Starboot WM: Stanjek/Kleen bestätigen Favoritenrolle nach dramatischem Finale

Weltmeister!

Robert Stanjek und Frithjof Kleen sind Starboot-Weltmeister 2014. Das deutsche Olympia-Duo von 2012 siegte im 87 Boote Feld mit zwei Punkten Vorsprung.

Robert Stanjek Frithjof Kleen

Robert Stanjek Frithjof Kleen dürfen ab sofort den goldenen Star im Segel führen. © Marc Rouiller/SSL

Nach der großen Enttäuschung kommt der große Erfolg. Robert Stanjek hat nach der Nichtberücksichtigung für das holländische Volvo Ocean Race Team Brunel zusammen mit Frithjof Kleen die Starboot WM am Gardasee gewonnen.

Ein zwölfter Platz in letzten Rennen genügte, um knapp die Italiener Negri/Lambertenghi und Melleby/Prada mit zwei Punkten Vorsprung auf Distanz zu halten. Nach starkem Beginn der Serie, die nach altem Muster noch in langen 2,5 Stunden Rennen mit der gesamten Flotte ausgesegelt wird, gerieten die Deutschen zum Schluss doch noch unter Druck.

Der Streicher war schon mit einem 43. Platz im dritten Rennen erledigt. Sie durften sich nichts mehr leisten, die Konkurrenz kam besser in Schwung, und das letzte Rennen lief gar nicht gut. Aber am Ende konnten die Vize-Weltmeister von 2011 doch noch jubeln.

Deutsche Favoriten

Alles andere wäre für sie aber auch eine Enttäuschung gewesen. Im Jahr nach dem Olympia-Rauswurf hat die Starbootklasse deutlich an Qualität verloren. Stanjek/Kleen waren das einzige Team der Olympiateilnehmer, das in gleicher Zusammensetzung am Start war und klar favorisiert.

Auf dem Papier sollte der Olympia-Vierte Eivind Melleby (NOR) der größte Gegner sein, zumal er mit Robert Scheidts Vorschoter Bruno Prada (BRA) auf dem Papier ein Traumduo bildete. Aber sie brauchten ihre Zeit, um sich aufeinander einzuspielen. Erst zum Schluss der Regatta kam es mit Rang zwei und drei bestens in Schwung.

Der Gesamtzweite Diego Negri, ehemaliger Traingspartner der Deutschen, hatte die Olympiaqualifikation für 2012 überraschend auf dramatische Weise knapp verpasst, war danach aber mit neuem Vorschoter im Starboot verblieben.

Lars Grael zweimal zu früh

Die Altstars wie Torben Grael oder Mark Reynolds konnten keine Akzente mehr setzen. Die große Story dieser Regatta schrieb Lars Grael, der sich intensiv auf diese WM vorbereitet hatte. Der zweifache Tornado Bronze Gewinner, der 1998 bei einem Unfall auf dem Wasser ein Bein verlor, gewann zwei Rennen, startete aber zweimal zu früh und landete mit der Serie (bfd)/1/1/bfd/3/9 unglücklich auf Rang 19.

Eine solide Serie zeigten Johannes Polgar und Markus Koy, die es mit wenig Segelzeit in diesem Jahr noch bis auf Platz zehn schafften. Besonders ärgerlich: Der Abstand zu Rang 5 betrug nur vier Punkte.

Nach dieser WM mit Teilnehmern aus 18 Nationen bleibt die Frage, wohin der Weg für die Starboot-Klasse weiter führt. Die Preise für die Boote sind nach dem Olympia-Aus schon dramatisch verfallen. Und in Zeiten des modernen Segelsports hat die Uralt-Konstruktion viele Fans verloren.

Kann die Klasse ein Niveau erreichen, wie zum Beispiel der Drachen? Mit immensem Aufwand wird versucht, eine internationale Liga zu etablieren. Das Live-Viewing vom Gardasee Event war ein tolles Angebot für die Starboot-Enthusiasten. Aber man muss schon sehr von dieser Klasse fasziniert sein, um ein zweieinhalb Stunden langes Rennen per Live Tracker am Bildschirm zu konsumieren.

Es wäre zu wünschen, dass es klappt. Besonders für die große deutsche Flotte wäre das sicher eine positive Entwicklung. So bliebe den Starboot-Enthusiasten wohl das Schicksal der Tornado Klasse nach dem Olympia-Aus erspart. Sie musste gerade die Deutsche Meisterschaft in Hamburg streichen. Zu wenige Teilnehmer.

Robert Stanjek Frithjof Kleen

Zwei Punkte Vorsprung genügten am Gardasee zum WM-Titel. © Marc Rouiller/SSL

Ergebnisse Starboot WM 2014

Eventseite Starboot WM

Die Pressemitteilung:

Die deutschen Segler Robert Stanjek und Frithjof Kleen haben am Samstag im italienischen Malcesine die 2014 International Star Class World Championship gewonnen. Das Duo, das mit zehn Punkten Vorsprung in die letzte Wettfahrt ging, setzte sich in einem dramatischen Finale durch. Die neuen Champions sind die ersten deutschen Starbootweltmeister seit 17 Jahren. Zweite in der Gesamtwertung wurden die Italiener Diego Negri und Sergio Lambertenghi, Bronze ging an Eivind Melleby und Bruno Prada, die für Norwegen starteten.

 

Wolken über den Dolomiten und ein klarer Himmel über dem Gardasee sorgten für klassische Oro-Bedingungen. Der typische warme Südwind blies mit zwölf Knoten. Zahlreiche Windsurfer und Kiteboarder waren am ersten Juliwochenende auf dem Wasser. Drachensegler ließen sich von der Thermik des Baldo-Berges in die Höhe tragen. Hunderte Zuschauer beobachteten vom Ufer des Gardasees das dramatische letzte Rennen, Tausende verfolgten die Segel-Action, die dank Virtual Eye erstmals live übertragen wurde, am Bildschirm.

 

Der erste Start verlief hektisch. Wegen zahlreicher Frühstarts rief die Regattaleitung das gesamte Feld zurück. Der anschließende zweite Versuch wurde nach der Black-Flag-Regel durchgeführt. Trotzdem starteten neun Boote zu früh und wurden dafür disqualifiziert. Erst der dritte Startversuch gelang, und Diego Negri und Sergio Lamberthenghi gingen zunächst in Führung. Stanjek und Kleen starteten konservativ, erwischten aber zunächst keinen guten Wind und fielen auf Platz 16 zurück. An der ersten Wendemarke hatten dann die Griechen Emilios Papathansiou und Antonis Tsotras die Führung erobert. Nach drei Bahnen war klar, dass noch drei Teams um den WM-Titel kämpfen würden: Negri/Lambertenghi, Melleby/Prada und Stanjek/Kleen.

 

Die Italiener konnten sich dann zwar absetzen und gewannen das Rennen. Zum Gesamtsieg reichte dies allerdings nicht. Die deutschen Stanjek und Kleen kämpften verbissen um Anschluss, und schafften schließlich noch den zwölften Rang – das Ergebnis reichte, um den WM-Titel mit zwei Punkten Vorsprung zu gewinnen.

 

Nach Willy Kuhweide/Karsen Meyer (1972), Alexander Hagen/Vincent Hoech (1981) und Alexander Hagen/Marcelo Ferreira (1997) sind Stanjek und Kleen das vierte deutsche Team, das den prestigeträchtigen Titel eines Starboot-Weltmeisters gewinnen konnte.

 

„Auf der ersten Kreuz unterlief uns ein Fehler und wir standen von da an ziemlich unter Druck“, sagte Frithjof Kleen nach dem Rennen. „Auf dem ersten Vorwindkurs konnten wir nur wenige Sekunden gutmachen. Nach der zweiten Kreuz waren wir wieder im Rennen, aber wir hatten keine Ahnung auf welcher Position wir auf der letzten Vorwindstrecke waren. Wir konzentrierten uns dann darauf, den zwölften Platz zu erobern, denn wir gingen davon aus, dass das genügen würde. Als wir die Ziellinie überquerten, wollten wir noch nicht daran glauben. Als wir aber hörten, dass es nach der vorläufigen Wertung gereicht hatte, waren wir sehr glücklich. 2011 sind wir Zweite geworden. Mit dem Sieg in diesem Jahr haben wir also etwas abgeschlossen.“

 

Die offizielle Siegerehrung wurde im Segelclub Fraglia Vela Malcesine abgehalten, am Ufer des Gardasees, der sich als herausragender Austragungsort dieser Regatta erwiesen hatte. Diese Weltmeisterschaft wird in die Annalen eingehen als eine der knappsten Entscheidungen unter allen bisherigen 92 Ausgaben der International Star Class World Champioship.

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Starboot WM: Stanjek/Kleen bestätigen Favoritenrolle nach dramatischem Finale“

  1. avatar Jibman sagt:

    Glückwunsch an die beiden! Ich finde, das ist die Essenz von Sportlichkeit: Von einer Enttäuschung wie der Brunel- Absage nicht demotivieren lassen, sondern Konzentration auf das Nächstliegende- echter Sportsgeist, bewundernswert. Und ausser Scheidt und Percy waren alle da, Mangel an Konkurrenz dürfte nicht das Thema gewesen sein. Glückwunsch!

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  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Vielleicht hätte Bouwe Bekking doch Robert Stanjek für das VOR nominieren sollen. So entgeht ihm ein Supersegler mit Biss, Erfolgswillen und eindrucksvollen Siegen in der Tasche.

    Ich gratuliere den Weltmeistern Stanjek und Kleen. SUPER!

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  3. avatar Albatros sagt:

    So ein schönes Stück Sportgeschichte! Ganz großes Kompliment an Robert und Frithjof! Ich finde diese Stars in der Starbootklasse unglaublich. Schade, dass dieser Artikel so einen komischen Unterton hat. Nicht gekonnt oder absichtlich nicht gewürdigt. Auf jeden Fall freut es mich für Deutschland und alle jungen Segler, dass wir so tolle Sieger haben, zu denen wir aufschauen können, die motivieren und mitreißen! Bitte nehmt nicht den Fuss vom Gas!

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    • avatar Lyr sagt:

      @Albtros: ja, dieser “Unterton” ist mir auch aufgefallen. Sicherlich ist das zufällig und nicht gewollt, alles andere wäre eine “Enttäuschung” (um die Worte des Artikels aufzugreifen 😉 )

      Absolute Weltklasse Leistung und riesen Glückwunsch an Robert und Frithjof. In meinen Augen auch souveräner Sieg. Bis auf den einen unglücklichen Ausrutscher waren das nur Top Ten Platzierungen bis zum letzten Tag. Und mit einer zehn Punkte-Führung im Nacken segelt man nun mal nicht auf Risiko, da ist der 12.Platz fast noch höher zu werten, als der Erste im ersten Rennen!!
      Da gibt es eigentlich nicht viel zu relativieren.

      Sehr solide, tolle Leistung Mr. Danger-Man 🙂
      Lasst Euch ordentlich feiern!

      Jan

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  4. avatar elMerk sagt:

    Der Reporter schreibt: “Stanjek/Kleen waren das einzige Team der Olympiateilnehmer, das in gleicher Zusammensetzung am Start war und klar favorisiert.” Das ist so nicht richtig, denn die Griechen waren nicht nur in derselben Besetzung sondern sogar mit dem selben Material von Olympia 2012 am Start.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Feiern geht auch besser wenn man nicht mehr den olympischen Druck hat aber trotzdem supergut ist!

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  5. avatar Phil sagt:

    Es wird davon gesprochen, dass nur noch Starbootfans die 2,5 Stunden aufbringen für die Übertragung eines Rennens. Klar es gibt auch Menschen die Arbeiten müssen.

    Aber wesentlich schlimmer finde ich, dass es Reporter gibt die nicht mal genügend Zeit für einen ordentlichen, fachlichen und sachlichen Bericht investieren können!!!!!!!!

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  6. avatar Felix sagt:

    Schade, der Artikel ist wirklich schwach. Schön, dass man auf der heutigen Seite lesen kann, dass 49er Segler gekentert sind. Wow. Da ist es ja wirklich langweilig und anachronistisch, mit einem Starboot 2,5 h lange rennen zu fahren….. Die beiden aus Berlin haben eine große Leistung gezeigt, dort waren eine Menge sehr guter Leute am Start und wir können froh sein über einen WM-Titel in der Starbootklasse!

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