Strandsegel WM: Sven Kraja holt zwei mal Bronze

Windhose statt Trockenanzug

Ankündigung zur Strandsegel-WM. Aktuelles Material von GEMA gesperrt 🙁


 
Die Strandsegel WM in den USA ist Geschichte. Eine Geschichte, die von den Teilnehmern noch lange erzählt werden wird.

Sven Kraja auf der Piste © Kai-Uwe Eilts

Sven Kraja auf der Piste © Kai-Uwe Eilts

In Deutschland wird die Sportart, in der mit Dreirädern über den Sand gesegelt wird, Strandsegeln genannt. In den USA heisst sie Landsailing. Oder Dirtboating. Und dieser Ausdruck trifft die vergangene WM in der Wüste von Smith Creek in Nevada wohl besser.

“Es ist was völlig anderes als in St. Peter Ording oder in der Bretagne am Strand. Du fährst mit weit über 100 Sachen auf einer staubigen Piste, hart wie Beton. Der Drittplatzierte sieht schon gar nichts mehr. Und der Wind spielt völlig verrückt”, sagt Titelverteidiger Sven Kraja daheim in Schleswig immer noch sichtlich beeindruckt. Wir sitzen auf seiner Terrasse, plaudern und essen -natürlich- American Burger von Grill.

Medaillenregen

Crazy Germans @Kai-Uwe Eilts

Crazy Germans @Kai-Uwe Eilts

Strand ist was anderes und geht anders als ein Dry Lake. Deshalb sind die beiden dritten Plätze von Sven in der Miniyacht-Klasse und in der Klasse 5 nicht hoch genug zu bewerten. Ebenso wie die Silbermedaille bei den Minis durch seine Lebensgefährtin Gitta Steinhusen. Geschlagen nur von einer Französin, die diesen Sport professionell ausübt. Auch mit der Mannschaft wurde in vielen Klassen Medaillen eingefahren.

Bei den Standards war erstmals seit vielen Jahren kein Franzose auf dem Treppchen. Manfred Nielsen belegt den fünften Platz und Horst Herbst wurde Sechster. Überhaupt war mit 9 Medaillen über alle Tage und Wertungen diese Weltmeisterschaft eine der erfolgreichsten der deutschen Teilnehmer – trotz der widrigen Bedingungen. Es verwundert kaum, dass die USA am besten abgeschnitten haben.

Über 70 km/h ohne Segel

Staubige Meisterschaft © Kai-Uwe Eilts

Schutz unterm Segel © Kai-Uwe Eilts

Gitta Steinhusen: “So eine Wüste wie dieser Dry Lake Smith Creek hat extreme Wetter- und Windsituationen. Es ist heiß, staubig. Du fährst über die Strecke und plötzlich taucht eine Windhose neben dir auf. Mal ist es windstill, um im nächsten Moment auf acht Windstärken umzuschlagen. Und die Windrichtung wechselt alle paar Meter”.

In einem Sandsturm, den die Teilnehmer teilweise Schutz suchend unter ihren Segeln verbrachten, machte sich Kraja’s Miniyacht im Chaos von allein selbständig. Als man sie später ein paar hundert Meter vom Fahrerlager entfernt fand, zeigte das GPS eine Höchstgeschwindigkeit von über 70 km/h an. Kraja: “Und es waren nicht einmal die Segel dran!” Diese Bedingungen führten auch während der Rennen einige Male zu waghalsigen Szenen. Zum Glück wurde kein Fahrer ernsthaft verletzt. CNN berichtete vor Ort. Ein Spektakel in der Wüste.

 

Ergebnisliste der WM

Perfekte Segelbedingungen. © Kai-Uwe Eilts

Perfekte Segelbedingungen. © Kai-Uwe Eilts

Für die europäischen Teilnehmer dürfte diese Veranstaltung noch lange in Erinnerung bleiben. Der skurrilste Ort, den man sich für ein Segelevent wohl vorstellen kann. Die gesamte Organisation wurde von allen Seiten gelobt. Kraja: “Unglaublich, was die da auf die Beine gestellt haben. Rund 400 Leute waren vor Ort, alle mussten versorgt werden.” Ein Cateringwagen (“Die leckersten Burger überhaupt”) kümmerte sich um das leibliche Wohl, Dixieklos für das andere leibliche Wohl.

Ab und zu kam ein Service-LKW vorbei, um die Wohnmobile abzupumpen. Um zu sehen, ob jemand von zu Hause angerufen hat, fuhren einige zig Kilometer weiter auf eine Anhöhe, auf der es gerüchtweise Empfang geben sollte. Der nächste kleinere Ort, allerdings ohne Versorgungsmöglichkeit: rund 40 Meilen entfernt. Eingekauft wurde täglich durch Sammelbestellungen.”Alle fanden es toll. Nur die ehrgeizigen Franzosen waren leicht genervt, weil sie nicht so gut abgeschnitten haben wie gewohnt” – Kraja lächelt und beißt in seinen Burger.

Der Bus aller Busse © Kai-Uwe Eilts

Der Bus aller Busse © Kai-Uwe Eilts

Road Trip

Unabhängig von den sehr guten sportlichen Ergebnissen wurde das “German Team” überall bewundert empfangen. “You travelled all that long way from Germany in a bus?” war wohl die am häufigsten gestellte Frage dieser WM. Denn mitten drin im staubigen Trubel: Der Ex-Norderney-Linienbus von Kai-Uwe Eilts, altehrwürdiges Teamgefährt, Basecamp und Partybus zugleich. Einen Linienbus aus Norderney wird dort im Outback kaum jemand zuvor gesehen haben (SR berichtete). Den riesigen Bus haben die Jungs vor der Tour noch passend für die Wüste ausgestattet. Mit Transportboxen für die Yachten, Sonnensegel und – natürlich – Bacardi-Cola.

 

Segeln inmitten großer Kulisse © carels

Segeln inmitten großer Kulisse © carels

 

Vor und nach der WM ging es dann für mehrere Teilnehmer im Kässbohrer-Setra auf eine mehrtägige Tour durch die USA. Von LA, San Francisco, Las Vegas, Chicago – vom Mount Rushmore über den North Sails Stammsitz zum Privathaus von Jack O’Neill, dem Erfinder des Neoprenanzugs, wurde nichts wichtiges ausgelassen.

Gitta: “Die Leute haben uns teilweise wie Außerirdische, aber immer sehr freundlich begrüßt. Ständig haben sie uns zugewunken.” Tagsüber wurde im Bus durchs Land getingelt, abends in Motels übernachtet. Ein würdiger Abschluss für eine erfolgreiche WM. Der Bus befindet sich nun auf der Rückfahrt nach Baltimore, von wo aus er per Fähre zurück nach Hamburg verfrachtet wird. Anfang Oktober steht er dann bei einer Regatta wieder am Strand in St. Peter Ording. Mal sehen, ob’s dann auch Burger gibt.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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