Star Sailors League: Einbeiniger Grael mit Laufsieg – Olympioniken segeln vorne

Die alte Hackordnung

Der zweite Renntag beim Finale der Star Sailors League in Nassau hat die bekannten Klassen-Spezialisten an die Spitze der Rangliste gespült. Mendelblatt führt vor Scheidt.

Beim Starboot-Finale der eigenen Liga (SSL) auf den Bahamas ist in diesem Jahr kein Platz für Überraschungen. Nach dem zweiten Regattatag, an dem drei Rennen gesegelt wurden, haben es die klassenfremden eingeladenen Spitzensegler schwer, die nächste Runde zu erreichen. Die alte Hackordnung in der Klasse scheint sich zu manifestieren.

Anders als 2017, als noch Frithjof Kleen den Laser- und Moth-Champion Paul Goodison zum Sieg führen konnte, haben es die VIPs es diesmal deutlich schwieriger, den Cut der Top Ten zu schaffen. Allein dem Finn Dinghy-Weltmeister Zsombor Berez aus Ungarn könnte der Einzug in die nächste Runde gelingen. Er lieferte am zweiten Tag eine der besten Tagesleistungen ab und zeigt einmal mehr, wie sehr die geltende Gewichtsregel im Starboot stark ausreitende schwere Steuerleute bevorzugt – Berez wiegt 94 Kilogramm und kann mächtig Druck auf die Kante bringen, wenn es nötig ist.

Der Finn-Weltmeister aus Ungarn bricht den Mast. © SSL Marc Rouiller

Dabei ist besonders bemerkenswert, dass der 32-jährige Shooting Star der Finn-Klasse nicht etwa mit einem erfahrenen Starboot-Vorschoter segelt, sondern mit Michael Maier. Der 54-jährige und 105 Kilo schwere Tscheche ist das Urgestein der Finn-Dinghy-Klasse. Er war früher zu besten Zeiten schon einmal Weltranglisten-Zweiter, punktete zuletzt aber besonders bei den Finn Dinghy-Masters, wo er viermal im Mammut-Feld den WM-Titel holte.

Das Duo belegt vor dem letzten Qualifikationstag Rang zehn, muss allerdings befürchten, dass sich Olympiasieger Frederik Lööf langsam daran erinnert, wie man einen Star schnell segelt. Der Schwede hat noch Probleme sich nach langer Pause sich mit dem Kielboot und dem neuen italienischen Vorschoter Edoardo Natucci zurechtzufinden.

Von der vielbetexteten Neuauflage des Dreikampfes unter den London-Olympiamedaillen-Gewinnern ist die Veranstaltung jedenfalls weit entfernt. Iain Percy reiste wegen neuer Cup-Verpflichtungen überstürzt ab, und Robert Scheidt segelt in einer anderen Liga.

Wie der Mastbruch von Hamish Pepper passierte… © SSL Marc Rouiller

© SSL Marc Rouiller

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Der Brasilianer, der seinen Olympia-Versuch im 49er vor gut einem Jahr abbrach, und im Alter von 45 Jahren mit einer weiteren Laser-Kampagne liebäugelt, hat 2018 mehr Trainingsstunden im Starboot verbracht als üblich. Er wohnt am Gardasee direkt neben dem neuen Trainingszentrum der SSL, das maßgeblich von Frithjof Kleen betreut wird, und nutze die Gelegenheit, mit dem Kielboot aufs Wasser zu kommen.

So schaffte er es die Defizite des fehlenden Körpergewichtes auszugleichen und bestätigt wieder einmal seine Rolle als Top-Favorit beim SSL Finale. Aber besonders seine Fähigkeit, taktisch und technisch vor dem Wind besser als die Konkurrenz zu segeln, hilft ihm zurzeit in Nassau.

Freies Pumpen kein Vorteil für Finnsegler mehr

Auch der Amerikaner Mark Mendelblatt kommt traditionell auf den Bahamas gut zurecht und segelt nahezu mühelos Spitzenplätze. Er hat den Vorteil, dass er als einer der wenigen London-Olympioniken mit Brian Fatih den 109 Kilo-Vorschoter an der Seite hat, mit dem er auch die Vorbereitung auf 2012 absolvierte. Das gilt aus der Spitzengruppe nur noch für Matheusz Kusnierewicz, der mit Dominik Zycki solide auf Platz sechs liegt.

In den vergangenen Jahren hatte noch die freigegebene Pumpregel dafür gesorgt, dass insbesondere die eingeladenen Finn-Dinghy-Segler eine Chance gegen die Spezialisten haben. Aber dieser Vorteil ist verpufft. Die Olympioniken haben die Schaukel-Technik optimiert. Und längst ist klar, dass es nicht um ‘viel hilft viel’ wie im Finn geht.

Die VIPs bekommen kaum eine Chance. Und das Starboot erweist sich beileibe nicht als der Gleichmacher, den die Organisatoren in der Klasse gerne sehen möchten. Superstars wie Nacra17 Weltmeister Ruggero Tita (ITA) oder 470er und 49er Champ Sime Fantela (CRO) kommen allein schon mit ihren 71 und 69 Kilo Steuermannsgewicht nicht in Fahrt.

Grael nach Motorbootunfall

Laser-Weltmeister Pavlos Kontides sollte auf dem Papier bessere Möglichkeiten haben mit Markus Koy an der Vorschot. Aber auch dieses Duo kommt nicht ran an die Spezialisten, von denen insbesondere ein Lars Grael eine erstaunliche Leistung bei stärkerem Wind ablieferte.

Der brasilianische Doppel-Medaillengewinner im Tornado, der nach einem Motorbootunfall ein Bein verloren hat, konnte als einziger Skipper schon zwei Laufsiege verzeichnen. Besonders beim letzten Rennen mit stärkerem Wind überraschte er. Allerdings setzte Grael auch auf volles Risiko, segelte alleine auf die vermeintlich schlechtere rechte Seite und lag schließlich mit großem Vorsprung vorne.

Pavlos Kontides kommt mit Markus Koy noch nicht auf Speed. © SSL Marc Rouiller

Aber die eigentliche Überraschung ist ein weiterer Landsmann aus Brasilien. Jorge Zarif könnte auch als VIP geladen sein, da er eigentlich einer der weltbesten Finnsegler ist. Nach zwei Weltcupsiegen 2018 liegt er zurzeit auf Rang zwei der Weltrangliste. Aber für Nassau qualifizierte er sich durch den überraschenden 2018 Starboot-WM-Titelgewinn in den USA.

Es traten zwar nur wenige Spitzensegler im 60 Boote Feld an, aber immerhin verwies der 26-Jährige mit Guilherme de Almeida an der Vorschot Melleby, Cayard, Negri und Szabo auf die Plätze. Nun liegt er stark platziert auf Rang drei. Aber die Star-spezifische Vorbereitung inklusive der WM machen offenbar den Unterschied zu den Klassenkollegen aus.

Mastbruch auch am zweiten Renntag beim tschechischen Finnsegler Ondrej Teply. © SSL Marc Rouiller

Am zweiten Tag der Regatta war immer noch das heftige Finalrennen des vergangenen Tages in aller Munde, als es zu zwei Mastbrüchen gekommen war. Eine Sturmfront zog über das Regattafeld und brachte einige Crews in große Schwierigkeiten. Der Neuseeländer Hamish Pepper brach den Mast wie auch der Ungar Berecz. Diego Negri fiel bei einem Strafkreis über Bord und konnte nur mühsam von Frithjof Kleen geborgen werden. Sie wurden Letzte in dem Lauf, konnten das Resultat aber bisher als Streicher kompensieren.

Als die Böe über das Feld zieht:

Live-Übertragung vom zweiten Renntag:

SSL Final Ergebnisse

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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