STG Abschluss-Regatta: Schümann gegen Gerz. Altmeister wankte, fiel aber nicht

Kleiner Fehler, große Wirkung

Letztes Spi-Setz-Manöver, das Liek bleibt an der Saling hängen, die Beschleunigung fehlt, der alte Fuchs Schümann rauscht heran, nutzt den Speed für eine bessere Halse und schwupps rutscht er durch. Kleiner Fehler, große Wirkung.

Jochen Schümann jubelt mit seiner Crew am Wannsee über den Sieg gegen die Nationalmannschafts-Segler. © Marina Könitzer

Jochen Schümann jubelt mit seiner Crew am Wannsee über den Sieg gegen die Nationalmannschafts-Segler. © Marina Könitzer

Die 470er Olympioniken Ferdinand Gerz (23) und Patrick Follmann (22) sind nah dran am Gesamtsieg bei der Abschluss Regatta des Sailing Team Germany auf dem Wannsee. Die Match Race Neulinge luxen Schümann im Finale schon einen Sieg ab und auch im entscheidenden Rennen lässt er ihnen viel zu viel Platz an der Startlinie. Aber dennoch setzt sich schließlich der dreimalige Olympiasieger (58) mit seiner Silber-Crew von Sydney Gunnar Bahr und Ingo Borkowski durch.

Die Regatta war eine nette Veranstaltung, die besonders auch bei der Feier am Samstag Abend in den Räumlichkeiten VSaW spezielle Akzente setzte. Denn die beste Nachricht für die Nationalmannschaft war am Wochenende, dass die beiden Hauptsponsoren Audi und SAP bis 2016 weiter mit im Boot sind.

So gestaltete sich die Mischung der verschiedenen Segel-Nationalteams mit Sportlern aus anderen Disziplinen als großer Spaß. Auch wenn die mit vier Mann recht üppig besetzten SB20 Kielschiffe bei überwiegend leichten Windbedingungen nicht immer gut in Schwung kamen.

Besonders die Starboot-Vize-Weltmeister Robert Stanjek und Frithjof
Kleen erstaunliche Probleme. Die gewichtigen Starbootsegler bekamen noch einen Gold-Ruderer ins Schiff gesetzt und da machte auch Opti-Segler Paul Feldhusen keinen großen Gewicht-Unterschied mehr aus. Sie wurden letzte.

Auch Schümanns Crew hatte im Finale mit einer etwa 100 Kilo Differenz zu den 470er Spezialisten ein ordentliches Päckchen zu tragen und konnte nur seine Match Race Erfahrung dagegen setzen. Am Ende reichte es doch.

Neu war die Live-Übertragung der Regatta, bei der das besonders mit SAP entwickelte Setup genutzt wurde. Die 49er Euro am Gardasee war noch der Testlauf, diesmal wurde schon eine ordentliche Qualität erreicht, die das Segeln einer breiteren Öffentlichkeit näher bringen soll.

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Die STG-Pressemitteilung

„Die Rennen haben sich immer schon vor dem Start entschieden. Wenn Ferdi am Start vorne lag, war er schwer einzuholen. Man musste einfach auf einen Fehler warten und der kam dann – für uns zum Glück – nach der letzten Tonnenrundung”, freute sich Jochen Schümann als er am Steg des VSaW mit seiner Crew Ingo Borkowski, Gunnar Bahr und Fechterin Monika Sozanska anlegte und mit Sekt empfangen wurde.

Im Finale machte es Steuermann Ferdinand Gerz mit seinem Team Patrick Follmann, Dustin Baldewein und Judoka Christopher Völk der Segellegende Schümann nicht leicht. Schon das erste Rennen ging an den 23-jährigen Olympiateilnehmer im 470er. Mit großem Vorsprung, trotz Strafkringel, querte Gerz die Ziellinie als Erster.

Das zweite Rennen entschied der dreifache Olympiasieger Jochen Schümann mit deutlichem Vorsprung für sich. Die entscheidende dritte Wettfahrt war an Spannung nicht zu überbieten. Dicht an dicht matchten sich beide Teams und Gerz blieb bis zum letzten Down Wind in Führung.

Doch da hatte das Team Gerz Probleme mit dem Gennaker und Schümann konnte vorbeiziehen. „Je mehr der Druck stieg, desto ruhiger und professioneller wurde das Team und ich war mir 100 prozentig sicher, dass wir das Ding noch gewinnen“, resümierte Fechterin Monika Sozanska.

„Es ist unser erstes Match Race gewesen und wir sind stolz, so weit gekommen zu sein und Jochen Schümann ein wenig geärgert zu haben“, sagte Gerz bei der Siegerehrung, die noch eine Überraschung für das Team bereit hielt. Ursprünglich wartete auf die Sieger eine Reise nach Rio de Janeiro zum Finale der „Extreme Sailing Series“, gesponsert von STG-Partner SAP AG.

Die Zweitplatzierten bekamen ein DTM VIP-Package für vier Personen, gesponsert von der Audi AG. „Nun ist Rio die kommende Olympia-Stadt und da sollten die Jungen und nicht die Alten hinfahren. Daher geben wir unseren ersten Preis an die Zweiten ab“, erklärte Schümann. So hatte Ferdinand Gerz auf einmal zwei Preise in der Hand. „Dann geben wir unseren Preis aber auch weiter und zwar an die Drittplatzierten“, lachte Gerz.

Im kleinen Finale besiegte die Crew um Steuerfrau Kathrin Kadelbach das Laser-Team mit Steuermann Simon Grotelüschen. „Heute morgen sind wir knapp ins Viertelfinal gerutscht, aber dann haben wir noch mal Gas gegeben und den dritten Platz geholt“, lachte Kathrin Kadelbach, die mit Nils Schröder, Annika Bochmann und Ruderin Britta Oppelt segelte.

Simon Grotelüschen schloss sein olympisches Jahr und vorerst letztes Regattajahr im Laser mit dem vierten Platz: „Wir sind in den Fleet Races gut gesegelt und das ist das, was wir können. In den Halbfinalrennen sind die 470er-Jungs einfach schnell und sauber gesegelt. Sie sind hervorragende Segler und haben eine große Zukunft vor sich. Ich hätte ihnen den Sieg gegönnt“, so Simon Grotelüschen, der auf eine schöne Regatta zurückblickte, „mit meiner Mannschaftskonstellation kann ich mir vorstellen weitere Regatten dieser Art zu segeln.“

„Teamgeist, Teamschweiß und Teamschwof – das ist das Fazit dieser tollen Veranstaltung“, resümierte der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes Rolf Otto Bähr. „Insgesamt 48 Spitzensportler mit 23 Olympioniken des Segelsports und weiterer Sportarten wie Rudern, Moderner Fünfkampf oder Judo saßen in einem Boot, haben zusammen gekämpft, geschwitzt und bei der gestrigen Sailor’s Night geschwoft. Das ist ein gelungener Saisonabschluss vor der langen Segeldurststrecke: dem Winter“.

Auch Dr. Andreas Pochhammer, Vorsitzender des Verein Seglerhaus am Wannsee, dankte noch einmal herzlich den Sponsoren und Organisatoren: „Im kommenden Jahr wollen wir das Berlin Match Race wie gewohnt als Grade 1 Event wieder organisieren“.

Die „Audi Sailing Team Germany meets Berlin Match Race“ Regatta ist veranstaltet vom Verein Seglerhaus am Wannsee und dem Sailing Team Germany mit ihren Partnern Audi und SAP. „Der Event ist in doppelter Hinsicht das Highlight des Jahres. Einerseits, weil Olympia-Sportler und Segler zum Segeln zusammenkommen und gemeinsam das olympische und paralympische Jahr feiern. Andererseits, weil wir die kommenden vier Jahre gemeinsam mit unseren Partnern Audi, SAP und Marinepool planen können“, resümierte Oliver Schwall, Geschäftsführer vom STG.

Stefan Lacher, Head of Technology SAP Sponsorships ergänzte: „Wir freuen uns, die Segel-Nationalmannschaft auch bis Rio 2016 zu unterstützen. Der Event ist rundum gelungen. Mit Hilfe unserer entwickelten Technologielösungen konnten wir den Zuschauern an Land und im Internet den Segelsport erlebbar und verständlich näher bringen.“

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „STG Abschluss-Regatta: Schümann gegen Gerz. Altmeister wankte, fiel aber nicht“

  1. avatar bo sagt:

    egal ob knapp oder nicht, Sieg ist Sieg.
    Immer wieder erstaunlich was Jochen Schümann so drauf hat. Ich habe mir die Rennen live angeschaut,
    Irgendein Ass holt er immer aus dem Ärmel , auch bei den Fleetraces wenn er mal hinten war, hat er sich immer wieder vor gesegelt. Mich würde interessieren , was den Unterschied ausmacht, ist das wirklich die Erfahrung ? Denn segeln die können die alle.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

  2. avatar Kollege sagt:

    Ja und was war bei der Meisterschaft der Meister in Hamburg? Wo blieb da Schümanns Ass? Im Ärmel?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 10

    • avatar sagt:

      Ist ein 3. Platz in einem so hochkarätigen Feld schlecht? Also ich finde die Konstanz mit der egal wo und mit was schon beeindruckend. Und wie gesagt, die können alle sehr gut Segeln!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. avatar Kollege sagt:

    Naja Konstanz.. Letztes Jahr war Schümann beim richtigen BerlinMatch Race vorletzter und bei der TP 52 Weltmeisterschaft letzter..

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

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