SSL Finals Bahamas: Warum Klassenneulinge die Starboot-Legenden verdrängen können

Das Rätsel der VIP Erfolge

Es ist für eine angestammte Klasse nicht angenehm, wenn Quereinsteiger auf Anhieb vorne mitsegeln. Das zeugt meist von geringer Qualität. Wie sind die Ergebnisse der SSL zu erklären?

Star Sailors League

Finn-Silber-Gewinner Vasilj Zbogar hat sich mit einem Sieg unter die Top Ten geschoben. © SSL/Marc Rouiller

Nach dem zweiten Tag der Star Sailors League Finals auf den Bahamas lässt sich schon ein Bild vom aktuellen Leistungsstand der Segler zeigen, die sicher klassenübergreifend zu den besten der Welt gehören. Dabei scheint es erstaunlich, dass sich nach sechs Rennen gleich vier Teams unter die Top Ten geschoben haben, die noch nie eine große Starboot-Regatta zusammen gesegelt haben.

Star-Weltmeister wie die Amerikaner Cayard, Szabo, Diaz, der Brasilianer Torben Grael und Robert Stanjek mit Frithjof Kleen finden sich dagegen auf den hinteren Plätzen wieder. Wie ist das möglich?

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Laser Silber-Gewinner Tonci Stipanovic hat intensiv mit dem Starboot trainiert und segelt in den Top Ten. © SSL/Marc Rouiller

Zum einen ist das aktuelle Niveau in der Starboot-Klasse natürlich nicht so hoch wie zu den Zeiten, als noch Olympiamedaillen zu gewinnen waren. Aus einer Profi-Klasse ist eine Amateur-Liga geworden. Die Spitzenteams verbringen mit dem Boot deutlich weniger Zeit auf dem Wasser.

Erfahrene Vorschoter

Dazu kommt, dass die Einhandsegler aus dem Finn (Høgh-Christensen, Olezza, Zbogar) und Laser (Stipanovic), die in den Top Ten liegen, sehr erfahrene Vorschoter mit Olympia-Kampagnen-Erfahrung zugewiesen bekommen haben. Ihr Wert wird bei diesem Kielboot traditionell unterschätzt.

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Selbst Finn-Champ Jonas Høgh-Christensen (DEN) scheint nach vier Rennen müde zu sein. © SSL/Marc Rouiller

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…Kein Wunder, wenn er so extrem ausreitet. © SSL/Marc Rouiller

So ist die größte Überraschung das gute Abschneiden des erst 22-jährigen Argentiniers Facundo Olezza, der als einziger im Feld noch keine WM oder Kontinental-Titel voerweisen kann. Er segelt mit dem Portugiesen Frederico Melo, der 2012 in London Star segelte und auch bei der Extreme Sailing Series aktiv ist.

Der wichtigste Faktor ist aber die Regeländerung, die für die Star Sailors League gilt: Es darf gepumpt werden. Die Altstars der Starboot-Klasse beherrschen diese Technik nicht so gut, auch weil sie gegenüber den jungen, fitten Jollenseglern physische Defizite haben.

Pumpen erlaubt

Dabei ist die Technik aus dem Finn Dinghy nicht eins-zu-eins übertragbar, da es nicht möglich ist das Großsegel auf direktem Schotweg zu pumpen. Ein Zug an der Schot vom Großbaum aus holt das Segel nur wenig dicht durch den langen Weg über die Heckschotführung.

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Schönes klares Wasser auch für Jochen Schümann, aber bisher läuft es noch nicht… © SSL/Marc Rouiller

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…Eine verpatzte Tonnenrundung ist nur einer der Gründe für Platz 22 bisher. © SSL/Marc Rouiller

Dafür wird aber durch das permanente Rollen vor dem Wind die Luftströmung am Segel erhöht und in zusätzlichen Vortrieb umgewandelt. Gerade auf dem Vorwindkurs sind die Newcomer sehr schnell.

Und mit der Starboot-Technik und Taktik auf dem Kreuzkurs haben die Einhandsegler traditionell wenige Probleme. Schon immer rekrutierten sich die besten Starboot-Segler aus den Reihen der Jollen-Elite, und sie benötigten wenig Zeit, um sich einzugewöhnen.

Scheidt, Negri, Mendelblatt und Rohart, die aktuellen Namen an der Spitze, die auch noch im letzten Olympia-Jahr 2012 die Saison dominiert hatten, kommen allesamt aus dem Laser und Finn. Sie behaupten noch einen Vorsprung, und es wäre eine große Überraschung, wenn sie nicht wieder die Spitzenplätze unter sich ausmachen.

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Robert Scheidt lässt auch auf dem kurzen Reacher nichts anbrennen. © SSL/Marc Rouiller

Ergebnisse SSL Finals 2016

Die Pressemitteilung vom zweiten Tag:

Robert Scheidt & Henry Boening (BRA) führen die Qualifikationsrunde des SSL Finals 2016 in der Montague Bucht nach einem herausragenden Segeltag an. Siego Negri & Sergio Lambertenghi sind trotz Wettfahrtsiegen auf Platz zwei zurückgefallen. Mark Mendelblatt & Brian Fatih (USAliegen auf Platz drei. Sieben Stunden Regattasegeln in der tropischen Hitze in der Montagu Bucht habe die physischen und mentalen Grenzen der Teams am Mittwoch getestet. Am Abend lagen in der Qualifikationswertung nach insgesamt sechs Rennen fünf VIP-Teams in den Top Ten.

Mark Mendelblatt sagte:
“Nur in einem Rennen des heutigen Tages konnten wir uns nicht in den Top Fünf platzieren. Es war ein großartiger Tag für uns. Wir sind in schönem Wind ziemlich gut gestartet, dann konservativ gesegelt. Wir haben jetzt schon Halbzeit und eine Chance auf den Sieg, was bei diesem Format ziemlich wichtig ist. Ich liebe es, wieder hie rzu sein. Es ist hart. Insbesondere mit vier Rennen an einem Tag. Aber die Boote sind großartig.“

Drei VIP-Teams haben die Flotte auf der Jagd nach den drei Spitzenreitern angeführt: Jonas Høgh-Christensen (DEN) & Stevie Milne (GBR) führen das Feld der geladenen Teams an. „Rookie“ Facundo Olezza (ARG) & Federico Melo (POR) sowie Tonci Stipanovic & Ante Sitic (CRO) konnten sich am zweiten Tag des SSL-Finales ebenfalls über starke Leistungen freuen und beendeten den Tag als Vierte und Fünfte im Zwischenklassement. Wie ein Meteorit stiegen die Kroaten auf, hatten den Regattatag zunächst als 21. eröffent. Doch am Dienstag steuerte Laser-Silbermedaillen-Gewinner Tonci Stipanovic seine Crew zu vier Top-Ten-Platzierungen, darunter zwei Podiumsplätze.

Drehende und leichtere Winde als noch am Vortag mit abnehmender Tendenz machten den Start am Mittwoch zu einer der wichtigsten Kriterien für gute Platzierungen. Ein gelungener Start wurde zu einer der wichtigsten „Waffen“ im Kampf um den Einzug in die Finalrunden. Robert Scheidt & Henry Boening haben sich bei ihren Starts konsquent in der Mitte der flotte positioniert und schockten die Konkurrenz mit vier Podiumsplätzen, darunter der zweite Rennsieg bei dieser Regatta in der letzten Wettfahrt des Tages.

Vasilij Zbogar (SLO) & Zsombor Berecz (HUN) erlebten einen denkwürdigen Tag: Sie heimsten drei Top-Ten-Platuierungen ein, darunter ein darunter einen monumentalen Sieg in Rennen fünf. In diesem Stil konnte sich das Team stark verbessern und liegt nun ebenfalls in den Top Ten.

Vasilij Zbogar sagte:
“Gestern war ein einziger Albtraum. Ich wusste nicht, dass die Backstagen am Wind in Position bleiben können. Gestern habe ich also die Backstagen nach jeder Wende justiert… Heute war es viel einfacher und der Sieg war großartig! Uns sind ein paar gute Starts gelungen und wir waren in diesen Bedingungen schnell unterwegs. Vor dem Wind sind wir am Ende geflogen, haben hart gearbeitet. Zsombor sprang wie Spiderman über das Boot. Aber das war gut.“

Johannes Polgar & Markus Koy (GER) fielen nach einem harten Tag auf dem Wasser von Platz vier auf Platz acht zurück. Dennoch sind sie mit großem Abstand weiterhin das beste deutsche Team.

Johannes Polgar sagte:
“Wir waren bis zum letzten Rennen des Tages ziemlich konstant und gut dabei. Dann aber haben wir gegen Ende der letzten Wettfahrt ein paar Plätze eingebüßt. Dazu hat sich ein riesiges Bündel Seegras in unserem Kiel verfangen. Aber wir haben ja einen Streicher, oder? Das war dann also unserer. Unser Ziel ist ein Platz in den Top Ten. Das wollen alle anderen auch.“

Für die nächsten beiden Tage sind bis zum Cut weitere fünf Rennen geplant. Die besten zehn Mannschaften qualifizieren sich für die Finalläufe der SSL. Auf dem heißen Stuhl sitzen aktuell Finn-Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz & Dominik Zycki (Polen), die bislang bei fast allen SSL-Regatten eine Podiumsplatz erkämpfen konnten.

Die Rennen des SSL Finals um insgesamt 200.000 US-Dollar Preisgeld werden morgen mit dem dritten Qualifikationstag fortgesetzt. Die Live-Berichterstattung beginnt um 17 Uhr deutscher Zeit.

Alle noch folgenden Regattatage werden live im Internet übertragen. Zu den Gast-Kommentatoren und Experten zählen unter anderen der viermalige America’s-Cup-Gewinner Dennis Conner und mit Luke Patience der olympische Silbermedaillen-Gewinner von 2012. Auf dem Wasser bürgt die jüngste Hightech-Kamera-Generation für spektakulär-spannende Bilder. Die Virtual-Eye-3D-Grafiken zeichnen das Geschehen leicht verständlich nach.

Weil die SSL-Zuschauer in allen Teilen der Welt zuhause sind, wird das Internet unser Stadion sein. Vom 29. November bis zum 4. Dezember werden alle Wettfahrten hier live gezeigt:. Die Startzeit der Übertragung ist jeweils mit 16 Uhr angegeben, zuletzt wurde es aber auch 16:40 Uhr

Day 2 Replay:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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