Spitzenförderung: DSV im Clinch mit STG

Angespanntes Verhältnis

Michael Ashelm schreibt bei der FAZ regelmäßig über den Segelsport. Sein jüngstes Print-Stück vom 8.5 beschäftigt sich mit den Reibereien zwischen DSV und STG. Kommt genug Geld bei den Seglern an?

dsv logoDer auf Weltklasseniveau nicht gerade erfolgsverwöhnte deutsche Segelsport steht fünf Jahre nach einer grundlegenden Reform wieder vor Veränderungen. Es geht dabei nicht nur um die Verbesserung der Förderung für die Top-Segler im Hinblick auf die Olympischen Spiele, sondern auch um eine Neuordnung des angespannten Verhältnisses zwischen dem Deutschen Segler-Verband (DSV) und der 2009 ausgegliederten Nationalmannschaft.

Die nennt sich Sailing Team Germany (STG). “Wir werden unsere Spitzensportförderung neu ordnen”, sagte der neue DSV-Präsident Andreas Lochbrunner dieser Zeitung. “Wir können uns hier in Zukunft keine Parallelstruktur bei STG und DSV leisten. Das geht nicht. Wir müssen das alles unter dem Dach des DSV auf eine Schiene setzen. Als Spitzensportverband muss der DSV hier die Federführung haben und kann das nicht an einen Dienstleister, der ohne Frage hervorragende Arbeit geleistet hat, delegieren.”

Er bestätigte, dass sich derzeit die Prüfungsgesellschaft KPMG und auch Rechtsanwälte mit der STG und einer Reorganisation beschäftigten. Ein harter Eingriff – droht der große Krach?

Es gehe nicht um eine Konfrontation, sondern um einen neuen, besseren Kurs, wie Lochbrunner betonte. Dahinter steht offenbar auch die Frage, ob von dem Sponsoring-Volumen über Partner wie Audi und SAP unter dem Strich in der Verantwortung des STG genug Geld bei den Sportlern angelangt.

“Wir als DSV sind verpflichtet zu überprüfen, ob Mittel, die für die Förderung des Spitzensportes vorgesehen sind, auch dort ankommen”, sagt Lochbrunner. Und wenn am Ende dieses Prozesses die Prüfer grünes Licht gäben, stärkte dies die Glaubwürdigkeit und Seriosität aller Beteiligten. “Das sehen unsere Partner vom STG-Management genauso und unterstützen deshalb diese Prüfung vollumfänglich”, sagte Lochbrunner.

Das Sailing Team Germany war 2009 auf Initiative ehemaliger Spitzensegler gegründet worden und hatte sich – begleitet von Reibereien – vom DSV eigenständig gemacht. Dahinter stand ebenfalls die Absicht, die Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine moderne Förderstruktur aufzubauen.

Bei Olympia in Peking 2008 belegte das DSV-Team Rang 14 in der Nationenwertung, in London 2012 gewann es keine Medaille. Die Verantwortlichen beim STG zeigten von Beginn an Ambitionen und Innovationskraft. Über Werbepartner werden pro Jahr vier Millionen Euro eingenommen und in unterschiedliche Maßnahmen gesteckt. Zudem wurde in Kiel eine Akademie zur Unterstützung der besten Segler aufgebaut. Dies wurde gerade unter den Aktiven als großer Fortschritt bewertet.

Das STG gründete ebenfalls das erfolgreiche Format einer Segel-Bundesliga. STG-Geschäftsführer Oliver Schwall erkennt in der vom DSV initiierten Prüfung offenbar keinen Affront gegenüber der Arbeit der Nationalmannschaft. “Wir sehen darin eine wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit und begrüßen deshalb diesen Prozess”, sagte er auf Anfrage.

Beide Seiten räumen ein, dass die Zielgerichtetheit der Förderung durch eine Parallelstruktur beeinträchtigt werde. Beide Organisationen beschäftigen Trainer und Spezialisten für die Segler, der DSV hat eine eigene Sportdirektorin. Durch das hierarchische Durcheinander kommt es zu Führungsquerelen und Unstimmigkeiten.

Der große sportliche Erfolg hat sich auch beim STG noch nicht gezeigt. Olympia in Rio gilt als große Probe des Systems. “Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen immer die Sportler und die Interessen unserer Sponsoren. Dafür setzen wir uns ein”, sagte Schwall.

 

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4 Kommentare zu „Spitzenförderung: DSV im Clinch mit STG“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Warum schauen alle nur auf Olympia und die errungenen Medaillen wenn es um Spitzensport geht. Sind WM und EM nicht auch Topveranstaltungen. Hier finden sich m.E. schon regelmäßig Erfolge deutscher Segler. Wenn aber Olympia soviel wichtiger ist, sollten sich DSV, STG usw. Gedanken machen, warum denn bei Olympia meist nur sehr wenige Medaillen herauskommen. WM- Titel oder Vizetitel aber schon an deutsche Segler gehen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 33 Daumen runter 0

  2. avatar indubioproastrapils sagt:

    DSV-
    sich Gedanken machen, ausser als an Geld?
    Wär mal was neues.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 11

    • avatar hurgahman sagt:

      Aber Aber, der DSV macht sich doch nicht nur Gedanken um Geld.
      Der DSV macht sich nur und ausschließlich Gedanken um den DSV und seine Hybris.
      Könnte doch so ein geiler Funktionärsjob sein wenn die blöden Segler nicht währen.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 4

  3. avatar outsider sagt:

    Woher eigentlich die Gesprächsbereitschaft seitens STG?

    Nach dem Motto “die Kuh ist gemolken, jemand anders kann sie schlachten”?
    Mal schauen wer sich am Ende wirklich und nachhaltig den olympischen Medaillen widmet und nicht nur abkassiert.

    Welchen “Fortschritt” hat denn die STG Akademie geliefert? Kann der Autor da mal zahlen liefern; welche Innovationen funktionieren und wieviel Geld wurde dafür investiert? Das wäre mal ein vernünftig recherchierter Artikel gewesen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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