SSL Gold Cup: Buhl, Schümann, Kleen für Deutschland – Gescheiterter Coutts-Cayard-Coup

"So was gab's noch nie"

Es gab schon einige Versuche, eine echte Weltliga im Segelsport zu etablieren. Paul Cayard propagierte sie schon vor 12 Jahren mit einem alten Bekannten. Nun könnte es tatsächlich klappen, und Deutschland steckt mittendrin. Die Stimmen.

Russell Coutts sorgte vor zwölf Jahren in der Welt des Segeslpots für Aufsehen, als er einen Onedesign Profi-Segelzirkus aus der Taufe heben wollte. Damals kündigte er Schulter an Schulter mit Paul Cayard die Zusammenarbeit mit dem renommierten portugiesischen Sport Promoter João Lagos an. Der ehemalige Davis Cup Spieler hatte zuvor erfolgreich Golf, Tennis, Reiten, Surfen und Beach Volleyball vermarktet. Nun sollte Segeln dazu kommen.

Trotziges Kind

Coutts war für den America’s Cup 2007 von Ernesto Bertarelli nach einem Streit bei Alinghi auf das Abstellgleis geschoben worden, und so hatte der Neuseeländer Zeit, an einem Gegenentwurf zum Cup zu basteln.

SSL Gold Cup

Die Repräsentanten der ersten 20 Nationen für den SSL Gold Cup treffen sich in Lausanne. © SSL GC

Aber zur Blütezeit des America’s Cups in Valencia mit zwölf Syndikaten schien das wie die Reaktion eines ausgesperrten trotzigen Kindes. Die Weltliga war gleichbedeutend mit dem Cup. Dort hatten die besten Segler der Welt die Chance, sich zu messen. Und sie zeigten ihre Fähigkeiten bei diversen Match-Race-Regatten, die den Marktwert bestimmten.

Eine Alternative war nicht nötig. Das System funktionierte einigermaßen. Auch deshalb scheiterten die Pläne. Niemand konnte wissen, dass der folgende Streit zwischen Larry Ellison und Ernesto Bertarelli die professionelle Segelszene fast ein Jahrzehnt lahm legte.

SSL47

So ähnlich soll die SSL47 aussehen.

Elf Jahre nach dem gescheiterten Coutts-Cayard-Coup verlor der Neuseeländer nach der Niederlage beim America’s Cup erneut den Zugriff auf die wichtigste Segelveranstaltung und hob wieder eine Alternative aus der Taufe: Den SailGP mit den schnellsten Segelbooten der Welt. Larry Ellison sorgt in den ersten drei Jahren für die finanzielle Sicherheit.

Alte und junge Garde

Da ist es ein erstaunlicher Dreh im Laufe der Ereignisse, dass ausgerechnet sein damaliger Partner Paul Cayard an die Pläne von damals anknüpft mit dem SSL Gold Cup. Die Resonanz in der internationalen Segelszene ist begeisternd. Das Format bindet die alte Garde besser in die Bemühungen ein und lässt auch Platz für die junge.

Das deutsche Team mit Jochen Schümann und Philipp Buhl ist wohl das beste Beispiel. Und besonders der Starboot-Spitzenvorschoter Frithjof Kleen in einer Schlüsselrolle als Team Kapitän ist ein gutes Beispiel dafür, wie in einem Nationalteam die Segler aus den verschiedenen Welten zusammengeführt werden. Er ist einer der wichtigsten Triebfedern bei der Entwicklung der gesamten Veranstaltung.

Seinen Vermittungskünsten ist es wohl zu verdanken, dass tatsächlich neben Jochen Schümann auch Markus Wieser im deutschen Boot sitzen könnte. Viel Verbindendes gab es zuletzt nicht zwischen den beiden herausragenden Legenden, die das deutsche Profi-Segeln geprägt haben.

Seit Schümann als Teamchef für das geplante zweite deutsche America’s Cup Projekt nach 2007 nicht Wieser sondern Karol Jablonski nominiert hatte, war die Stimmung nicht besonders gut. Aber das Projekt kam ohnehin nicht zustande,und es liegt nun auch schon mehr als zehn Jahre zurück.

Event Website SSL Gold Cup

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Carsten Kemmling

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