kergueleninseln. Thierry Chabagny steuerte und meldete plötzlich, dass sich das Ruder sehr schwergängig anfühle. Wir waren uns jedoch alle sicher, dass wir nichts gerammt oder irgendwie getroffen hatten. Das Boot segelte auf Steuerbordbug unter Downwind-Gennaker. Weil das Malheur nachts passierte, versuchten wir es erstmal mit klassischer Schadensanalyse: Stehen die Ruder noch parallel, stimmt die Spannung der Lenkseile oder hängt bzw. klebt irgendwas an den Ruderblättern? Aber nichts von alledem… 

Der Trimaran ließ sich nur noch sehr schwer anluven, fiel nur träge ab und eigentlich machte das Boot, was es wollte. Bei Tagesanbruch konnten wir dann sehen, dass eine Verbindung zwischen den Ruderlagern auf der Steuerbordseite gebrochen war. Im Prinzip war das Ruder zu nichts mehr zu gebrauchen – es bewegte sich lateral und mit den Wellen.“

Alle an Bord waren natürlich zutiefst enttäuscht. Immerhin hatte der schwarz-goldene Trimaran ja schon einen Rekord eingestellt und das Wetterfenster für den Southern Ocean und das Kap Hoorn machte einen ausgezeichneten Eindruck. 

Nochmals Yann Guichard:

„Wir waren richtig gut aufgestellt, die Bedingungen waren günstig… und dann das! Nach dem Mastbruch im vergangenen Jahr ist dies nun schon das zweite Mal, dass uns das Material einen Strich durch die Rechnung macht. Immerhin hatten wir noch Glück im Pech, denn es hätte uns auch das ganze Ruder aus dem Rumpf reißen können. So können wir nun immerhin feststellen, ob es sich bei dem Bruch in der Ruderanlage um einen Herstellerfehler oder um eine falsche Struktur- und Belastungsberechnung handelt. 

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Die 12-köpfige Crew. © Christophe Espagnon / Spindrift racing

Nach dem Abbruch der Rekordfahrt, auf der Überfahrt nach Australien waren wir wie auf Eiern unterwegs. In den hohen Wellen puschten wir den Tri nie mehr als nur gerade eben nötig. 

Spindrift 2 ist derzeit deutlich schneller unterwegs als noch vor drei Jahren bei unserem ersten Versuch. Wir hatten tatsächlich alle Trümpfe in der Hand, obwohl unsere Bedingungen im Indischen Ozean nicht ganz so gut waren wie beim Rekordhalter IDEC Sport. Es ist wirklich frustrierend zu wissen, dass wir weder etwas falsch gemacht noch etwas unter Wasser gerammt haben.“

Wenigstens habe man gezeigt, dass „Spindrift 2“ sehr schnell ist, so Guichard weiter. Den Rekord zwischen der bretonischen Insel Ouessant und dem Äquator habe man sich trotz acht oder neun Halsen geholt – im Gegensatz zu nur einer Halse vor drei Jahren. Die Kombination aus niedrigerem Mast und neuen Querträgern bewirke, dass die Schwimmer deutlicher weniger tief ins Wasser tauchen und überhaupt weniger benetzte Fläche als zuvor aufweisen. 

Yann Guichard: „Auch das Team war klasse. Die Chemie stimmte, jeder schlüpfte schnell in seine Rolle. Zudem haben sich die Änderungen am Kajütaufbau bewährt. So waren wir wirklich gut gegen Wind, Wasser und Kälte geschützt. Wir sind ja immerhin bis auf 55 Grad Süd vorgedrungen und fuhren im 2 Grad kalten Wasser Slalom zwischen den Eisbergen.“

Yann Guichard mit seiner Partnerin Donna Bertarelli, die diesmal nicht mit an Bord war © stichelbault/spindrift

Zu einem neuen Angriff auf die Jules Verne Trophy wollte sich Guichard nur verhalten äußern: „Wir müssen jetzt erstmal Bestandsaufnahme machen, uns mit allen Beteiligten treffen, tatsächlich herausfinden, was und wie es kaputt gegangen ist und dann eben neu bauen.“ Schäden am Rudersystem seien bei den riesigen Trimaranen nicht mal eben schnell mit einem Austausch der Ruderblätter erledigt. Da müsse man tief ins Detail einsteigen, um nicht nochmals das gleiche Problem zu erleben. „Und außerdem sind die Werften in dieser Saison alle Tag und Nacht ausgelastet, so Guichard weiter. „Mal sehen, ob wir im nächsten Winter wieder für den Rekordversuch an den Start gehen werden!“ 

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